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Am Mittwoch soll der Anwalt der mutmaßlichen NSU-Terroristin eine Erklärung verlesen.
Was soll passieren?

Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen: Seit zweieinhalb Jahren läuft der Prozess gegen die 40-jährige mutmaßliche Nazi-Terroristin am Oberlandesgericht in München, ausgesagt hat sie bisher nicht. Zschäpes Anwalt soll am Mittwoch eine Erklärung der Angeklagten verlesen (SPIEGEL ONLINE).

Über deren Inhalt ist bisher nichts bekannt. Weil nur ein Verhandlungstag dafür angesetzt ist, will Zschäpe Nachfragen durch den Richter oder die anderen Anwälte offenbar nicht beantworten.

Zschäpe soll als Teil des Neonazi-Terrornetzwerks Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) unter anderem an mehreren Morden, vor allem an türkischstämmigen Unternehmern in ganz Deutschland beteiligt gewesen sein. Sie ist die einzige Überlebende des Trios, zu dem auch Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt gehörten.

Warum sagt Zschäpe jetzt aus?

Die Angeklagte hat schon länger angedeutet, dass sie nicht den gesamten Prozess lang schweigen will. Auf Anraten ihrer bisherigen Anwälte hatte Zschäpe aber bis jetzt nicht ausgesagt, darunter nach Aussagen ihres Psychiaters aber zunehmend gelitten. Nachdem sie beantragt hatte, dass ihre Anwälte entlassen werden und nun zusätzlich von dem Anwalt Mathias Grasel vertreten wird, ändert dieser nun offenbar die Verteidigungsstrategie.

Bislang musste sich Zschäpe belastende Aussagen anhören, ohne widersprechen zu können. Neben dem psychischen Stress, den das bei ihr verursachte, hofft sie wohl auch darauf, mit einer leichteren Strafe davonzukommen.

Zschäpe ist wohl die einzige lebende Person, die noch präzise Informationen zu möglichen weiteren Helfern und Kontakten des NSU zu den deutschen Sicherheitsbehörden geben kann. Wenn sie bei der Aufklärung der Verbrechen kooperiert, vermeidet sie womöglich, für den Rest ihres Lebens im Gefängnis sitzen zu müssen.

Warum ist das wichtig?

Die Mord- und Anschlagsserie des NSU ist der größte Skandal, den sich die deutschen Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahren geleistet haben. Jahrelang konnte das Trio von den Behörden unentdeckt Menschen töten, die Verfassungsschutzbehörden verschiedener Bundesländer leisteten sich unzählige Pannen.

Sie tappten jahrelang im Dunkeln, obwohl sie immer wieder im NSU-Umfeld ermittelten und dort mehrere V-Leute installierten (eine Art verdeckte Ermittler, die aber nicht dauerhaft für die Behörde arbeiten).

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