Spielen wir das mal durch.

Wie wäre es, wenn wir mit ein paar tausend AfD-Gegnern in die Partei eintreten und dort für eine liberale, weltoffene, menschenfreundliche Politik kämpfen?

Wir würden uns in die Führungspositionen wählen und Schluss machen mit Hetze, Hass und Rechtspopulismus. Wir würden die Rechtsradikalen aus der Partei drängen und das Programm umschreiben.

Schon hätte der Schrecken von Rechts ein Ende. Demokratisch sauber abgewählt.

Mehr als tausend Menschen haben am Sonntagabend gegen die AfD protesiert (bento). Lässt sich dieser Frust in eine kreative Gegenbewegung umwandeln?

Völlig neu ist die Idee nicht. 

1998 hatte eine Studentenbewegung von Berlin aus versucht, die FDP zu kapern. Ihre Idee: Die Parteien hören nicht auf uns, also übernehmen wir einfach eine. Die Studenten wollten den Apparat zum Protest gegen überfüllte Hörsäle nutzen und die Vertreter des nationalliberalen FDP-Flügels aus der Partei werfen.

Binnen weniger Tage hatte in Berlin die Projektgruppe "Absolute Mehrheit" Beitrittsanträge von mehr als tausend Kommilitonen gesammelt. Täglich wurden es mehr. Das Ziel: 3000 Gleichgesinnte finden. So wollte man die Berliner FDP, die damals rund 2700 Parteimitglieder hatte, übernehmen.

Die Aktion scheiterte: Die FDP wehrte sich mit bürokratischen Hürden gegen die "Klamaukeintritte", wie Guido Westerwelle sie damals nannte (SPIEGEL ONLINE). Einige Studierende schafften es trotzdem – und blieben. Sie übernahmen zum Teil sogar Führungsrollen in Berliner Bezirken.

Also übernehmen wir die AfD? Wir haben Carsten Koschmieder gefragt, der als Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin arbeitet. Er findet unseren Plan allerdings, nun ja, nicht so gut: 
  • Du kommst hier nicht rein: Die AfD kann einen Antrag auf Abnahme ablehnen – und muss das nicht einmal begründen. Es gibt kein Recht auf Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei. Wer im Internet bisher eher linksliberal aufgefallen ist, könnte es schwer haben.
  • Ein paar hundert Menschen reichen nicht: Die Partei selbst gibt an, 28.000 Mitglieder zu haben. Es bräuchte also mindestens einige Tausend Neumitglieder. Die müssten außerdem über das ganze Bundesgebiet verteilt leben und ihren Wohnsitz haben, sonst ließe sich nur eine Landespartei, nicht aber die gesamte Bundespartei umbauen. 
  • Wartefrist: Eintreten und loslegen ist nicht. Neue Parteiführer könnten diese Neumitglieder frühestens im nächsten Jahr wählen, vorher wären sie nicht stimmberechtigt. Bis dahin hat sich die Partei im Bundestag eingenistet, Mitarbeiter eingestellt und einen Apparat ans Laufen gebracht.
  • Geld: Wer Parteimitglied wird, muss auch Beitrag zahlen. Eine große Gefahr, wenn die Aktion nicht funktioniert: Denn dann hat man die Partei auch noch in ihrer rechtsradikalen Arbeit unterstützt. 
Koschmieder rät deswegen, lieber Mitglied einer demokratischen Partei zu werden. Da könne man deutlich mehr erreichen.


Haha

Kommt hier ein Komma hin?

Eigentlich ist es leicht zu übersehen: ein Punkt, ein Strich, ein schnell getipptes Detail.

Aber ungeachtet seiner Größe kann so ein Komma die Gefühle ziemlich hochkochen lassen: Ein Komma am falschen Ort kann Freundschaften zerstören, Kriege anzetteln, Oberstudienräte in den Herzinfarkt treiben.