Drei Fragen, drei Antworten

Mitglieder der rechtspopulistischen AfD geben sich regelmäßig Mühe, sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Vorwürfe, sie würden das Gedankengut der Nazis weitertragen, streitet die Partei gerne ab.

Nun hat ein junges AfD-Mitglied rechte Äußerungen gebraucht – indem er den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als "Verräter" bezeichnete.

In der Partei distanzieren sich nun viele von der Aussage, auch Parteichef Alexander Gauland hat sich eingemischt.

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Um welche Aussagen geht es?

Der Vorsitzende der niedersächsischen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, Lars Steinke, soll Stauffenberg in einem Facebook-Eintrag als "Verräter" und "Feigling" bezeichnet haben. Das berichtet die "Welt" unter Berufung auf einen Screenshot.

"Stauffenberg war ein Verräter", schreibt Steinke demnach. Sein versuchtes Attentat auf Hitler sei "der beschämende Versuch eines Feiglings" gewesen, "die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten". 

Steinke bestätigte mittlerweile, den Text verfasst und auf seiner privaten Facebook-Seite gepostet zu haben.

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Wer war Stauffenberg – und warum ist das wichtig?

Claus Schenk Graf von Stauffenberg war ein Oberst der deutschen Wehrmacht und im Zweiten Weltkrieg an den Planungen der Feldzüge beteiligt. So hatte er auch Zugang zum inneren Kreis von Adolf Hitler.

Am 20. Juli 1944 hatte Stauffenberg ein Attentat auf Hitler geplant – und eine Bombe im Beratungszimmer platziert. Der Anschlag galt als Teil der "Operation Walküre", ein versuchter Staatsstreich mehrerer Militärs gegen Hitler. Der Sprengsatz detonierte, Hitler überlebte jedoch. 

Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs wurden Stauffenberg und einige seiner Mitverschwörer noch in derselben Nacht hingerichtet. Sie gelten heute als Widerstandkämpfer. Und als Beweis dafür, dass nicht alle Deutschen mit den Machenschaften des Nationalsozialismus einverstanden waren.

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Wie reagiert die AfD auf den Vorfall?

Sie distanziert sich von den Aussagen. Stauffenberg sei ein "Held" und "Vorbild im Kampf gegen diktatorischen Mainstream und Angepasstheitgewesen" gewesen, schreibt der niedersächsische Landesverband in einer Stellungnahme

Die AfD sieht sich selbst in der Tradition des Widerständlers – die Stellungnahme soll das deutlich machen. Weiter schrieb der Landesverband:

Der Landesvorstand stellt hierzu klar, dass diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes der AfD-Niedersachsen widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt.

Auch Gauland äußerte sich und sprach sich für einen Parteiausschluss Steinkes aus. Der Facebook-Eintrag sei "bodenloser Schwachsinn", lies sich Gauland vom AfD-Sprecher auf Twitter zitieren:

So berichtet bento über die AfD

Wir verhelfen der AfD zu mehr Aufmerksamkeit, wenn wir über die Provokationen und Tabubrüche der Rechtspopulisten berichten. Wenn wir sie ignorieren, melden sich Menschen und fragen: Wo bleibt der Aufschrei? Ist das, was die AfD sagt, etwa schon "normal"?

Wie wir mit diesem Dilemma umgehen und wann wir wie berichten, haben wir hier aufgeschrieben.


Mit Material von dpa


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