Bild: Felix Huesmann

Die AfD trifft sich dieses Wochenende zum Parteitag in Köln, um sich auf ihren rechtspopulistischen Bundestagswahlkampf einzuschwören. Wir haben mit Gegendemonstranten gesprochen und gefragt, ob Blockaden eine sinnvolle Form des Protests sind.

Samstagmorgen gegen sieben Uhr in Köln-Deutz. Es ist kalt und verregnet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins soll im Maritim-Hotel in wenigen Stunden der Parteitag der Alternative für Deutschland beginnen. Hunderte Demonstranten haben sich hier versammelt, wie auch andernorts in der Stadt.

Die Kölner Polizei hat in den letzten Tagen immer wieder verkündet, dass sie Gewalttaten und Krawalle befürchtet. Bis zu 50.000 Menschen wurden zu den Demonstrationen erwartet — darunter laut Polizei auch gewaltbereite Autonome. Darum ist die Polizei mit 4000 Beamten aus verschiedenen Bundesländern in der Stadt unterwegs.

Eindrücke aus Köln:
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Am Samstag bleibt es zunächst an den meisten Stellen friedlich. Nur an einigen Orten kommt es zu Rangeleien und Auseinandersetzungen von Gegendemonstranten mit der Polizei, die sie vom Blockieren abhalten will. In Deutz rennen gut zwei Dutzend niedersächsische Hundertschafts-Polizisten am Morgen auf eine Blockade zu, schubsen ohne Ankündigung ein paar Demonstranten zu Boden. Kurz später ziehen sie sich genauso schnell wieder zurück.

Abseits der Demonstrationen und Blockaden kommt es vereinzelt auch zu Angriffen auf AfD-Mitglieder: In der Innenstadt greift ein Vermummter einen AfD-Delegierten mit einer Holzlatte an. Dabei wird auch ein Polizist verletzt, der dazwischen geht (Kölner Stadtanzeiger).

Andere AfD-Mitglieder werden vor ihren Hotels von Gegendemonstranten abgefangen, mit Konfetti beworfen und müssen unter Polizeischutz durch die Gegendemonstranten gebracht werden. 

Deren Message ist laut und deutlich: "Wir wollen euch hier nicht!"

Das sagen die Teilnehmer:

Jens, 21, bei der Linksjugend Solid aktiv
(Bild: Felix Huesmann)
"Es ist wichtig, dass man zeigt, dass Protest und Widerstand da ist", sagt Jens. Er steht am Rande einer kleinen Blockade hinter dem Deutzer Bahnhof. Aber nicht jede AfD-Veranstaltung sollte verhindert werden, meint er. 

"Nazi-Demos sollte man auf jeden Fall blockieren und verhindern. Denen sollte man nicht die Möglichkeit geben, ihre rassistische Propaganda zu verbreiten. Bei Veranstaltungen mit der AfD, wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen, kommt es aber glaube ich eher darauf an, sich denen in der Diskussion zu stellen. Man bekämpft die AfD nicht dadurch, dass man sie nur blockiert, sondern vor allem dadurch, dass man zeigt, dass sie ein falsches Programm haben."
Jan, 28, Sprecher des Bündnisses "Solidarität statt Hetze" und der Kampagne "Nationalismus ist keine Alternative"
(Bild: Felix Huesmann)
Beide haben dazu aufgerufen, den Parteitag der AfD mit Blockaden zu verhindern. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass eine völkische, rassistische und antisemitische Partei wie die AfD keinen Zugang zum legitimen politischen Diskurs haben sollte", sagt er. Würde es nach Jan gehen, sollte der Parteitag am besten gar nicht stattfinden. 

Um demokratisch zu sein, gehöre mehr dazu, als an Wahlen teilzunehmen. "Wenn ich mir anhöre, wie Björn Höcke über das Holocaust-Mahnmal als Schande spricht, oder wie Frauke Petry den Nazi-Begriff 'völkisch' wieder zum Teil des politischen Diskurses machen will", sagt er, "dann muss man sich klar machen: Das ist die Partei, die eine Grundstimmung in der Gesellschaft verbreitet, in der Flüchtlingsheime brennen!"
Andy, 34, SPD-Mitglied
(Bild: Felix Huesmann)
Andy nimmt am Samstag nicht an den Blockaden teil. Er steht bei einer der angemeldeten Kundgebungen auf dem Heumarkt, direkt gegenüber des Maritim-Hotels. Andy engagiert sich in dem Bündnis "Aufstehen gegen Rassismus". 

"Die eine richtige Strategie, der AfD entgegenzutreten gibt es glaube ich nicht. Es gibt viele verschiedene Wege, aber sie führen uns hoffentlich zum gemeinsamen Ziel, die AfD unter fünf Prozent zu halten", sagt Andy. Dafür findet er es auch richtig, sich argumentativ mit der AfD auseinanderzusetzen, zum Beispiel bei Podiumsdiskussionen. "Damit wird man sicher keine hartgesottenen AfD-ler überzeugen können, aber vielleicht die vielen anderen."
Julia, 26
(Bild: Felix Huesmann)
Julia nimmt am frühen Nachmittag an einer der großen Demonstrationen gegen den Parteitag teil. Hier demonstrieren, Antifa, Parteien, feministische Gruppen und viele andere gemeinsam. "Die AfD ist rassistisch, frauenfeindlich und LGBTI-feindlich. Darum bin ich heute hier", sagt sie. "Homophobie, Transphobie, Rassismus tötet" steht auf dem Plakat, das sie dabei in die Luft hält. Julia findet die Blockaden in Ordnung. "Gegen eine Partei wie die AfD ist auch ziviler Ungehorsam legitim", sagt sie. Dass die Proteste friedlich bleiben, ist ihr dabei wichtig. 

In Zeiten von Trump und dem Aufstieg des rechten "Front National" in Frankreich sei es besonders wichtig, gegen die AfD zu protestieren. "Hier gehen heute ganz unterschiedliche Menschen, die aber gemeinsame Ziele haben, zusammen auf die Straße. Das finde ich super."
Am Nachmittag hat sich die Situation in Köln weitestgehend beruhigt. 

Die AfD-Delegierten sind alle zu ihrem Parteitag gekommen, wenn auch teilweise mit Verspätung. 

Als die große Demo gegen die AfD mit einigen tausend Menschen durch die Kölner Innenstadt zieht, kommt es vereinzelt zu Randale: Einige schmeißen Steine in die Fensterscheiben einer Commerzbank und einer Mc Donald’s-Filiale. Mit dem eigentlichen Anliegen der Demo haben sie vermutlich nicht sehr viel zu tun.

Wie so oft, wenn es in Köln gegen Neonazis oder Rechtspopulisten geht, sind die Gegenproteste am Ende auch ein Querschnitt der Kölner Stadtgesellschaft: Mit Karnevalsvereinen, Gewerkschaften, Parteien und hunderten Gastwirten, die gemeinsam die Kampagne "Kein Kölsch für Nazis" auf die Beine gestellt haben. 

Sehr wohl fühlen sich die 600 Delegierten der AfD in der Kölner City an diesem Wochenende vermutlich nicht.


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