Eine Pressekonferenz ohne Presse.

In Brandenburg haben Teilnehmende eine Pressekonferenz der AfD-Fraktion im Landtag boykottiert. Zuvor soll die Leitung der Konferenz dem Bild-Journalisten Michael Sauerbier das Fragerecht entzogen haben. Im Anschluss an das Frageverbot sollen alle anderen Kolleginnen und Kollegen solidarisch mit Sauerbier den Raum verlassen haben. 

Das beschreibt dieser auf seinem Twitter-Kanal: 

Warum durfte Sauerbier keine Fragen stellen? 

Die B.Z., für die Sauerbier ebenfalls arbeitet, nennt als Grund kritische Rückfragen zur Geschichte des AfD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz. Zwei Wochen zuvor soll der Journalist den AfD-Mann unter anderem nach Kontakten zur rechtsextremen und inzwischen verbotenen "Heimattreuen Deutschen Jugend" befragt haben. (B.Z.)

Update, 17.49 Uhr: Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Andreas Galau, bestätigte bento den Vorfall in einem schriftlichen Statement. Als Grund für das Verbot nannte er durch Sauerbier ausgesprochene "Beleidigungen" in einer vorangegangenen Pressekonferenz. 

„[...] Aus diesem Grund wurde dem Bild-Reporter Michael Sauerbier heute in der PK der AfD-Fraktion zu Beginn mitgeteilt, dass seine Fragen aufgrund seiner Beleidigungen in der vorhergehenden PK in dieser PK nicht mündlich akzeptiert würden. Ziel war, eine vergleichbare Situation zu verhindern und die PK in einer professionellen Weise durchzuführen. Ferner wurde darauf hingewiesen, dass jeder Teilnehmer der Landespressekonferenz, auch der Reporter der Bild-Zeitung, jederzeit jede Frage (uneingeschränkt vom Inhalt) per Telefon oder E-Mail an die Pressestelle richten können. Es handelt sich hierbei nicht um Zensur der Fragen, sondern um die Frage eines respektvollen, professionellen Miteinanders in einer Pressekonferenz.“

Auch die Landespressekonferenz veröffentlichte kurz nach dem Vorfall eine Stellungnahme zum Verhalten der AfD-Fraktion: 

"Dies ist ein schwerwiegender Eingriff in die Pressefreiheit und absolut inakzeptabel. So sehr eine Moderation einer Pressekonferenz zulässig und im Interesse aller anwesender Kollegen zuweilen auch notwendig ist, so wenig ist es möglich, bereits zu Beginn Journalisten das Fragerecht zu entziehen. Wir begrüßen, dass die anwesenden Kollegen heute den Raum verlassen haben, und bitten unsere Mitglieder, nur dann an Terminen der Alternative für Deutschland (AfD) teilzunehmen, wenn alle anwesenden Journalisten ein Fragerecht haben." (LPK)

Korrektur: Michael Sauerbier arbeitet auch für die B.Z., die Berliner Tageszeitung, nicht die Berliner Zeitung. Wir haben den Fehler berichtigt.


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