In einer Rede hat AfD-Parteichef Alexander Gauland die Nazi-Zeit als "Vogelschiss" der deutschen Geschichte abgetan. Das hat Methode. Bei der AfD gehört die Provokation zum Programm. Immer wieder überschreiten AfD-Politiker absichtlich Grenzen. Bei jedem neuen Tabubruch stehen wir als Redaktion vor der Frage, ob und wie wir berichten.

Wir stehen oft vor einem Dilemma:
  • Wenn wir berichten, verhelfen wir der AfD zu mehr Aufmerksamkeit. Auch wenn wir den Mechanismus dahinter zeigen. Warum ihnen den Gefallen tun, warum das Spiel der AfD mitspielen? Gibt es nichts Wichtigeres?
  • Wenn wir nicht berichten, melden sich Menschen und fragen: Wo bleibt der Aufschrei? Warum empört sich niemand? Warum wird der AfD nicht gespiegelt, dass sie eine Grenze überschreitet? Ist das, was die AfD sagt, schon "normal"?
Ein Beispiel:

AfD-Abgeordnete wollten von der Regierung wissen, ob es mehr Menschen mit Behinderung in Deutschland gibt, insbesondere durch Heirat in der eigenen Familie, und wie viele davon einen Migrationshintergrund haben. Die Anfrage unterstellt einen Zusammenhang zwischen Behinderung, Inzucht und Migration.

Wir haben nicht gleich über die AfD-Anfrage berichtet. Wir wollten nicht mitspielen. Daraufhin schrieb uns eine Gesundheitsökonomin und bedauerte, dass wir den Tabubruch und die Reaktion darauf ignorieren würden. Der Ethikrat, die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe und die Lebenshilfe hatten die AfD-Anfrage kritisiert.

Wir haben eine Woche später über die Anfrage und die Antwort der Regierung geschrieben, als mittlerweile 18 Sozialverbände mit einer Zeitungsanzeige gegen die AfD protestierten.

Hätten wir früher berichten sollen? Müssen wir auf jeden Tabubruch der AfD reagieren, zum Beispiel mit einem Meinungsbeitrag? War es richtig, zu warten und dann über die Reaktion der Sozialverbände zu schreiben?

Es gibt eine Frage, die noch davor steht: 

Warum bekommt eine Partei, die nur 13 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl bekommen hat, so viel Aufmerksamkeit? 

Was ist mit den Ängsten, Sorgen und Nöten von so vielen anderen Menschen in Deutschland? Was ist mit Rente, Digitalisierung, Mietenwahnsinn? Wir diskutieren über diese Fragen in unseren täglichen Konferenzen. Wir kommen dabei immer wieder auf die folgenden fünf Punkte zurück:

  1. Die AfD ist keine normale Partei. Ihre Vertreter rücken die öffentliche Debatte nach Rechts. Ihre Mitglieder wählen und dulden Rechtsradikale in Spitzenämtern. Das können wir nicht ignorieren.
  2. Wir berichten über Tabubrüche der AfD und lassen Kritiker zu Wort kommen. Denn wenn ein Tabubruch unwidersprochen bleibt, fällt das Tabu.
  3. Wir berichten sachlich und genau. Nicht alle AfD-Wähler sind rechtsradikal. Aber die Partei hat sich in den vergangenen Monaten weiter radikalisiert. Damit setzen wir uns inhaltlich auseinander.
  4. Wir wählen aus und schenken nicht jedem wildgewordenen Kreisverband auf Facebook unsere Aufmerksamkeit. Wir unterscheiden künftig noch mehr zwischen Twitter-Eskapaden, Zwischenrufen – den billigen Provokationen – und grundsätzlichen Reden und Papieren.
  5. Wir zeigen Alternativen für Deutschland. Die AfD ist eine kleine Partei mit wenig Wählern. Regelmäßig protestieren viel mehr ganz unterschiedliche Menschen gegen die AfD, engagieren sich gegen rechten Populismus und für ein weltoffenes, freundliches Miteinander. 

Du hast Hinweise, Fragen oder Anregungen für uns? Schreib uns an redaktion@bento.de.


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Pfand-Katastrophe: Lkw-Anhänger mit 4500 leeren Kisten Bier kippt um
Mathe- und Bier-Profis wissen: Da lagen über 8000 Euro Pfand in Scherben.

Mit etwa 100.000 leeren Bierflaschen beladen fährt ein Lkw-Fahrer auf einem 40-Tonner durch die Stadt Wesel in Nordrhein-Westfalen. Als er abbiegen will, passiert es: Der Hänger kippt nach rechts, fällt um, und mit ihm das ganze Leergut. (RP online)

All das geschah auf einer viel befahrenen Straße, die auch vom öffentlichen Nahverkehr genutzt wird. Der nahegelegene Busbahnhof konnte nicht mehr angefahren werden, während sich ein Rückstau bildete, gab es zwei Auffahrunfälle.