Bild: Dpa / Sven Hoppe
Offenbar verehrte er die AfD.

Er tötete neun Menschen und verletzte mindestens 35 weitere zum Teil schwer: Am Freitagabend lief ein 18-Jähriger in München Amok (bento).

Am Sonntag gaben die Staatsanwaltschaft München I und das Bayerische Landeskriminalamt erste Ermittlungen bekannt. Jetzt veröffentlicht die"Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unter Berufung auf Sicherheitskreise neue Details über den Täter. Auch SPIEGEL ONLINE sprach mit Freunden des 18-Jährigen. Es zeichnet sich das Bild eines von rechtem Hass erfüllten Menschen.

Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

1. Der Täter
  • Nach ersten Erkenntnissen war der 18-Jährige seit Längerem wegen Angststörungen und Depressionen in Therapie. Von Juli bis September 2015 wurde er deshalb in einem Münchner Krankenhaus behandelt. Unterlagen und Medikamente belegen, dass ein letzter ärztlicher Kontakt im Juni 2016 stattfand.
  • Außerdem gibt es Hinweise, dass der 18-Jährige "in starkem Maß" sogenannte Ego-Shooter spielte, unter anderem das Computerspiel "Counter-Strike". Freunde, die mit ihm spielten, erzählten SPIEGEL ONLINE, er habe die rechtspopulistische AfD verehrt.
  • Laut der "FAZ" habe er es als „Auszeichnung“ verstanden, dass sein Geburtstag, der 20. April 1998, auf den Geburtstag von Adolf Hitler fiel.
  • Ein im Netz kursierendes Video zeigte den Täter auf einem Parkhausdach im Gespräch mit einem Münchner. Darin legt er besonderen Wert darauf, Deutscher zu sein und äußert sich abfällig über "Scheißtürken".
  • Der 18-Jährige war Deutscher mit iranischen Wurzeln. Aus seinem Umfeld erfuhr die "FAZ", dass er stolz darauf war, "Arier" zu sein. Während in Deutschland Arier ein negativ besetzter Begriff der Nazi-Zeit ist, gilt er im Iran bei vielen Menschen als Auszeichnung. Die Iraner sehen sich als historische Vorfahren der Arier. Der Amokläufer habe laut Ermittlungen daraus einen Hass auf Türken und Araber abgeleitet.
Robert Heimberger, Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts, Thomas Steinkraus-Koch, Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft München I, und Vize-Polizeipräsident Werner Feiler (von links nach rechts) bei der PK (Bild: dpa/Matthias Balk)
2. Vorbereitung der Tat:
  • Den Ermittlungen zufolge hat der 18-Jährige seinen Amoklauf lange vorbereitet. Demnach hat sich der junge Mann bereits seit einigen Jahren mit dem Thema Amok befasst, seit vergangenem Sommer soll er die Tat geplant haben. Schon am Samstag hatten die Ermittler berichtet, dass ein Buch mit dem Titel "Amok im Kopf – warum Schüler töten" gefunden worden sei, außerdem Zeitungsartikel, die sich mit Polizeieinsätzen und Amokläufen beschäftigen.
  • Der 18-Jährige soll auch ein eigenes Manifest geschrieben haben; die Ermittler fanden es auf einem Computer in seinem Zimmer.
  • Offenbar hatte er für seine Tat Vorbilder: Im vergangenen Jahr besuchte er die baden-württembergische Stadt Winnenden, wo ein Amokläufer im Jahr 2009 15 Menschen getötet hatte. Auf einer Digitalkamera habe man Fotos von den Tatorten gefunden, sagten die Ermittler. Außerdem scheint sich der 18-Jährige an dem Norweger Anders Behring Breivik orientiert zu haben. Am Freitag, dem Tag des Amoklaufs, jährte sich Breiviks Attentat zum fünften Mal.
  • Außerdem teilten die Ermittler mit, dass der 18-Jährige bereits im Mai einen gefälschten Facebook-Account eingerichtet hatte. Dafür verwendete er den Namen einer real existierenden Frau und kopierte Fotos von ihrem Account. Über dieses Profil soll er am Freitag andere Jugendliche in die McDonald's-Filiale am Olympia-Einkaufszentrum gelockt haben.
  • Die Tatwaffe, eine Glock 17, stammt offenbar aus dem Darknet; die Ermittler fanden Hinweise auf einen entsprechenden Chatverlauf. Es soll sich um eine reaktivierte Theaterwaffe handeln, mit einem Prüfzeichen aus der Slowakei.
  • Die Eltern des 18-Jährigen sind nach Angaben der Ermittler noch nicht vernehmungsfähig. Deshalb konnte noch nicht geklärt werden, ob sie die Vorbereitungen ihres Sohnes bemerkt hatten.
3. Die Opfer
  • Auch wenn viele der Opfer einen Migrationshintergrund haben, gibt es offenbar noch keine Hinweise darauf, dass der Schütze sie gezielt aussuchte. LKA-Chef Robert Heimberger trat Spekulationen entgegen, wonach es der Amokschütze gezielt auf Jugendliche mit Migrationshintergrund abgesehen habe. Er kenne die Gegend um das Olympia-Einkaufszentrum und die McDonald's-Filiale, dort seien häufig eher Kinder aus Migrantenfamilien.
  • Generell hat sich der 18-Jährige demnach seine Opfer nicht ausgesucht. Im Jahr 2012 gab es nach Angaben der Ermittler zwar ein Verfahren, weil der Täter auf dem Schulweg von drei anderen Jugendlichen gehänselt worden sein soll. Von den damals Beschuldigten sei aber niemand unter den Opfern gewesen.
Trauer in München(Bild: Sven Hoppe/dpa )

SPIEGEL TV hat außerdem mit einem 16-Jährigen aus München gesprochen, der regelmäßig mit dem Täter "Counter-Strike" gespielt haben will.

Die Recherche enthüllt weitere Details über den 18-Jährigen:
  • Demnach sei er in der Schule ein Einzelgänger gewesen und oft gehänselt worden, unter anderem wegen seiner "Sing-Sang-Stimme" und seines "komischen Gangs".
  • Am Anfang ihrer Bekanntschaft sei der Täter ganz normal gewesen, dann habe er sich aber immer wieder fremdenfeindlich geäußert. Unter dem Namen "Amokläufer" habe er zum Beispiel Türken beschimpft; unter dem Namen "Hass" habe er Positives über den Amokläufer von Winnenden geschrieben.

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