Oder schaden sie dem Körper?

Peelings, Gesichtsmasken, Reinigungstücher und Duschgels – alles in schwarz. Produkte in dunklen Verpackungen findet man inzwischen immer häufiger in den Regalen der Drogerien. Sie enthalten Aktivkohle, die auf der Rückseite von Shampooflaschen und Seifenspendern als Wunderkraft beworben wird.

Aktivkohle soll die Haut porentief reinigen, indem sie Schmutz besonders effektiv entfernt. Sie soll Zähne weißer machen, ein neues Superfood im Detox-Bereich sein und entgiftend wirken. Klingt super.

Aber stimmt das alles wirklich? Hilft Aktivkohle Haut und Körper?

Das fragen wir...

  • ...Ulrike Blume-Peytavi von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin.
  • ...Miriam Pein-Hackelbusch, Professorin der Technologie der Waschmittel, Kosmetika und Pharmaka an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

1.

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Das bedeutet: Man findet sie in ihrer reinen Form zwar nicht in der Natur – aber sie kann aus natürlichen Zutaten hergestellt werden, sagt Ulrike Blume-Peytavi. Aktivkohle ist also keine echte Kohle, die man in einem Bergwerk ausgräbt. 

Sie entsteht bei der Verbrennung von organischen Stoffen, das können zum Beispiel Walnussschalen, Olivenkerne oder Hölzer sein. Dabei werden diese zunächst verbrannt, dann wird der daraus entstandenen Kohle Luft oder Wasserdampf zugesetzt. 

2.

Was kann Aktivkohle? 

Aktivkohle hat eine feine, poröse Struktur, die sehr gut absorbieren kann. Das heißt, sie kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. "Aktivkohle funktioniert quasi wie ein Schwamm", sagt Professorin Blume-Peytavi. "Bereits im Alten Ägypten und Antiken Rom war diese Eigenschaft der Aktivkohle bekannt."

Auch in der Medizin findet Aktivkohle seit langem Verwendung, zum Beispiel in Form von Kohle-Tabletten bei Durchfallerkrankungen. 

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Aufgrund der großen inneren Oberfläche der Aktivkohle kann die Flüssigkeit – Giftstoffe oder Bakterien – auf natürliche Weise gebunden werden. Die Giftstoffe werden also, zum Beispiel bei Durchfall, von der Kohle aufgenommen und verlassen mit ihr zusammen den Körper, sagt Blume-Peytavi. 

Aktivkohle kommt oft auch in Lüftungsanlagen oder Zigarettenfiltern zum Einsatz. Sogar bei Einlegesohlen gegen Fußgeruch sind Aktivkohlefilter nichts Unübliches. Doch warum gibt man sie in Kosmetikprodukte?

"Ich kann mir vorstellen, dass Aktivkohle in Duschgels oder Peelings eingesetzt wird, weil sie die Haut sehr gut reinigt. Aktivkohle kann durch ihre hohe Bindungskapazität viel aufnehmen; Unreinheiten wie Fett, Talg oder Schweiß werden auch beseitigt", sagt Blume-Peytavi. Die Gifte werden gefiltert, aufgefangen und schließlich mit Wasser abgewaschen.

3.

Gibt es auch Nachteile?

"Ob Aktivkohle die Gesundheit oder Schönheit fördert, das kann man nicht sagen. Dazu gibt es bisher keine Forschung. Für die Haut ist sie auf jeden Fall nicht schädlich oder ungesund", sagt Blume-Peytavi.

Außerdem berge Aktivkohle keine Risiken, allergische Reaktionen könne sie nämlich nicht verursachen. Jedoch sollte man auf die Dosierung achten. Während viele Kosmetik-Produkte, wie beispielsweise Abschminktücher, für die tägliche Verwendung gedacht sind, rät die Expertin von genau dieser ab: Nicht ständig Schrubben, sonst kriegt man raue, schuppende Haut.

Im Netz kursieren viele Vorher-Nachher-Bilder, sie zeigen Menschen, die mit Aktivkohlepulver Zähne putzen, um ein blendend weißes Lächeln zu bekommen. Die Methode sei extrem wirksam, heißt es. 

"Ich würde das nicht empfehlen", sagt Miriam Pein-Hackelbusch. Das Verfahren sei bedenklich, da die Aktivkohle-Pulver den Zahnschmelz angreifen und schädigen könnten. Bei schmerzempfindlichen Zähnen sollte man besonders vorsichtig sein.

4.

Und wie sieht es mit Aktivkohle-Smoothies aus?

Noch etwas, das auf Instagram gerade beworben wird wie wohl nur wenige andere Getränke. Black Smoothies sind schwarze Mixgetränke aus Fruchtsäften, Fruchtpürees und Aktivkohle. Sie schmecken süß und fruchtig, die Kohle schmeckt man kaum raus – und sie sollen sich zum Abnehmen und Entgiften eignen.

"Dem ist nicht so", sagt Pein-Hackelbusch. "Denn die wichtigen Inhaltsstoffe, die dem Körper beim Entgiften weiter zugeführt werden sollten, werden von der Aktivkohle aufgenommen. Sie bindet alles, unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse." 

5.

Worauf sollte man beim Einkaufen achten?

Der offizielle Begriff für Aktivkohle ist Charcoal – und das sollte auch auf der Verpackung stehen, sagt Pein-Hackelbusch. Ist er bei den Zutaten nicht aufgeführt, kann es gut sein, dass das jeweilige Produkt schwarz eingefärbten Industrieruß – Carbon Black – enthält. Ein Stoff, der als potentiell krebserregend eingestuft wird. 


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