Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch – genau, die mit dem Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge – hat sich bei der Rechtsaußen-Politikerin Erika Steinbach ein paar Twitter-Tricks abgeschaut. Genauer gesagt: das Trollen. Sie schreibt:

"Was will uns die traditionsreiche Zeitschrift 'Eltern' mit diesem Titel eigentlich sagen?"

Ihr Tweet ist erst mal recht unverfänglich. Irgendein Vorwurf steckt drin – die "traditionsreiche" Zeitschrift macht etwas, was gegen die Tradition spricht, gegen "Eltern". Was Beatrix von Storch damit meinen könnte:

  • Nicht jede Mutter ist die beste für ihr Kind – eine Herzogin zum Beispiel ist doch viel besser.
  • Eine Mutter mit Kopftuch ist nicht unbedingt gut fürs Kind.
  • Die Zukunft der Familie soll lieber blond und blauäugig sein.
  • Kopftücher haben auf Zeitschriften in Deutschland nichts zu suchen.
  • Deutsche Zeitschriften sollen nur Deutsche zeigen, die kein Kopftuch tragen.
  • Eine Mutter und ein Kind – da fehlt der Vater!

Aber weil sie nichts davon schreibt, sind das natürlich nur böse Unterstellungen. Nichts davon hat sie gesagt! Die schlechte Nachricht: Wer auch nur anfängt, darüber ernsthaft nachzudenken, was die "traditionsreiche" "Eltern" nun falsch gemacht hat, ist auf die Politikerin mit der traditionsreichen Familie hereingefallen.

Sie trollt uns. So funktioniert das Anstacheln auf Social Media: Bloß nichts sagen, nur andeuten. Der anonyme Mob wird in den Kommentaren schon die richtigen Schlüsse ziehen. Und falls nicht: Immerhin ein paar "Gutmenschen" geärgert.

Regen wir uns also nicht über Beatrix von Storch auf, sondern sagen lieber der "Eltern": Danke! Für das Cover der Februar-Ausgabe, von dem es fünf Varianten gab, jeweils andere Mütter mit Kind. Eine davon mit Kopftuch. Obwohl es nicht um das Kopftuch an sich oder den Islam ging.

Das mag der AfD und besonders Beatrix von Storch nicht gefallen – muss es auch nicht! Denn zum Glück leben wir in einer vielfältigen, modernen und offenen Gesellschaft.


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