Bild: Sedat Suna/ epa
Was ist passiert?

Bei zwei Anschlägen in Istanbul sind am Samstagabend 38 Menschen gestorben und mehr als 150 Menschen schwer verletzt worden. Unter den Toten sind 30 Polizisten. Das teilte Innenminister Süleyman Soylu mit. (SPIEGEL ONLINE)


  • Eine Autobombe explodierte mehr als eine Stunde nach dem Fußballspiel zwischen den Erstligisten Bursaspor und Besiktas Istanbul im gleichnamigen Stadtteil. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel im europäischen Teil Istanbuls. Der Anschlag galt laut Soylu einem Bus mit Polizisten, die das Fußballspiel abgesichert hatten. Unter den Fußballfans gab es nach Angaben von Augenzeugen keine Verletzten.
  • Binnen einer Minute gab es eine weitere Explosion in der Nähe des Parks Macka, ebenfalls in Besiktas. Wie der Sender CNN Türk berichtet, hat ein Selbstmordattentäter inmitten einer Gruppe Polizisten einen Sprengsatz gezündet.
Wer steckt hinter den Anschlägen?
Am Sonntagnachmittag bekannte sich die radikale kurdische Gruppe Tak zu den Terrorattacken. Sie habe damit auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen wollen. Solange diese anhielten, solle "niemand erwarten, ein geruhsames Leben in der Türkei führen zu können". (SPIEGEL ONLINE)
  • Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Taten nach Angaben der staatlichen Agentur Anadolu aufs Schärfste und bezeichnete die Anschläge als "abscheulich" und als "Terrorakt".

Die PKK und die Tak

Die sozialistisch ausgerichtete Untergrundorganisation hat ihren Ursprung in den kurdischen Siedlungsgebieten innerhalb der Türkei. Sie kämpft für die politische Autonomie der besiedelten Gebiete und verübt Terroranschläge gegen militärische und zivile Ziele.

Der Konflikt zwischen der türkischen Regierung und der PKK verschärfte sich in diesem Jahr. Im vorwiegend kurdischen Südosten des Landes kamen seit Mitte vergangenen Jahres Hunderte Menschen ums Leben, Zehntausende sind geflüchtet.

Die Tak gilt als radikale Splittergruppe der PKK. Unter Experten ist umstritten, wie weit die beiden miteinander verbunden sind. Seit dem Zusammenbruch eines zweijährigen Waffenstillstands im Sommer 2015 liefern sich die PKK und die türkischen Sicherheitskräfte erneut erbitterte Kämpfe im Südosten des Landes.


Was führt zu Unruhen in der Türkei?
  • In diesem Jahr gab es in der Türkei bereits neun größere Anschläge (tagesschau.de). Im Januar kamen zwölf Deutsche ums Leben, als sich ein Angreifer im historischen Zentrum in die Luft sprengte (bento.de). Die türkische Regierung machte den IS dafür verantwortlich. Bei anderen Anschlägen auf Militärkonvois, bei Autobomben-Anschlägen oder bei Selbstmordattentaten beschuldigte die türkische Regierung neben dem IS, auch die PKK und ihren Ableger, die TAK. Nicht immer bekannten sich die Terrororganisationen zu den Taten.
Die Türkei kämpft sozusagen an zwei Fronten gegen den Terrorismus.
  • Sowohl der IS als auch die kurdischen Organisationen hatten angekündigt, das Land verstärkt angreifen zu wollen. Die Kurden drängen auf die Autonomie, der IS will seine Macht ausweiten. In Nordsyrien bekämpfte die türkische Armee in diesem Jahr den IS. Gemeinsam mit verbündeten syrischen Milizen drangen sie in die IS-Hochburg Al-Bab vor.
  • Präsident Recep Tayyip Erdogan baut derweil nach dem gescheiterten Putschversuch im Sommer weiter seine Macht aus und das Land zur Autokratie um. Seine Partei, die islamisch-konservative AKP, hatte Ende dieser Woche eine Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Wenn diese genehmigt wird, erhält Erdogan noch mehr Befugnisse: Er könnte dann das Parlament auflösen, Oberbefehlshaber der Armee werden und allein über den Staatshaushalt bestimmen.
  • "Wenn Gott will, wird dies der Beginn einer neuen Ära für die Türkei", sagte Erdogan am Samstag tagsüber in Istanbul, abends erschütterten die Anschläge das Land. (sueddeutsche.de)


Queer

Siehst du hier einen Mann oder eine Frau? Wie Leni Bolt gegen Geschlechterklischees kämpft

"Kannst du bitte ein Behind-the-Scenes-Foto schießen für meinen Instagram Account?", ruft Leni Bolt ihrer Assistentin zu, während sie breitbeinig ihre Hüfte in Richtung Kamera schiebt. Das Thema ihres Fotoshootings: "Genderqueer und die Lust an der Selbstdarstellung".

Genderqueer, das bedeutet für Leni, sich außerhalb der klassischen Rollen von Mann und Frau wohl zu fühlen.

Und passend dazu wählt sie ihre Outfits: einen Rock, der auch eine Hose sein könnte. Oder eine Frauenbluse, die sie sich über ihren grazilen Jungskörper streift.