Bild: Pascal Le Segretain / Getty Images

Nach den verheerenden Anschlägen in Paris, bei denen mehr als 120 Menschen getötet wurden, hat sich der "Islamische Staat" zu dem grausamen Angriff bekannt. Zuvor hatte der französische Präsident die Islamisten für den Angriff verantwortlich gemacht.

Für das Land ist es der bisher schlimmste Angriff mit islamistischem Hintergrund:

  • Bei einer Serie von Anschlägen in und um Toulouse im März 2012 kamen sieben Menschen ums Leben.
  • Anfang dieses Jahres starben bei dem Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" und einem Angriff auf einen jüdischen Supermarkt in Paris 17 Menschen.
  • Im Juni wurde bei einem Anschlag auf eine Gasfabrik bei Lyon ein Mensch enthauptet.
Warum Frankreich?
1. Krieg gegen den "Islamischen Staat"

Frankreichs Militär ist an den Einsätzen gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Irak und in Syrien beteiligt. Auch die Anti-Terror-Mission französischer Truppen in Mali bis 2014 spielt eine Rolle. Das militärische Engagement ist einer der Hauptgründe, warum Frankreich aus Sicht der Islamisten zu den größten Feinden zählt. Nach den ersten Flugangriffen der französischen Armee hatte die Terrorgruppe Muslime dazu aufgerufen, Franzosen zu töten, "überall und egal wie". Frankreich ist nicht das einzige Ziel der Terroristen, auch in Tunesien, Kuweit, Somalia und im Jemen haben sie beispielsweise Anschläge verübt. (SPIEGEL ONLINE)

2. Frankreichs geografische Lage

Der ehemalige Anti-Terror-Richter Marc Trévidic hat in einem kürzlich erschienen Interview in der Zeitung "Le Figaro" vermutet, dass auch die geografische Lage Frankreichs ausschlaggebend sein könnte. Frankreich sei einfacher anzugreifen als die USA, sagte er, da sich der IS in Ländern Nordafrikas eingerichtet hat, die nicht weit entfernt liegen. Es sei daher nicht schwer, Dschihadisten von Syrien nach Frankreich zu schicken. Es handele sich dabei meist um radikalisierte Europäer, die mit ihrem Pass leicht über die Grenze zurück nach Europa gelangen könnten. (Le Figaro)

3. Begeisterung für den Dschihad

In Frankreich gibt es eine islamistische Szene. Aus keinem anderen europäischen Land sind mehr Bürger in das Kriegsland Syrien ausgereist - genaue Zahlen sind nicht bekannt, die Schätzungen liegen zwischen tausend und 2000 Franzosen. (SPIEGEL ONLINE)

4. Soziale Ungleichheit

Frankreich hat schon lange ein Problem mit Integration, Diskriminierung und Arbeitslosigkeit.

Mehr als 20 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Frankreich haben keinen Job. Bei den Nicht-Akademikern liegt die Quote sogar bei knapp 25 Prozent. Auch die Brüder Kouachi, die den Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verübten, und ihr Komplize Amedy Coulibaly waren arbeitslos.

Es gibt Menschen in Frankreich, die das Gefühl haben, keinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Sie sehen keine Perspektiven, fühlen sie ausgegrenzt und sind deshalb empfänglicher für radikale Gruppen.


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