Bild: Getty Images / David Ramos

Es war ein Anschlag auf das unbeschwerte, freie Leben. Schon wieder.

Am Donnerstag starben auf der Strandpromenade von Nizza mindestens 84 Menschen. Sie waren gekommen, um den 14. Juli zu feiern, ihren Nationalfeiertag. Jedes Jahr versammeln sich an diesem Tag Tausende Franzosen auf den Straßen und Plätzen ihrer Städte, um an den Beginn der französischen Revolution zu erinnern – und an deren Werte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Freiheit. Wir alle wollen frei sein, keine Frage. Doch aus diesem Wunsch folgt ein Dilemma:

Eine Gesellschaft, die frei ist und frei bleiben will, kann sich nur bedingt schützen.

Während der Fußball-EM verwandelte Paris sich in ein Sinnbild dieses Dilemmas: Die französische Regierung hatte 90.000 Sicherheitskräfte eingesetzt, 13.000 allein in der Hauptstadt. Wer auf die Fanmeile am Eiffelturm wollte, musste zwei Kontrollen passieren. Wenn drinnen ein Spiel lief, waren die prächtigen Boulevards rund um den Champs de Mars fast menschenleer. Wo sonst Touristen flanieren, patrouillierten nur schwer bewaffnete Polizisten.

Eine Party-Festung versteckt hinter einer Mauer aus Metallzäunen und Polizeikontrollen. Das mag das Sicherheitsgefühl erhöht haben, zumindest sagten das einige Fans. Frei fühlte man sich rund um die Fanmeile aber nicht. Im Gegenteil: Man war eingesperrt.

Polizeikontrollen an der Fanmeile in Paris(Bild: bento)

Nur ein paar Meter weiter, in der Rue de la Motte-Piquet, ein ganz anderes Bild: Während der Frankreich-Spiele drängten sich vor den Restaurants und Bars Hunderte Menschen. Kontrollen? Fehlanzeige. Polizei? Nirgends. Und das ist auch gut so. Denn genau das macht eine Gesellschaft wie die französische aus: Frei sein, unbeschwert sein, gehen, wohin man will.

Natürlich hätten die EM-Abende auch anders enden können: Am 13. November 2015 hatten Terroristen genau solche Bars und Restaurants attackiert.

Jetzt, ein gutes halbes Jahr später, raste ein einzelner Mann mit einem Lastwagen in eine feiernde Menschenmenge. Keine Maschinengewehre, keine Bomben. Ein Täter, ein LKW. Keine Chance auf Schutz.

Die Strandpromenade in Nizza am Morgen nach dem Anschlag(Bild: Imago/PanoramiC)

Wer Menschen töten will, braucht keine Großveranstaltung wie die Fußball-EM. Er braucht auch keine komplizierten Planungen. "Jeder kann so etwas machen", schrieb eine junge Französin kurz nach dem Anschlag in Nizza bei Facebook. "Das folgt aus unserem Zusammenleben."

Natürlich könnten wir uns permanent hinter Gittern und Kontrollen verstecken, so wie bei der Fanmeile in Paris. Doch dadurch würden wir nicht nur unsere Werte verraten. Wir würden genau das tun, was die Terroristen wollen; sie hätten gewonnen.

Der Anschlag in Nizza war furchtbar, die Trauer und der Schmerz sind riesig. Große Worte und gute Vorsätze helfen den Angehörigen nicht. Und dennoch bleibt jetzt nur eins zu sagen:

Wir dürfen unsere Freiheit nicht aufgeben.


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