3 Fragen, 3 Antworten

Berlin ist die gefährlichste Radfahrerstadt Europas – zumindest ist das das Ergebnis einer Auswertung des französischen Datenjournalisten Nicolas Kayser-Bril. Er hat die Zahl der im Verkehr schwerverletzten oder verstorbenen Radfahrer in europäischen Großstädten verglichen, in der deutschen Hauptstadt war die Zahl am höchsten. 

Demnach gab es im 2012 in Berlin 699 tote oder schwerverletzte Radfahrer im Verkehr, in London 571. Danach folgt mit großem Abstand die französische Hauptstadt: Dort gab es im Jahr 2011 insgesamt 49 tote oder schwerverletzte Radfahrende, in Barcelona waren es nur zwölf.  

Klar: Die Städte sind unterschiedlich groß, außerdem fahren in Berlin vielleicht einfach mehr Menschen Fahrrad als in Barcelona oder Paris. 

Aber auch diesen Einwand schaute Kayser-Bril sich genauer an, und wertete die Zahl der toten oder schwerverletzten Radfahrerinnen und Radfahrer im Verhältnis zu den zurückgelegten Radwegen in dieser Stadt aus. 

Das Ergebnis: Berlin führt die Statistik weiter an, mit 5,4 schwerverletzten oder toten Radfahrenden pro einer Million zurückgelegter Fahrten, gefolgt von London mit 4,5 und Paris mit 1,9. 

Wie aktuell ist die Auswertung?

Die Daten, die Kayser-Bril benutzte, stammen aus den Jahren 2011 und 2012, die aktuellen Zahlen der Berliner Verkehrsstatistik zeigen aber: Es hat sich kaum etwas geändert. Im Jahr 2017 gab es 691 schwerverletzte oder tote Radfahrer in der deutschen Hauptstadt (Berliner Verkehrsstatistik 2017). 

Warum sind Berlin und London so gefährlich?

Kayser-Bril vermutet: Weil die erlaubte Geschwindigkeit für Autos in diesen Städten höher ist als etwa in Paris oder Barcelona. Die meisten Unfälle entstünden, wenn Autos und Lkw rechtsabbiegten – dabei reduziere die höhere Geschwindigkeit die Reaktionsfähigkeit der Autofahrenden, es komme häufiger zu Unfällen. 

Sind die Daten verlässlich?

Nur eine einzige Erhebung wertete ihm zufolge zuverlässig aus, wie die Bewohner in europäischen Städten ihr Rad nutzen (Eurostat). Darauf beruhen seine Berechnungen. Aber der Journalist gibt selbst zu: Radfahrerinnen und Radfahrer können an dem einen Tag ihr Rad, am nächsten die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Das macht die Daten weniger genau. 

Außerdem schreibt Kayser-Bril: Auch die Angaben zu den verletzten und toten Verkehrsteilnehmenden sind von Land zu Land unterschiedlich. Mal veröffentlicht die Polizei die Verkehrsstatistik, wie etwa in Berlin, mal die Krankenhäuser, zum Beispiel in Paris. Außerdem variiert die Definition von "schwerverletzt" von Land zu Land.

Trotzdem zeigt die Auswertung: In Berlin ist Radfahren gefährlich. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. Auch in anderen deutschen Städten ist die Situation ähnlich. Deshalb erinnern viele Fahrerinnen und Fahrer jedes Jahr gemeinsam beim "Ride of Silence" an die vielen toten Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr, in dem sie weiß gekleidet durch die Straßen fahren (bento). 

Berlin will nun fahrradsicherer werden: Der Senat beschloss Ende Juni ein Mobilitätsgesetz. Demnach soll es bald mehr geschützte Radwege geben, Kreuzungen sollen umgebaut und so sicherer gemacht werden (Tagesspiegel). 


Future

Jeden Tag nur Wein: Hier verrät eine Winzerin alles über ihren Job
An manchen Abenden gehen schon mal mehrere Flaschen weg.

Wenn Sabrina Becker aus dem Fenster guckt, fällt ihr Blick auf sattes Grün. Dazu Hügel mit Weinbergen, am Horizont zeichnet sich schwach die Skyline von Frankfurt ab.

Sabrina ist 27 und hauptberuflich Winzerin. In diesem Jahr hat sie ihren ersten eigenen Jahrgang abgefüllt.

In Deutschland gibt es 17.000 Betriebe, die Trauben für Weine anbauen (Statistisches Bundesamt). Nur knapp 600 davon sind in der Hand von Winzerinnen und Winzern unter 35. Sabrinas Weingut liegt im rheinhessischen Spiesheim.