Bild: dpa/Daniel Karmann

Der Duisburger Stadtrat hat am Montag ein Alkoholverbot über die Innenstadt verhängt. Das Verbot gilt auf öffentlichen Plätzen in weiten Teilen der Duisburger Innenstadt. Das hat uns ein Sprecher der Stadt bestätigt. 

Das Verbot wurde demnach mit "einer breiten Mehrheit von CDU und SPD" angenommen – Enthaltungen habe es bei den Grünen, der FDP und der Linken gegeben. Die neue Regel wird ab dem 16. Mai gelten.

Worum geht es?

Immer mehr Ladenbesitzer entlang der großen Einkaufsstraßen im Zentrum hatten sich über Betrunkene beschwert. Alkoholisierte Obdachlose würden in der Öffentlichkeit urinieren und Kunden anpöbeln. Die Stadt will sich darum kümmern (hier ist die Ratsvorlage).

Das Verbot soll nicht für Stadtfeste und Restaurants gelten, da darf weiterhin Alkohol ausgeschenkt werden. Wer jedoch sonst mit einer Flasche im Zentrum herumläuft, soll künftig ein Bußgeld zahlen.

In diesem Gebiet soll das Verbot gelten:

(Bild: Stadt Duisburg)
Worum geht es eigentlich?

Die Stadt Duisburg versucht, seine Obdachlosen aus dem Zentrum zu vertreiben. Frei nach dem Motto: Die trinken sowieso alle. Wenn sie es hier nicht mehr dürfen, sind sie nicht mehr da.

  • Kürzlich hatte die Stadt Kiel mit einer ähnlichen Idee beschlossen, ab sofort nur noch "heimischen" Obdachlosen zu helfen. (bento)
  • Und in Hamburg sollen speziell gebaute Mülleimer verhindern, dass Pfandsammler ins Zentrum kommen. (NDR)
Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Yannik Form, Jugendring Duisburg

Yannik Form vom Jugendring Duisburg kritisiert die Maßnahme. In einem ersten Schritt habe die Stadt die Rückenlehnen im innerstädtischen Kantpark abgeschraubt – damit sich dort keine Obdachlosen mehr treffen können. Als das nicht half, soll nun das Verbot der nächste Schritt sein. "Dabei haben Ordnungsamt und Polizei schon jetzt alle Möglichkeiten, alkoholisierte Personen aufzugreifen", sagt er.

Wie sinnvoll sind Alkoholverbote in der Stadt?

Sieghard Schilling von der Duisburger Diakonie ist Mitglied im Sozialausschuss. Auch er sieht eher das Ordnungsamt in der Verantwortung. Das Alkoholverbot hingegen sei "beschämend" und nur "einfache Vertreibungspolitik“, sagt er "RP Online"

Schilling könnte die Händler zwar verstehen, aber halte das Verbot für die falsche Lösung – stattdessen müsste Duisburg bessere Hilfsangebote für Suchtkranke anbieten. So sei das Gesetz nur eine Verdrängung: "Es geht schlicht und einfach um die Vertreibung einer kleinen Gruppe von Menschen, die den bürgerlichen Vorstellungen anderer nicht entsprechen."

Sie stören die Weintrinker aus dem bürgerlichen Milieu.
Sieghard Schilling, Diakonie

Das Stadtmarketing wirbt hingegen vorerst weiter mit Alkohol: "Ruhrgebiet und Niederrhein, Industrie und ländliche Idylle, Shoppingmalls und Trinkhallen, Philharmonie und Industriekultur – Duisburg vereint scheinbare Gegensätze zu einem aufregenden großstädtischen Gemisch." (Duisburg Kontor)


Musik

Wer hat's gesungen – Die Toten Hosen oder Xavier Naidoo?

Auf den ersten Hinhörer haben Die Toten Hosen und Xavier Naidoo nichts gemeinsam – die einen sind eine linke Punkband, die auf Gott und die Welt einen Scheiß gibt. Der andere ist ein rechter Verschwörer, der auf alles außer Gott einen Scheiß gibt. 

Doch genau in diesem Keinenscheiß-Geben sind sich beide Seiten dann doch textlich ähnlich: nämlich mit ihrer Kritik am System.