Bild: Michael Reichel dpa
Um welchen Preis es geht – und warum sich jetzt manche aufregen.

In Essen hat ein Burschenschaftler einen Preis für ein Projekt zum Ausstieg aus dem Linksextremismus erhalten. In den Räumlichkeiten der RWTH Aachen überreichte der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, die Preise für das Programm "left".

1 Was war da los?

Das Innenministerium von NRW hatte stellvertretend für die Landesregierung einen Preis für ein neues PR-Konzept für das Angebot "left" ausgeschrieben. Dies soll Mitgliedern von linksextremen Gruppen beim Ausstieg aus der Szene helfen. Den ersten Preis teilten sich sieben Studierende der RWTH Aachen mit dem Burschenschaftler Hans-Ulrich Voß. 

Bei Twitter kritisierten einige Nutzer die Preisvergabe an Voß und wiesen auf seine Mitgliedschaft in einer Burschenschaft hin.

2 Ein Burschenschaftler bekommt einen Preis – Wo ist das Problem?

Studentenverbindungen und Burschenschaften werden oft ein rechtsextremistischer Hintergrund vorgeworfen. Voß gehört noch immer der Aachener Burschenschaft Teutonia an, wie der Pressesprecher der Burschenschaft, Christian Mohren auf Anfrage von bento bestätigte. 

Die Aachener Burschenschaft Teutonia gehört dem Bund der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (ADB) an. Dieser Bund hatte sich von dem Bund Deutscher Burschenschaft (DB) im Jahr 2016 abgespalten. Grund hierfür seien unter anderem die rechtsextreme Einstellung des DB gewesen, so Mohren. "Wir distanzieren uns von jeglicher Art von Extremismus. Links wie rechts", betont Mohren. Kontakt zu Burschenschaften des DB bestünde aber weiterhin. 

"Wir haben eine freundschaftliche Verbindung. Aber uns ist wichtig, dass wir nicht als Konkurrenz gesehen werden. Es gibt kein böses Blut zwischen ADB und DB", so Mohren zu bento. Beim vergangenen Volkstrauertag legten beide Vereinigungen gemeinsam einen Kranz zum Gedenken an gefallene, deutsche Soldaten auf einem Soldatenfriedhof in Langemark nieder

3 Wie ist das Verhältnis zu Politik?

Burschenschaften lassen sich meist entweder als national-konservativ oder als liberal beschreiben. Politisch sind die meisten. Der Dachverband ADB wirbt mit dem Slogan "Ehre. Freiheit. Vaterland." Laut Homepage will der Bund die "christlich-abendländische Kultur" verteidigen. 

Immer wieder gibt es Kritik von linken Gruppen, die diese Einstellung als völkisch und rechtsextrem einstufen. 

Grundsätzlich sind Burschenschaften aber autoritär aufgebaut. Demnach müssen in den meisten Fälle neue Mitglieder ein Jahr als "Fuchs" verbringen. Also eine Art Probezeit, um tatsächlich als vollwertiges Mitglied zu gelten. Die Füchse müssen in ihrer Zeit meisten niedere Arbeiten für Vollmitglieder erfüllen. 

Hinzu kommt in manchen Fällen das Fechten mit scharfer Klinge, bei denen sich die Mitglieder regelmäßig duellieren.

4 Warum kritisieren Viele den Preis für Hans-Ulrich Voß?

Gruppen, die der Burschenschaft Teutonia Rechtsextremismus vorwerfen, behaupten, durch das Preis von 2000 Euro würde das Innenministerium NRW eine rechtsradikale Gruppe mittelbar finanzieren

Pia Leson, Pressesprecherin des Innenministeriums betont auf Anfrage von bento: "Zu Hans-Ulrich Voß liegen dem nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz derzeit keine Erkenntnisse vor, die zu einer Einstufung als rechtsextremistisch führen." Gleiches gelte für die Burschenschaft.

Zudem seien der Jury die Namen der Teilnehmer nicht bekannt gewesen, da der Wettbewerb anonym stattgefunden habe.

Weder Hans-Ulrich Voß noch der Teutonia kann man rechtsextreme Verbindungen nachweisen. Die Vergabe des Preises kann man kritikwürdig finden, antastbar ist sie nicht.


Grün

Tübingen will Steuer auf Pizzakartons und Kaffeebecher einführen
Die Imbisse sollen blechen

Im schwäbischen Tübingen sollen Cafés, Geschäfte und Imbissbuden künftig eine Steuer zahlen, wenn sie "Einwegverpackungen von Speisen und Getränken für den sofortigen Verzehr abgeben". Also: Wer Pizza in Pappkartons, Kaffee in Wegwerfbechern, Nudelboxen oder Eis in Plastikbechern verkauft, soll zahlen. 

Am Donnerstag fasste der Tübinger Gemeinderat einen entsprechenden Grundsatzbeschluss, in den kommenden Monaten soll ein konkreter Satzungsvorschlag ausgearbeitet werden. (SPIEGEL ONLINE)

Nach eigenen Angaben ist Tübingen die erste deutsche Kommune, die einen solchen Beschluss fasst. 

Der Oberbürgermeister Boris Palmer sagte laut einer Pressemitteilung der Stadt