Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Die AfD weiß jetzt, mit wem sie den Bundestagswahlkampf bestreiten will: Auf ihrem Parteitag in Köln wählten knapp 68 Prozent der Delegierten den stellvertretenden Parteichef Alexander Gauland und Vorstandsmitglied Alice Weidel zu ihren Spitzenkandidaten (tagesschau.de). 

Wer ist Alexander Gauland?

In Erinnerung ist der AfD-Politiker vielen noch wegen seiner Aussagen im vergangenen Sommer. Damals  hatte Gauland in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" über Nationalspieler Jérôme Boateng gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." 

Anschließend versuchte sich Gauland in so etwas wie einer Entschuldigung: "Ich kenne ihn (Boateng) nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten." Doch das konnte die Debatte dann auch nicht mehr verhindern. (bento)

  • Klar ist, Gauland zählt zu den deutlich Rechtsnationalen in der rechtspopulistischen AfD. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er den Thüringer Parteichef Björn Höcke unterstützt. Höcke hatte sich abfällig über das Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert (bento). Zudem werfen Kritiker ihm vor, keinen klaren Trennungsstrich zur rechtsextremen NPD zu ziehen.
  • Gauland weist hingegen ständig Vorwürfe zurück, in der AfD gebe es rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen. 
Eindrücke von den Gegendemonstrationen am AfD-Parteitag in Köln:
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Wer ist Alice Weidel?

Bislang ist Weidel noch nicht so häufig in Erscheinung getreten wie die anderen Führungspersönlichkeiten der AfD. Sie versucht, sich vor allem als Finanz- und Wirtschaftsexpertin zu verkaufen. Zuletzt äußerte auch sie mehrfach Kritik am Islam und wirft dem Zentralrat der Muslime vor, sich "nie glaubhaft von der Steinzeit-Scharia und religiösem Fundamentalismus distanziert" zu haben. 

Ihre größte Niederlage bislang: Die verlorene Wahl zur Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg. Zu verdanken hat sie die wahrscheinlich Parteichef Jörg Meuthen. Er sprach sich nämlich gegen Weidel aus. 

Wie sieht das Wahlprogramm der AfD aus?
  • Die AfD will eine jährliche Mindestabschiebequote. Familiennachzug soll tabu sein. 
  • Kriminelle Migranten sollen ausgebürgert werden. 
  • Noch unkonkret: Die Partei will Maßnahmen einführen, damit sich die Geburtenrate erhöht.
  • Die AfD fordert den Euro-Ausstieg, bundesweite Volksentscheide, die Rücknahme der Energiewende und die Abschaffung des Rundfunkbeitrags. (SPIEGEL ONLINE)
Was zeigt das Ergebnis?

Dass die Partei nicht geschlossen zusammenhält. 68 Prozent sind kein besonders deutliches Ergebnis für die beiden. Wie zerstritten einige Mitglieder sind, hatte sich schon am Samstag gezeigt: Da wollte nämlich AfD-Chefin Frauke Petry die Partei auf einen "realpolitischen Weg" mit dem Ziel des Mitregierens festlegen – doch dafür fand sie nicht genügend Unterstützer. 


Trip

Wie gut kennst du Frankreich?

Am Sonntag findet in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt – und irgendwie ist diesmal allen klar: Das ist wichtig. Weil es um die Fragen geht, ob bald eine Rechtspopulistin Frankreich führt und wie es mit Europa weitergeht. 

Von den elf Kandidaten haben vier eine echte Chance, in die Stichwahl einzuziehen; in aktuellen Umfragen liegen sie fast gleichauf. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National und der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron in die zweite Runde kommen.