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Aleppo war einst eine wunderschöne Stadt, auf die ihre Bewohner stolz waren. Nun liegt sie in Schutt und Asche. Die Regierungsarmee hat sie fast vollständig eingenommen (bento).

Am Dienstag rückten Soldaten in viele Viertel im Osten vor – dort hatten sich in den vergangenen Jahren Rebellen und islamistische Milizen verschanzt. Zwischen den Fronten leben Tausende Zivilisten, Kampfflieger verwandeln ihre Wohnhäuser in Trümmerwüsten.

Die Syrische Zivilverteidigung, "Weißhelme" genannt, berichtet, in den verbleibenden Rebellengebieten würden sich um die 100.000 Menschen drängen. Viele sind den Bombardierungen hilflos ausgesetzt. Nach Uno-Angaben haben syrische Pro-Regierungstruppen mindestens 82 Zivilisten getötet (tagesschau.de). Rebellen berichteten am Abend auf Twitter, eine Waffenruhe sei verhandelt worden – und das syrische Regime erlaube einen Abzug aus den letzten Rebellenvierteln.

Wie die Lage in dem Chaos tatsächlich ist, kann niemand mit Gewissheit sagen. In den Gefechten in der Stadt stirbt auch die Wahrheit.

In den vergangenen Jahren sind Hunderttausende Menschen vor diesem Krieg nach Deutschland geflohen – einige von ihnen kommen aus Aleppo. Wie fühlen sich die Menschen, die nun hier leben, angesichts des Untergangs ihrer Heimatstadt? Haben sie noch Hoffnung?

Wir haben mit drei Syrern aus Aleppo gesprochen:
(Bild: privat)
Baschir, 19 Jahre, lebt in Gera in Thüringen.

Es macht mich fertig, Aleppo so zu erleben. Diese Stadt bedeutet mir alles, ich trage so viele Erinnerungen in meinem Herzen. Als Kind bin ich so gerne auf der alten Zitadelle spazieren gegangen, zuletzt habe ich im Geschäft meines Vaters in der Altstadt als Mechaniker gearbeitet. Doch welche Bilder auch immer ich jetzt sehe: Alles ist zerstört, überall gibt es Tote.

Ich bin 2013 mit meinen Eltern geflohen. Das Assad-Regime hatte damals unsere Autos beschlagnahmt, eine Rakete unsere Wohnung zerstört. Dabei waren wir nie Rebellen, sondern einfach nur normale Bürger. Wir wollten auch nie den Rücktritt von Assad. Bei den Demonstrationen ging es immer nur um ein bisschen mehr Freiheit. Assad hat kein Recht, sein Volk zu töten.

Bei Nachrichten aus Aleppo vertraue ich auf Bekannte. Mein Onkel lebt zum Beispiel noch in der Stadt, ziemlich genau im Zentrum, wo die Front ist. Er hat erzählt, dass die syrischen Truppen Menschen in der Straße aufreihen und wahllos töten. Das letzte Mal habe ich von ihm vor vier Tagen gehört – seitdem komme ich mit meinen Anrufen nicht mehr durch.

(Bild: privat)
Rama, 20, ist vor drei Jahren aus Aleppo nach Ägypten geflohen. Seit einem Jahr lebt sie in Hamburg.

Ich bin natürlich sehr traurig, dass ich meine Heimat verloren habe. Aber hier in Deutschland kann ich die Situation dort ein bisschen vergessen. Ich lebe hier mit meiner Familie, mache einen Sprachkurs und möchte auch noch studieren. Wenn ich mich hier integriere, kann ich mir etwas Neues aufbauen.

Aber Aleppo bleibt meine Heimat. Natürlich beschäftigen mich die Kämpfe dort im Moment sehr. Heute morgen habe ich noch mit einer Freundin dort telefoniert, sie kann ihr Haus nicht mehr verlassen, weil die Straßen zu gefährlich geworden sind. Ich bin sowohl gegen Assad als auch gegen die Rebellen – beide haben gleichermaßen für die Katastrophe in Aleppo gesorgt. Es wäre am besten, wenn die Türkei die Kontrolle über Aleppo bekäme. Sie würde die Menschen vor Ort besser behandeln.

Mein Traum ist es, hier in Deutschland Architektur zu studieren, um nach dem Krieg helfen zu können, meine Stadt wieder aufzubauen.

Von einst zwei Millionen Einwohnern sind viele geflohen oder umgekommen.
Der Osten war hart umkämpft, dort verschanzten sich die Rebellen. Fast täglich bombardieren daher syrische und die russische Flieger die Viertel.
Es gibt islamistische Milizen in Aleppo – aber auch Rebellen und Zivilisten, die ebenfalls pauschal als Terroristen bezeichnet werden.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle kamen in knapp sechs Jahren fast 21.500 Zivilisten ums Leben.
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(Bild: privat)
Hasan, 23, hat in Aleppo vier Semester Wirtschaft studiert, bevor er vor zwei Jahren nach Hamburg kam.

Die vergangenen Monate waren wirklich schwer zu ertragen. Ich habe mir so viele Videos aus Aleppo im Internet angesehen. Assad und Russland bombardieren dort sogar Krankenhäuser! Ich selbst habe drei Freunde, die mit ihren Familien immer noch in Aleppo leben. Sie wohnen in sicheren Gegenden, die von Assad kontrolliert werden – es herrscht ja nicht überall in der Stadt Krieg. Aber ich bin froh, dass meine Eltern mittlerweile nicht mehr in Aleppo, sondern in einer anderen Stadt in Syrien leben.

Wenn Bekannte von uns Geld brauchen, um in sicherer Gebiete umzuziehen, dann schicken meine Freunde und ich ihnen von hier Geld. Vielleicht 2000, 3000 Euro. Wir versuchen, die Menschen dort so zu unterstützen. Das ist natürlich nicht genug, aber alles, was wir tun können. Wir dürfen hier in Deutschland ja noch nicht arbeiten, zur Zeit machen wir alle nur einen Deutschkurs.

Hier in Hamburg habe ich viele Freunde aus Aleppo, wir sprechen im Moment täglich über die Situation zu Hause. Dabei geht es schon längst nicht mehr darum, wem Aleppo nun gehören soll – ob Assad gewinnt oder die Rebellen. Es sollen einfach nicht noch mehr Menschen ums Leben kommen.

Ich bin wütend, dass Deutschland und die ganze EU ständig von Gerechtigkeit sprechen und sich dann die Katastrophe in Aleppo stillschweigend anschauen. Für mich ist in diesen Tagen die Menschlichkeit gestorben.


Grün

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