Fast drei Wochen ist es her, dass Anis Amri den Anschlag am Berliner Breitscheidplatz verübte. Bei der Tat fuhr er mit einem Lkw quer über Buden auf dem Weihnachtsmarkt, zwölf Menschen starben, mehr als 50 wurden verletzt. Am 23. Dezember erschoss ihn ein Polizist in Mailand bei einer Routinekontrolle.

Über Amri und seine Tat werden immer mehr Details bekannt – es kursieren aber auch Gerüchte.

Wir listen in der Faktenampel auf, was wir wissen – von offiziell bestätigt bis falsch:
  • Anis Amri wurde 24 Jahre alt und stammt aus der tunesischen Kleinstadt Waslatia, auch Oueslatia geschrieben ("Al-Chourouk").
  • Er kam als Migrant im Juni 2015 nach Deutschland. Im Juli 2016 lehnten die Behörden Amri als Asylbewerber ab (bento).
  • Die Abschiebung schlug fehl, weil Ausweispapiere fehlten. Tunesien habe laut NRW-Innenminister Ralf Jäger bestritten, dass Amri tunesischer Staatsbürger sei.
  • Anis Amri war den deutschen Behörden unter 14 verschiedenen Identitäten bekannt, wie ein Bericht des nordrhein-westfälischen Landeskriminaldirektors hervorgeht. (SPIEGEL ONLINE)
  • Der Fall ist sieben Mal im Gemeinen Terrorabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin behandelt worden.
  • Sicherheitsbehörden hatten Amri als "Gefährder" eingestuft. Zwischen März und September 2016 wurde er überwacht, teilte der Berliner Generalstaatsanwalt mit ("Süddeutsche Zeitung"). Beamte hatten ihn observiert und seine Kommunikation überwacht – einen Anlass zum Zugriff habe es jedoch nicht gegeben.
  • Am Ende ist es allen Behörden von Bund und Ländern nicht gelungen, genügend konkrete Hinweise zu sammeln, die von der Justiz als Tatverdacht hätten gewertet werden können.
Zur Tat und zur Flucht sind mittlerweile viele Details bekannt:
  • Amri hatte den polnischen Lkw-Fahrer mit derselben Waffe erschossen, mit der er später auch auf Polizisten in Italien feuerte (tagesschau.de). Auf seiner Flucht reiste er durch die Niederlande, Belgien, Frankreich bis nach Italien – das belegen Kameraaufnahmen und Tickets, die bei Amri gefunden wurden (tagesschau.de).
  • Im Sommer 2015 hatte Amri sich laut SPIEGEL-Informationen mit verschiedenen Namen als Asylsuchender unter anderem in Oberhausen, Dortmund, Karlsruhe und Freiburg angemeldet. Bei der Polizei in NRW sei der Hinweis eingegangen, dass Amri Kontakt zu der Terrormiliz "Islamischer Staat" haben soll. (SPIEGEL ONLINE)
  • Ebenfalls vom SPIEGEL stammt die Information, dass Amri zudem um deutsche Islamisten buhlte: Bei Ermittlungen gegen mehrere Hassprediger tauchten Ergebnisse aus der Telekommunikationsüberwachung auf, in der sich Amri offenbar als Selbstmordattentäter anbot.
  • Welche Informationen haben die Sicherheitsbehörden bislang zu möglichen Helfern? Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den 26-jährigen Tunesier Bilel A., weil er am Anschlag in Berlin beteiligt gewesen sein soll. Laut Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" ist er nach dem Attentat als Gefährder eingestuft worden. Es bestehe auch der Verdacht, dass die beiden schon gemeinsam im Juli 2015 aus Italien nach Deutschland eingereist sind.
  • Am 18. Dezember – also einen Tag vor dem Anschlag in Berlin – sollen Amri und A. in einem Restaurant in Berlin-Wedding zu Abend gegessen haben.

Islamismus in Tunesien

Seit Ende 2010 hat sich Tunesien zu einem Hotspot für Islamisten entwickelt. Nach Schätzungen kämpfen bis zu 7000 Tunesier im Ausland für den "Islamischen Staat" oder "Al-Qaida" ("Wall Street Journal"). Unter anderem der Nizza-Attentäter hatte tunesische Wurzeln.

Trotz des Arabischen Frühlings 2011 hat sich für viele junge Tunesier die Hoffnung auf Arbeit und eine besser Zukunft nicht erfüllt – Terrorgruppen verführen die jungen Männer. Einer Studie des nationalen Jugendobservatoriums zufolge lehnen nur noch rund 20 Prozent einen radikalen Salafismus ab ("Die Zeit").

  • Kurz nach der Tat soll Amri in einer Moschee in Berlin-Moabit Zuflucht gesucht haben. Der RBB zeigte Überwachungsbilder, die er aus Sicherheitskreisen erhielt. Die Bilder zeigen jedoch einen Unbeteiligten. Der RBB hat das transparent korrigiert – in anderen Artikeln im Netz ist die Info noch enthalten.
  • Zunächst berichteten einige Medien auch, dass Amri aus der tunesischen Stadt Tataouine komme. Das ist falsch. Die Stadt wurde zudem rasch als "Hochburg für Terroristen" bezeichnet ("Die Welt"). Auch das ist falsch: Tataouine gilt zwar als Schmuggelort nahe der libyschen Grenze, die tunesische Islamistenszene konzentriert sich aber eher entlang der algerischen Grenze.

Hier kannst du mehr darüber erfahren, warum sich junge Tunesier dem Islamismus zuwenden:


Gerechtigkeit

SPD-Mann Lauer outet einen Sparkassen-Mitarbeiter als AfD-Fan

Seit der Silvesternacht wird in Deutschland der Begriff "Nafri" diskutiert – und ob seine Verwendung rassistisch ist (mehr dazu lest ihr hier). Einer, der sich aktiv gegen die Formulierung einsetzt, ist Ex-Pirat und SPD-Mitglied Christopher Lauer. Auf Twitter und per Mail wird er dafür angefeindet.

Nun hat Lauer zurückgeschlagen.

Auf Twitter veröffentlichte Lauer den Screenshot einer Mail von einem AfD-Anhänger. Mit Klarnamen und Arbeitsort – denn der Schreiber hatte Lauer von seiner Arbeitsmail aus angeschrieben. Er ist bei einer Kreissparkasse in Hessen angestellt.