Bild: Sven Hoppe/dpa

Bayern hat gewählt und die CSU abgestraft. Die Partei kann nicht mehr allein regieren, denkbar wäre zum Beispiel eine Koalition mit den Freien Wählern oder den Grünen. (SPIEGEL ONLINE)

Außerdem sind in Bayern wieder deutlich mehr Menschen zur Wahl gegangen, die Wahlbeteiligung stieg von 63,6 auf 72, 4 Prozent. Trotzdem würde die fiktive Partei der Nichtwähler immer noch die größte Fraktion ausmachen. Die AfD würde zwar trotzdem in den Landtag einziehen, die FDP aber nicht.

Das ist das "ehrliche Wahlergebnis" in Bayern:

  • Nichtwähler: 28 Prozent
  • CSU: 26, 9 Prozent
  • Grüne: 12, 7 Prozent
  • Freie Wähler: 8,4 Prozent
  • AfD: 7,3 Prozent
  • SPD: 6,9 Prozent
  • FDP: 3,6 Prozent
  • Sonstige: 3,9 Prozent

Die Berechnungen der "Welt" beziehen sich noch auf die letzten Hochrechungen in der Nacht zum Montag und berücksichtigen noch eine Wahlbeteiligung von 72 Prozent. Ungültige Stimmen wurden nicht berücksichtigt.  

Was haben die Ergebnisse zu bedeuten?

Die Regierungsbildung wäre eine deutlich schwierigere Aufgabe. Vermutlich hätten die Nichtwählerinnen und Nichtwähler eher keine Lust aufs Regieren. Darüber hinaus könnten aber keine anderen zwei Parteien gemeinsam regieren.

Die CSU und die Grünen kämen zusammen nur auf 39, 4 Prozent. Klappen könnte es nur, wenn sie sich mit den Freien Wählern zusammentun. CSU, Grüne und SPD kämen auf 46,3 Prozent, der nötige Prozentanteil liegt bei 45 Prozent. 

Wer sich die Ergebnisse anschaut und die Nichtwähler berücksichtigt, sieht auch, dass die Zustimmung zur AfD deutlich geringer ausfällt.


Gerechtigkeit

Bayern ist aufgewacht: Wie sich die Wahl für uns junge Menschen anfühlt
Endlich bewegt sich etwas!

In den vergangenen Monaten hat sich in Bayern einiges getan. Das zeigt jetzt auch das Wahlergebnis: 37,2 Prozent, da ist die CSU ziemlich auf die Nase gefallen. Auch die SPD ist derzeit bei uns in Bayern nicht wirklich beliebt. Gewonnen hat Grün, vor allem in den Städten.

Ein kleines Beben ist das hier, auch wenn das die CSU nicht wahrhaben will. Doch das Wahlergebnis ist eindeutig: In Bayern haben viele keine Lust mehr auf ein "weiter so". Die Zeit, in der nur eine Partei alleine regieren konnte, ist vorbei. Viele von uns jungen Menschen wünschen sich schon lange vor allem eines für Bayern: Dass sich endlich mal etwas bewegt. Und es hat sich etwas bewegt im Freistaat. Drei Beispiele:

1Protest, größer als die Meisterfeier

In den letzten Jahren war Bayern nicht unbedingt bekannt dafür, dass viele Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gehen. Doch auch wenn München noch lange nicht Berlin ist, konnte sich das, was man hier auf den Straßen der bayerischen Hauptstadt in den letzten Monaten beobachten konnte, durchaus sehen lassen. Denn als die CSU das neue Polizeiaufgabengesetz verabschieden wollte, reichte es vielen von uns endgültig.

30.000 Menschen gingen im Sommer gegen das neue Gesetz der CSU auf die Straße. Menschen quer durch alle Altersgruppen versammelten sich zusammen auf dem Münchner Marienplatz um gemeinsam zu demonstrieren. Der Andrang war sogar größer als bei der Meisterfeier des FC Bayern – und das will hierzulande doch etwas heißen. 

2Keine Lust auf noch mehr Rechtsruck

Im Sommer 2015 gingen die Bilder von der Willkommenskultur in München um die Welt. Da standen Menschen am Bahnhof und empfingen die Neuankömmlinge mit Geschenken und einem Lächeln. Dann folgte die bis heute andauernde Debatte über die "Flüchtlingskrise". Die spaltete auch Bayern. Die CSU schlug sich – auch mit Blick auf die anstehende Wahl – schnell auf die Seite der Flüchtlingsgegner und schlug rhetorisch in die AfD-Ecke aus. 

Die Rede vom "Asyltourismus" und die geplanten "Ankerzentren" gefiel hier in Bayern allerdings nicht jedem. 25.000 Menschen gingen schon im Sommer dieses Jahres auf die Straße, um gegen den allgemeinen Rechtsdruck in der Gesellschaft zu demonstrieren – auch die CSU bekam dort ihr Fett weg. Am 3. Oktober waren es dann sogar 40.000. Übrigens waren dort – außer AfD und CSU – alle Parteien vertreten. Langsam entwickelte sich ein Gemeinschaftsgefühl.

3Genug von Söder und Seehofer

Dass die CSU vor allem auf dem Land noch stärker unterstützt wird als in den Städten, stimmt natürlich. Und trotzdem zeigten die vergangenen Monate: Auch einst eingefleischte CSU-Dörfer beginnen zu wackeln. Denn die schier endlosen Streits zwischen CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder gingen nicht spurlos vorbei. 

Hinzu kommt: Söder ist als Ministerpräsident nicht gerade beliebt. Schuld daran ist hauptsächlich er selbst. Sein Auftreten, seine durchschaubaren strategisch gewählten Antworten, kommen eben bei vielen nicht gut an.

In Bayern hat sich also einiges verändert.

Eigentlich muss man der CSU dafür schon fast danken. Schließlich war es vor allem ihre Politik, die viele von uns in den letzten Monaten zu politisch aktiven Bürgern gemacht hat. Und die damit auch selbst dafür gesorgt hat, dass in Bayern jetzt eben nicht mehr nur eine Partei allein regiert.