Graffiti-Künstler Banksy hatte versprochen, britischen Wählern einen Abdruck von einem seiner Kunstwerke zu schenken – vorausgesetzt, sie stimmen bei der Parlamentswahl am Donnerstag gegen die Tories, die konservative Partei von Premierministerin Theresa May.

„Schickt einfach ein Foto eures Stimmzettels vom Wahltag ein, auf dem zu sehen ist, dass ihr gegen den konservativen Kandidaten gestimmt habt, und das kostenlose Bild wird euch zugeschickt“

Das schrieb Banksy am Samstag auf seiner Website. Wenig später veröffentlichte er den Hinweis auch auf seinem Instagram-Profil.

Dieses Bild wollte Banksy verschenken:

Das Angebot sollte nur für die Wahlkreise rund um Banksys Heimatstadt Bristol gelten: Bristol North West, Bristol West, North Somerset, Thornbury and Yate, Kingswood und Bradley Stoke. Unter dem Post stand ein Hinweis, wonach es sich nur um ein "Souvenir" handele. Es solle die Entscheidungen der Wähler in keiner Weise beeinflussen und dürfe nicht weiterverkauft werden.

Viele Banksy-Fans freuten sich über die Idee – oder waren traurig, dass sie nicht in einem der ausgewählten Wahlkreis wohnen. Einige sahen die Aktion aber auch kritisch: "Das ist eine totale Schande – so viel zu Demokratie, wenn man Wähler zwingen muss", schrieb ein Nutzer bei Instagram.

Tatsächlich kann man fragen, ob das Ganze noch viel mit Demokratie zu tun hat – schließlich sollen Wahlen frei sein, und geheim. 

Am Montagabend zog Banksy das Angebot jedenfalls wieder zurück: "Die Wahlkommission hat mich gewarnt, dass das Angebot eines kostenlosen Abdrucks das Wahlergebnis ungültig machen würde", schrieb er auf seiner Website und auf Instagram. "Deshalb muss ich bedauerlicherweise verkünden, dass diese schlecht durchdachte und rechtlich fragwürdige Werbeaktion jetzt abgeblasen wurde."

Der britische Guardian schrieb schon am Samstag, dass das Fotografieren eines Stimmzettels rechtliche Risiken mit sich bringt – man könnte damit nämlich das Wahlgeheimnis verletzen. Im Representation of the People Act steht dazu: "Niemand soll einen Wähler direkt oder indirekt dazu veranlassen, seinen ausgefüllten Stimmzettel zu zeigen, um gegenüber irgendjemandem offenzulegen, für welchen Kandidaten er gestimmt hat oder nicht gestimmt hat."

Mit Blick auf diese Regelungen hatte die Wahlkommission beim Brexit-Referendum im vergangenen Juni beispielsweise davor gewarnt, in der Wahlkabine Selfies zu machen (The Guardian).

Banksy kommentiert mit seinen Kunstwerken immer wieder aktuelle politische Ereignisse – zum Beispiel den Brexit mit diesem Graffiti in Dover:


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