Bild: JA Brandenburg
Dazu zeigt sie ein Symbol, das Nazis als Erkennungszeichen diente.

Ein Lieblingsspiel vieler AfD-Mitglieder geht so: Sie tut etwas rassistisches oder überschreiten die Grenzen des guten Geschmacks; dann ruft sie schnell "Scherz!" und sind empört, wenn sie trotzdem ernst genommen werden. 

So könnte es auch diesmal kommen: Die Brandenburger Jugend-Organisation der AfD hat T-Shirts drucken lassen: mit der Aufschrift "Merkel Jagd Club", einem Dackel im Vordergrund und Schusswaffen im Hintergrund.

Die Junge Alternative (JA) hat nach eigener Aussage bisher rund 40 dieser T-Shirts an Unterstützer verteilt. Mit dem Bundesverband sei die Aktion nicht abgesprochen worden.

(Bild: Junge Alternative)

Unter dem Logo stehen die Worte: "Wilde verwegene Jagd". Das ist nach AfD-Angaben eine Anspielung auf das Gedicht "Lützows wilde Jagd" von Theodor Körner. In der letzten Strophe heißt es dort:

"Die wilde Jagd und die deutsche Jagd
auf … [Henkers]blut und Tyrannen.
Drum die Ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt!
Das Land ist ja frei und der Morgen tagt,
Wenn wir’s auch erst sterbend gewannen!
Und von Enkeln zu Enkeln sey’s nachgesagt:
Das war Lützows wilde verwegene Jagd."

Wer war Theodor Körner?

Der deutsche Dichter wird unter anderem von Nationalisten als Patriot verehrt, weil er 1813 mit 22 Jahren im Krieg gegen französische Truppen starb. Die Nazis machten Körners Grabstätte zum Wallfahrtsort, stilisierten ihn zum Kämpfer fürs Vaterland. Joseph Goebbels berief sich auf einen seiner Verse, als er in seiner Rede den "totalen Krieg" ausrief. (Mehr über Körner hier vom Historiker Wolgang Jacobeit)

Seitlich neben dem Logo sind zwei blaue Kornblumen zu sehen.

Diese Blume gilt als deutschnationales Symbol und wurde unter anderem in den 1930ern in Österreich von Nazis als Erkennungszeichen benutzt, als ihre restlichen Symbole verboten worden waren.

Zuvor stand sie für den deutschnationalen und antisemitischen Georg Ritter von Schönerer und seine Anhänger, einer davon war Adolf Hitler. Die Blume wurde also nicht nur von Nazis getragen, aber dafür ist sie heute vor allem bekannt (Kurier).

Die Junge Alternative hat die blaue Kornblume nach eigener Aussage "bewusst gewählt".

Sie sei eine "seit dem 19. Jahrhundert, vor allem im deutschsprachigem Raum, gebräuchliches Freiheits- und Einheitssymbol", sagt Dennis Hohloch, Vorsitzender der JA in Brandenburg zu bento. Daran ändere auch die Instrumentalisierung durch Nazis nichts.

Ebenso verhalte es sich mit dem Gedicht. Auch Mozarts Zauberflöte sei instrumentalisiert worden, trotzdem komme niemand "auf die Idee, dass Stück nicht zu spielen, weil vor 70 Jahren ein autoritäres Regime, dieses für eigene Zwecke genutzt hat."

Die Nazi-Verbindung bei der Blume, beim Dichter – laut AfD alles nur ein Kollateralschaden. Und die Merkel-Jagd? Die Waffen?

Auch das findet man bei der AfD-Jugend nicht problematisch.

Das T-Shirt solle auf ein Zitat von Alexander Gauland anspielen, sagt Hohloch. Nach der Bundestagswahl hatte Gauland angekündigt Angela Merkel "jagen" zu wollen. Schon damals hatten sich einige Kommentatoren empört, selbst Frauke Petry, damals noch AfD-Parteisprecherin, fand die Aussage zu extrem.

Die Junge Alternative verteidigt Gauland explizit, die Jagd sei nicht wörtlich gemeint gewesen.

Trotzdem stellen die AfDler seine Aussage nun ganz bewusst in einen Gewalt-Kontext und drucken zwei Waffen unter den Slogan.

Man wolle so darstellen, wie "übertrieben und konstruiert“ die Diskussion um Gaulands Zitat sei, sagt Hohloch. Natürlich wolle die Junge Alternative niemanden erschießen. "Wir heißen es auch nicht gut, wenn jemand erschossen wird.“

Das Problem: Angestachelt von den Parolen der AfD wurde Merkel schon im Wahlkampf immer wieder als "Volksverräterin" und "Verbrecherin" beschimpft, sie gehöre "in einer Zwangsjacke aus dem Kanzleramt geführt", sagte ein Demonstrant und berief sich auf AfD-Rechtsaußen Björn Höcke.

Das ist der Kontext, in dem die AfD-Jugend nun ihre Jagd-T-Shirts druckt. Der Name des "Jagd-Clubs" und die gezeigte Symbolik sind nur eine von vielen bewussten Provokationen der AfD. So wirbt die Partei um rechtsradikale Wähler.

Politikwissenschaftler Hajo Funke hält vor allem die Junge Alternative in Brandenburg für "noch rechtsradikaler als die brandenburgische Landesfraktion."

Wie schnell rechte Hetze in Gewalt umschlagen kann, zeigen neue Zahlen des Bundeskriminalamtes.

Demnach sind im vergangenen Jahr 183 Politiker allein wegen ihrer Flüchtlingspolitik Opfer einer Straftat geworden, vier der Taten waren Gewaltdelikte (taz). Eines der Opfer war Andreas Hollstein; der Bürgermeister von Altena wurde im November 2017 wegen seiner engagierten Flüchtlingspolitik Opfer einer Messerattacke.

Es sei "ein intensiviertes verbalradikales Vorgehen der rechten Szene zum Nachteil von politischen Führungsfiguren und Amtsträgern festzustellen", heißt es laut der taz in dem internen Lagebericht. Dies könne zu weiteren Gewaltstraftaten führen, in Einzelfällen sei "auch mit Tötungsdelikten zu rechnen".

Und deshalb ist es wichtig, zu verstehen, mit wem man sich auseinandersetzt, wenn es um die AfD geht. Selbst, wenn es nur um ein paar T-Shirts zu gehen scheint.

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