Bild: WDR
Dieser WDR-Journalist hat sie sprachlos gemacht.

Bei der vergangenen Bundestagswahl ist mit der AfD erstmals eine offen rechtspopulistische bis rechtsradikale Partei ins Parlament eingezogen. Viele Deutsche fragen sich seitdem: Wie soll man mit der Partei und ihren Unterstützern umgehen?

  • Mit Rechten kann und sollte man gar nicht erst diskutieren, sagen die einen.
  • Mit ihnen zu reden, ist die einzige Lösung, sagen die anderen.

Dass Letzteres manchmal in der Tat sehr aufschlussreich ist, hat nun ein Interview bewiesen, das der WDR-Journalist Philipp Menn mit der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel geführt hat. In einer Ausgabe des Talk-Formats "eins zu eins" vom vergangenen Mittwoch befragt der Journalist Weidel eine halbe Stunde lang – sachlich, ausgeruht, bestens vorbereitet. Seit der Ausstrahlung wird das Video im Netz vielfach geteilt und diskutiert. (Hier kannst du dir das komplette Interview anschauen.)

Denn dieses simple Interview sagt viel über die Partei aus.

Hier sind sechs überzeugende Momente:

1

Er belegt, dass die AfD nicht zu ihren eigenen Grundsätzen steht. 

Kaum eine Miene verzieht Moderator Philipp Menn. Ganz sachlich fragt er nach den Leitlinien der Partei:

"In ihrem Grundsatzprogramm habe ich gelesen: 'Dem Bruch von Recht und Gesetz, der Zerstörung des Rechtsstaats und verantwortungslosem politischen Handeln wollen wir nicht länger tatenlos zusehen.'"

Doch in den ersten acht Monaten der Legislaturperiode sei bereits bei sieben Bundestagsabgeordneten die Immunität aufgehoben worden – fünf davon seien oder waren Mitglieder der AfD. Er fragt: 

"Wie wollen sie den Rechtsstaat schützen, wenn sie selber so gravierende Problem haben bei der Einhaltung des Rechts?"

Dann folgt ein Schlagabtausch:

  • Weidel antwortet, sie sehe da kein Problem. Sie nennt das Beispiel von Sebastian Münzenmaier. Der AfD-Abgeordnete bestreite die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben würden.
  • Menn legt nach. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, deswegen sei der Fall jetzt in der zweiten Instanz. "Er soll als Hooligan andere Fußballfans angegriffen haben. Für den Fall, dass er jetzt auch in der zweiten Instanz verurteilt würde, müsste er dann die Fraktion verlassen?"
  • Weidel hält dagegen, die Gerichte würden sich irren: "Er bestreitet das und für mich ist Herr Münzenmaier absolut glaubwürdig. Er ist überhaupt gar nicht der Typ dafür."
  • Menn: "Selbst wenn er verurteilt würde, reicht ihnen dann das Wort von Herrn Münzenmaier oder muss er die Fraktion dann verlassen?"
  • Weidel: "Er ist ein ehrbares Mitglied unserer Fraktion und er bestreitet das und das ist auch absolut glaubwürdig."
  • Menn schlägt zurück: "Das heißt, das Wort eines Menschen liegt über dem Gesetz?" Das wäre genau das, was die AfD laut Programm anprangern möchte.
  • Weidels Antwort: "Nein, das meine ich nicht. Es geht um den speziellen Fall von Herrn Münzenmaier, der diese Tat eben bestreitet."
  • Menn wiederholt seine Frage, ob ein wegen Körperverletzung verurteilter Bürger Mitglied in der AfD-Fraktion bleiben dürfe?
  • Weidel kann dem kaum noch ausweichen. Deshalb beendet sie die Diskussion einfach so: "Das ist rein hypothetisch. Er ist in Berufung gegangen, jetzt lassen sie uns erst einmal abwarten."

2

Mit seinen Nachfragen zeigt er, dass die AfD den gesamten G7-Gipfel nicht verstanden hat.

Etwas später kommen die beiden auf den G7-Gipfel zu sprechen. Weidel erklärt, wo ihrer Meinung nach die Schwierigkeiten bei Zöllen liegen und kommt dann irgendwann zu dem Schluss, die Bundesregierung habe den Gipfel scheitern lassen.

Menn hakt ein: 

"Aber die Bundesregierung hat den Gipfel ja nicht scheitern lassen." Die Bundesregierung habe ja die Abschlusserklärung mit unterschrieben. Scheitern lassen habe sie Trump.

Dazu kann Weidel nur sagen: 

"Das geht einfach nicht, da hätte die Bundesregierung eine ganz klare Positionierung einziehen müssen."

Alles klar. Oder eben auch nicht. 

3

Er zeigt, dass die AfD außer Hetze gegen Einwanderer nicht viel zu bieten hat.

Eigentlich sollte es im Interview nicht schon wieder um Nazi-Sprüche und andere Mausrutscher gehen – "Gerne zu anderen Themen", sind sich Interviewer und Interviewte einig.

Doch sobald Menn Fragen zu anderen politischen Themen stellt, wird es ganz dünn. Weidel kann nicht mit konkreten Positionen aufwarten.

Mindestlohn? "Muss ein Parteitag beschließen."
Pendlerpauschale? "Haben wir keine Grundhaltung zu."
Bürgerversicherung? "Muss auf Parteitag entschieden werden."
Renteneintrittsalter? "Kommt drauf an."
Schusswaffen für Bürger? "Haben wir noch keine Grundhaltung zu."

4

Er führt live vor, dass die AfD so lange die Unwahrheit sagt, bis es wirklich lächerlich wird.

Hitler und die Nazis seien nur ein "Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte", das sagte AfD-Parteichef Alexander Gauland auf einer Veranstaltung der Jungen Alternative. Ein Satz, den die meisten als Relativierung der Verbrechen der Nazi-Zeit verstanden.

Anders Weidel: Im Interview verteidigt sie Gauland, sein Zitat sei verkürzt und verfälscht worden. Für die unglückliche Formulierung habe er sich zudem entschuldigt. 

Entschuldigt? Moment mal. 

  • Menn hakt ein: "Entschuldigt hat er sich nicht…"
  • Weidel erneut: "Für die unglückliche Formulierung hat er sich entschuldigt."
  • Menn darauf: "Er hat gesagt, dass er nicht möchte, dass der falsche Eindruck entsteht, aber er hat sich zum Beispiel nicht bei den Überlebenden, den Opfern des Holocaust entschuldigt."
  • Weidel muss einsehen, dass der Moderator recht hat – und ändert einfach ihre Argumentationsstragie: "Warum sollte er, wenn er es überhaupt gar nicht so gemeint hat?"

So lange lügen, bis es nicht mehr anders geht – und dann einfach ablenken. Ein Paradebeispiel für die AfD-Rhetorik.

5

Er führt vor, dass selbst Alice Weidel die AfD manchmal ein bisschen zu AfD ist.

Von Homosexualität hält die AfD nicht viel. Kinder sollen in der Schule lieber nichts über verschiedene Familienmodelle lernen, "Frühsexualisierung" sei das, und die Ehe soll Mann und Frau vorbehalten sein.

Alice Weidel ist mit einer Frau zusammen, die beiden leben in einer eingetragenen Partnerschaft, haben zwei Kinder. Dass eine lesbische Frau sich aktiv dafür einsetzt, dass homosexuelle Paare weniger Rechte haben, ist ein Widerspruch, der natürlich nicht erst Menn auffällt.

Doch auf seine harmlose Frage, "Würden Sie nicht gern 'richtig' heiraten?", windet sich Weidel so, dass man nicht umhin kommt zu denken: Nicht einmal die AfD-Fraktionschefin steht hinter den Positionen ihrer Partei.

Sie und ihre Partnerin seien mit der Lebenspartnerschaft "sehr zufrieden". Die Ehe für alle sehe sie "ganz kritisch" – der verfassungsrechtliche Begriff der Ehe dürfe nicht "aufgelöst" werden, sonst brauche man ihn nicht mehr.

Überzeugend ist das nicht.

6

Mit scheinbar harmlosen Fragen bringt er das wahre Gesicht der Partei zum Vorschein.

Weidel ist Deutsche, ihre Lebensgefährtin Schweizerin. In beiden Ländern hat das Paar einen Wohnsitz. Ob Weidel bei der Fußball-WM zu Deutschland oder zur Schweiz halte, will Menn deshalb wissen. Und entlockt der AfD-Fraktionsvorsitzenden eine Antwort, die Bände spricht. Fußball interessiere sie eigentlich nicht, sagt sie. Aber:

"So wie die Nationalmannschaft, die ja nur noch 'die Mannschaft' heißt, aufgestellt ist, habe ich schon Probleme, für die deutsche Mannschaft zu applaudieren. Solange man Gündogan und Özil, die offensichtlich ein Problem mit unserem Staat haben, da zulässt."

Mit der Argumentation zeigt Weidel klar, wie egal der AfD die deutsche Staatsbürgerschaft ist. Wenn es um Muslime geht, sind für die Partei oft nur ethnische Deutsche auch richtige Deutsche.


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