Bild: Britta Pedersen/dpa

Der Lkw, mit dem der Attentäter Amis Amri in der Woche vor Weihnachten in Berlin zwölf Menschen tötete, soll vielleicht ein Ausstellungsstück werden. Im Haus der Geschichte in Bonn denken die Verantwortlichen zumindest darüber nach:

"Es läuft ja noch ein Untersuchungsverfahren. Und um die richtige Auswahl treffen zu können, braucht man auch zeitlichen Abstand", sagte der Präsident der Stiftung, Hans Walter Hütter dem WDR. Nicht der gesamte Lastwagen, sondern nur ein bestimmtes Teil soll unter Umständen zu sehen sein.

Der Terror wäre kein neues Thema für das Museum.

"Wir zeigen in Bonn zum Beispiel die Tür eines Bundeswehr-Fahrzeugs, das in Afghanistan beschossen wurde", sagte Hütter. Auch eine Schusswaffe der RAF-Terroristen gibt es zu sehen. Ebenso wie Teile der Twin Towers aus New York: verbogene Metallträger und Teile der Fassade, die am 11. September 2001 zerstört wurden.

Die Museumsleitung ist bislang noch zu keiner Entscheidung gekommen – bei Facebook wird darüber schon heftig diskutiert. Ist der Lkw im Museum geschmacklos?

Was haltet Ihr von der Idee des Museumsleiters?

Posted by WDR Lokalzeit aus Bonn on Wednesday, 4 January 2017
Was sagen die Menschen zu der Idee?
  • Viele finden den Vorschlag einfach nur "unglaublich pietätlos". Andere fragen sich, welche Absicht man mit dem Ausstellungsstück hat: "Was soll man von dem Erlebnis mitnehmen, wenn man ihn im Museum gesehen hat? Angst? Oder was? Ein Foto reicht da auch meiner Meinung nach." Auch eine Gedenktafel erachtet jemand als deutlich sinnvoller.
  • Unter dem Facebook-Posting des WDR findet sich aber auch Zustimmung: "Bei manchen Kommentaren wundere ich mich, warum niemand sich über die Stahlträger des WTC empört. Aber nein, dass schaut man sich an, ebenso wie man sich viele Dinge aus der NS-Zeit anschaut und nachfolgenden Generationen immer wieder vor Augen führen muss. Sicherlich würde es ein kontroverses Exponat sein, aber es würde erinnern und nachdenklich machen, anstatt zu vergessen."
Wie reagiert das Museum auf die Kritik?

Präsident Hütter ist vor allem eines wichtig: Das Geschehen dürfe nicht aus Sicht des Täters, sondern müsse aus Sicht der Opfer dargestellt werden. "Aber wenn ein Thema von gesellschaftlicher Relevanz ist – und das ist in diesem Fall ja in der Tat so – dann gehört es zu unserer Geschichte, ob wir das wollen oder nicht. Und wenn wir den Auftrag haben, das materielle Erbe der Vergangenheit zu bewahren, dann gehören auch solche Themen dazu."


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Anis Amri hatte 14 Identitäten – was wir mittlerweile über den Berlin-Attentäter wissen

Fast drei Wochen ist es her, dass Anis Amri den Anschlag am Berliner Breitscheidplatz verübte. Bei der Tat fuhr er mit einem Lkw quer über Buden auf dem Weihnachtsmarkt, zwölf Menschen starben, mehr als 50 wurden verletzt. Am 23. Dezember erschoss ihn ein Polizist in Mailand bei einer Routinekontrolle.

Über Amri und seine Tat werden immer mehr Details bekannt – es kursieren aber auch Gerüchte.