Bild: Uwe Anspach/dpa
Das soll bald geändert werden

Die Bundesregierung plant eine Reform des Bafög-Gesetzes. Bald soll es deutlich mehr Geld für Studierende sowie Schülerinnen und Schüler geben. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will dafür bis 2022 knapp 1,8 Milliarden Euro investieren. Klingt erstmal gut, doch Kritiker sehen die Pläne skeptisch.

Was soll geändert werden?

Bis 2020 soll der Bafög-Höchstsatz von derzeit 735 auf insgesamt rund 850 Euro steigen. Die Erhöhung setzt sich aus folgenden Beträgen zusammen:

  • Der "Grundbedarf", also das Geld für Nahrungsmittel, Kleidung und sonstige Ausgaben soll erst um fünf und später noch einmal um zwei Prozent erhöht werden. 
  • Deutlich angehoben werden soll der Wohnzuschlag. Dieser liegt derzeit bei 250 Euro und soll auf 325 Euro steigen.
  • Der Freibetrag eines privaten Vermögens soll von 7500 auf 8200 Euro angehoben werden.

Zudem sollen Bafög-Bezieherinnen und -Bezieher ihre Restschulden nicht mehr zurückzahlen müssen, wenn sie dies auf Grund von schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen nicht schaffen. Auch beim Bafög-Bankdarlehen soll sich etwas ändern: Statt das Bafög als verzinslichem Bankdarlehen der Förderbank KfW auszuzahlen, soll der Staat es ab dem Wintersemester 2019/2020 als zinsfreies Darlehen bereitstellen.

Warum will die Bundesregierung die Änderungen?

Die Zahl der Bafög-Bezieher sinkt seit Jahren. Etwa 782.000 Schüler und Studierende erhielten 2017 die Unterstützung vom Staat – 2012 waren es noch etwa 979.000. Grund für die sinkenden Zahlen sind unter anderem die verschärften Regeln, nach denen es immer schwieriger wird, Bafög zu bekommen (bento). Um diesem Trend entgegenzusteuern, hat das Bildungsministerium in den vergangenen Monaten verschiedene Reformen besprochen.

Welche Kritik gibt es an den Plänen?

Der Generalsekretär des Deutschen Studierendenwerks, Achim Meyer auf der Heide, freut sich zwar über die Reformpläne, sagte aber auch: "Für eine echte Trendwende sind größere Verbesserungen nötig." Besonders der Grundbedarfssatz sei zu gering und müsste nicht auf nur 427, sondern auf 500 bis 550 Euro steigen. 

Er kritisierte auch die zu geringe Steigerung der Wohnpauschale. Auch der erhöhte Satz dürfte vor allem Studienanfängern bei Neuvermietung nicht reichen, so Meyer auf der Heide. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam das Moses-Mendelssohn-Institut in einer Studie:

Wie geht es jetzt weiter?

Der Reformvorschlag wird heute Thema einer Anhörung von Verbänden im Bundesbildungsministerium sein. Sollte der Vorschlag angenommen werden, können sich Studierende und Schülerinnen darauf einstellen, dass sie ab dem Wintersemester 2019/2020 mehr Geld erhalten.

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Nein, Ernestine, du darfst nicht einfach sooo tolle Afro-Haare angrapschen
Devise: Finger weg!

Es passiert, wenn man es am wenigsten erwartet. Wenn das Bier kaltgestellt und die Pizza im Ofen ist. Wenn der Kopf eigentlich ausgeschaltet ist – und der Fernseher an, weil Royal Wedding, GNTM oder der Bachelor läuft:

Der nervige Alltagsrassismus.

Dann nennt ein Kommentator die afroamerikanische Meghan und den Briten Harry ein "exotisches Pärchen", Heidi Klum beschließt, jemandem die angeblich "total kaputten" Afrohaare abzurasieren. Oder diese Woche, bei RTLs Kuppelshow "Der Bachelor":

Der erste afrodeutsche Bachelor Andrej Mangold sitzt mit Ernestine Palmert auf dem Sofa. Sie nörgelt, weil sie zu wenig Zeit mit ihm verbringen darf. Sie starrt auf seinen Kopf.

Nein, denkt man.

"Ich muss", setzt sie an.

Tu's nicht!

"...deine Haare..."

NEIN! Du musst gar nichts! Finger weg!

"...nochmal anfassen. Die sind sooo toooll!"

Grapsch! Ernestine wuschelt dem Bachelor durch den kurzen Afro. 

Der Bachelor nimmt das relativ gelassen. Das passiere ihm öfter, sagt er später im Interview: "Kenne ich schon." Und alle schwarzen Zuschauerinnen und Zuschauer nicken mit.

Denn das Haare-anfassen ist, gemeinsam mit der "Wo kommst du wirklich her?"-Frage wahrscheinlich die am meisten verbreitete Form von Alltagsrassimus

Sie trifft vor allem Frauen, mit Afrokrause oder typisch schwarzen Haarstyles wie geflochtenen Zöpfchen. Aber eben auch schwarze Männer wie den Bachelor.

Wo liegt denn das Problem?

Ernestine war neugierig. Sie sei ein Mensch, der gerne anfasst, erzählt sie. Mag sein.

Aber das ungefragte Haareanfassen sagt auch: Du bist mir fremd. Du bist exotisch. Ich glaube, das Recht zu haben, dich anzufassen. Du bist dafür da, meine Neugierde zu befriedigen. Damit macht man sein Gegenüber zum Objekt. Ungefragtes Haareangrapschen ist grenzüberschreitend. Ein No-Go.

Und wenn ich vorher frage?

Das kommt darauf an. Fragt man den besten Kumpel, nach einer ausgedehnten Debatte über die Vorteile einer Haarkur mit unraffinierter Sheabutter? Oder die Frau, die man gerade auf der Party kennengelernt hat, die in der Bahn zufällig neben einem sitzt? Oder die neue Kollegin, mitten im Büro? Ersteres ist vielleicht eine seltsame Frage – letzteres einfach nur rassistisch.

Meist bleibt es ja auch nicht beim "Darf ich mal anfassen?". Oft folgt ein erniedrigender Vergleich der Haare mit Haushaltsmaterialien (Wolle, Watte, Stroh) oder Tieren (Schaf, Pudel). Dann folgt eine Kaskade grenzüberschreitender Fragen: