Die Gegenproteste haben offenbar etwas bewirkt – nicht zur Freude aller.

Berlin Kreuzberg, das war mal dreckige Straßen und besetzte Häuser. Dreckige Straßen gibt es noch immer, aber in vielen Häusern findet man inzwischen Hipster und junge Unternehmer. Der Kiez verändert sich, Mieten steigen. Das sorgt bei vielen Alteingesessenen für Unmut.

Und dieser Unmut hat nun offenbar ein Unternehmen davon abgehalten, sich in Kreuzberg anzusiedeln: Google.

Welche Pläne hatte Google in Kreuzberg?

Das Unternehmen wollte in den Räumen des Umspannwerks, einer alten Generatorenhalle am Paul-Lincke-Ufer, einen Campus eröffnen – einen Ort, an dem Start-ups arbeiten, zusammen kommen und in Mentoring-Programmen von Google betreut werden sollten.

Schon seit Google diese Pläne vor zwei Jahren bekannt gab, protestierten Menschen gegen den Campus. Die Eröffnung, so befürchteten die Gegnerinnen und Gegner, würde die Gentrifizierung des Viertels nur weiter beschleunigen. Im September gipfelten die Proteste in einer kurzzeitigen Besetzung des Umspannwerks. (Berliner Zeitung)

Warum ändert Google nun seine Pläne?

Am Mittwoch gab Google nun bekannt, dass es doch kein Campus in Kreuzberg geben wird. Stattdessen soll im Umspannwerk ein Haus für soziales Engagement entstehen, das die Spendenplattform "Betterplace" und "Kahuna", ein Hilfsverein für Kinder und Jugendliche, gestalten werden. (Berliner Morgenpost)

Ralf Bremer, Sprecher von Google, sagte, man lasse sich "nicht von den Protesten diktieren, was wir machen". Die jetzige Lösung sei Ergebnis vieler Gespräche mit verschiedenen Parteien.

Statt in Kreuzberg will man sich nun in Räumen in Berlin Mitte um Start-ups kümmern. Einen Campus in der ursprünglich angedachten Form soll es in Berlin erst einmal nicht geben.

Wie sind die Reaktionen?

Aus dem Berliner Senat kommen gemischte Reaktionen. Ramona Pop (Grüne), die die Wirtschaftsverwaltung führt, nennt die neuen Pläne "interessant", signalisierten sie doch, dass sozial und ökologisch orientierte Unternehmen an Bedeutung gewännen.

Andere Abgeordnete können dem Google-Rückzug jedoch nicht so viel abgewinnen: Vor allem aus der Opposition kommt scharfe Kritik. Sebastian Czaja (FDP) sagt, die Vorfälle sendeten ein falsches Signal an Unternehmen und Investoren, stattdessen motiviere es Menschen, jegliche Veränderung in ihrem Kiez zu torpedieren. Auch Christian Gräff von der Berliner CDU nannte den Google-Rückzug einen "schweren Rückschlag für den Wirtschaftsstandort" und sieht ein Versagen des Senats. (Berliner Zeitung)

Auf Twitter freuen sich derweil einige, dass der Protest etwas bewirkt hat:



Today

Frau in Münchner U-Bahn vergewaltigt, MVG bietet Sonderfahrt im Partyzug als Trost
Zwei Fragen und Antworten zum Fall

Ein U-Bahnfahrer hat in Müchen in einer U-Bahn eine 18-Jährige vergewaltigt. Der 58-Jährige hat die Tat gestanden und wurde vom Amtsgericht München am Mittwoch verurteilt. Die Strafe beträgt zwei Jahre und neun Monate Haft. Die Müncher Verkehrsgesellschaft (MVG) hat das Opfer vor dem Beginn des Prozesses als Wiedergutmachung eine kostenlos Sonderfahrt in einer Straßenbahn angeboten.

Was ist passiert?

Am 16. Juni befand sich die damals 18-Jährige auf dem Nachhauseweg. Ihren Ausstieg hatte sie verpasst, als der U-Bahnfahrer sie schlafend auf einem Kontrollgang entdeckte. Die Bahn befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Wendeschleife. Aufzeichnungen einer Überwachungskamera zeigen, wie er ihr mehrfach unter die Kleidung griff und sie vergewaltigte.

Die Frau soll mehrfach versucht haben, den Mann wegzustoßen. Sie sei aber so betrunken gewesen sein, dass sie immer wieder einschlief. Erst als die Bahn acht Minuten später weiterfuhr, habe der 58-Jährige von ihr abgelassen. (Bayerische Rundfunk)

Zum Prozessauftakt am Montag räumte der Mann die Tat ein und ersparte wohl so dem Opfer eine Aussage. Das Urteil wurde am Mittwoch gesprochen: zwei Jahre und neun Monate Haft wegen Vergewaltigung einer Widerstandsunfähigen und unterlassener Hilfeleistung.

Wie reagierte die MVG?

Das Münchner Verkehrsunternehmen (MVG) bot nach der Tat der jungen Frau eine kostenlose Sonderfahrt in einer Tram an – auf der Webseite der MVG findet man diese unter dem Reiter "Sonderfahrten / Partytram". Ein Mitglied aus dem Führungsteam der MVG rief die mittlerweile 19-Jährige an und lud sie auf die kostenlose Fahrt ein. (Merkur)

Für die junge Frau kaum zu glauben: Sie sei davon "fassungslos und enttäuscht" gewesen. Nach der Tat habe sie noch immer mit den psychischen Folgen zu kämpfen. Das Angebot der MVG habe sie verletzt. Kurz darauf habe der Mitarbeiter sie sogar erneut per SMS kontaktiert, um zu fragen, wie sie sich entschieden habe.

Die MVG bestätigte, dass es das Angebot gegeben habe. Es habe sich dabei um ein "Zeichen der Anteilnahme und Unterstützung" gehandelt. Falls dies aber zu Irritationen geführt habe, bedaure man das aber "zutiefst". Der Mann, der sich mit dem Angebot bei dem Opfer gemeldet hatte, arbeite nicht mehr bei der MVG, dies habe allerdings nichts mit dem Sonderfahrt-Angebot zu tun.

Die MVG erklärte, dass es sich bei solch einer Sonderfahrt zudem nicht automatisch um eine Fahrt in der "Partytram" handele, sondern um eine "exklusive Fahrt außerhalb des regulären Linienbetriebs". (Welt)

Update, 15.30 Uhr: Wir haben die Meldung um das Urteil ergänzt.