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"Die Bomben fallen, während wir dies schreiben"

"Wir hören Kinder weinen, wir hören Hilfeschreie. Aber wir können nichts machen, die Bomben fallen die ganze Zeit." So schildern die Retter der Hilfsorganisation Syrische Weißhelme in einer Twitter-Nachricht die dramatische Lage im Ostteil von Aleppo.

Die Weißhelme riskieren ihr Leben, um Menschen nach Bombenangriffen aus den Trümmern zerstörter Gebäude zu retten.

Im Osten von Aleppo aber hat sich die Situation so verschärft, dass sie oft nicht mehr helfen können. Die regimetreuen Truppen rücken auf die Gebiete der Rebellen im Osten vor, diese halten nur noch wenige Viertel. Die Niederlage scheint kurz bevor zu stehen.

"Nun können wir nichts mehr tun."
Mit einem Brief wollen die Weißhelme nun die Weltöffentlichkeit aufrütteln, veröffentlicht wurde er am Montagabend.
"Die Bomben fallen, während wir dies schreiben. Jahrelang haben unsere Freiwilligen gearbeitet, um das Leben unserer Landsleute in Aleppo zu retten: Wir halfen in Krankenhäusern im Untergrund, retteten ganze Familien aus Schutt und Geröll und riskierten unser Leben, um die täglichen Kriegsverbrechen des Assad-Regimes und seines russischen Verbündeten zu dokumentieren. Nun können wir nichts mehr tun."

Für ihren Einsatz für die zivilen Opfer sind die Weißhelme in diesem Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Die Gruppe besteht aus rund 3000 Freiwilligen. In Friedenszeiten waren sie Bäcker, Schneider, Verkäufer oder Lehrer. Jetzt sind sie Feuerwehrleute, Sanitäter oder Such- und Rettungskräfte. Manche sterben selbst bei Angriffen. Und die Gefahr scheint größer zu werden. Weiter heißt es in dem Brief:

"Wir sind unter den 100.000 Zivilisten, die auf einem Gebiet von fünf Quadratkilometern eingeschlossen sind, und es regnet ohne Unterlass Bomben, Geschosse, und die Truppen rücken näher. In einem Gebäude haben mehr als 500 Menschen Schutz gesucht. Die Leute verstecken sich seit Tagen im Untergrund."
(Bild: SPIEGEL ONLINE)
Die Weißhelme, die sich offiziell "Syrischer Zivilschutz" nennen, verbinden ihren Brief mit einem Appell:
"Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, den verbleibenden 100.000 Menschen sicheres Geleit zu geben. Wir wissen, dass die Vereinten Nationen einen Plan haben, uns durch vier Kilometer von West-Aleppo in Sicherheit zu bringen: Mit wenigen Dutzenden Bussen und Lastwagen könnten wir alle in 24 Stunden evakuiert sein. Allerdings muss unsere und die Sicherheit unserer Mitarbeiter garantiert sein."

Gemeint ist damit, dass die eingeschlossenen Menschen durch das von Regimetruppen gehaltene Viertel im Westen gebracht werden sollen – dahinter erstreckt sich wieder Rebellengebiet. Im Gespräch war zwischen USA und Russland zuletzt auch, dass Tausende Syrer aus Aleppo in die von Rebellen kontrollierte Stadt Idlib gebracht werden, die rund 60 Kilometer südwestlich liegt – auch diese wird allerdings von den regimetreuen und russischen Truppen beschossen.

"Seit fünf Jahren versucht das Regime, uns zu töten. Bitte gebt ihnen keine Chance dazu."
Die Lage in Aleppo aber ist noch verzweifelter. Die dort eingeschlossenen Weißhelme schreiben weiter:
"Wenn wir bleiben, fürchten wir um unser Leben. Die Frauen könnten in Lager gebracht werden, die Männer könnten 'verschwinden', und jeder, der Zivilisten geholfen hat, wird verhaftet oder exekutiert. Wir haben gesehen, wie Tausende unserer Jungen und Männer festgesetzt wurden. Unzählige Weißhelme, Ärzte, Krankenschwestern und Menschenrechtler wurden getroffen und getötet in den grausamen Angriffen des Regimes auf Aleppo. Seit fünf Jahren versucht das Regime, uns zu töten. Bitte gebt ihnen keine Chance dazu."

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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