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Der Bundestag wird die Regierung nicht auffordern, einen Text des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel zu missbilligen. Ein entsprechender Antrag der AfD wurde mehrheitlich abgelehnt: 77 Abgeordnete stimmten für den Antrag, 552 dagegen.

Die Debatte verlief emotional, vor allem, weil die AfD mit dem Antrag die Pressefreiheit in Deutschland angegriffen hatte.

AfD-Politiker Gottfried Curio zitierte ausführlich aus zwei alten Texten Yücels. Einer davon war satirisch gemeint (hier mehr dazu). In dem anderen hatte Yücel den SPD-Politiker Thilo Sarrazin beleidigt. Ein Gericht verurteilte die Zeitung zu einer Geldstrafe, Yücel entschuldigte sich für den Text.

Yücel hatte mehr als ein Jahr ohne Anklage in türkischer Gefangenschaft verbracht, vergangene Woche kam er frei. Die türkische Regierung wirft ihm vor, Terrorpropaganda verbreitet zu haben – die Bundesregierung, Aktivisten und Journalisten-Kollegen hatten sich für seine Freilassung eingesetzt. (bento)

Die AfD meint, so viel Aufwand um seine Person wäre nicht nötig gewesen. Sie hält Yücel für einen "Deutschlandhasser".

Politiker aller Parteien gingen die AfD deshalb scharf an. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jan Korte, sprach von einem "Vollcrash der AfD mit der Pressefreiheit und den Grundrechten".

FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte:

"Sie fordern die Bundesregierung dazu auf, Journalisten zu missbilligen." Das sei verfassungswidrig, sagte Kubicki. 

Er fügte hinzu:

Ich wurde in diesem Land geboren, bin hier aufgewachsen, ich möchte nicht in eine Situation kommen, in der ich mich wieder dafür schämen muss, dass politische Entscheidungsträger wieder so reden wie Sie.​
Wolfgang Kubicki

Die emotionalste Rede hielt Cem Özdemir (Grüne):

Wir reden über die Arbeit und den Artikel eines deutschen Journalisten. So etwas kennen wir sonst nur aus autoritären Staaten.
Cem Özdemir

Die Argumentation der AfD verglich Cem Özdemir mit der des türkischen Präsidenten Erdogan.

Die AKP in Deutschland, die hat einen Ableger, er heißt AfD und sitzt hier.
Cem Özdemir

AfD-Chefin Alice Weidel hatte nach Yücels Freilassung gesagt, der Journalist sei weder Deutscher noch Journalist. Özdemir konterte im Bundestag:

"Sie wollen bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht. Wie kann jemand der Deutschland, unsere gemeinsame Heimat, so verachtet, bestimmen, wer Deutscher ist und wer nicht?"

Die AfD verachte alles, wofür dieses Land in aller Welt geachtet und respektiert werde. Er lasse sich seine schwäbische Heimat nicht kaputt machen.

Die AfD-Abgeordneten bezeichnete Özdemir als "Rassisten".

"Unsere Erinnerungskultur, auf die ich stolz bin als Bürger dieses Landes, die Vielfalt, auf die ich stolz bin, dazu gehören Bayern, Schwaben, Menschen aus Russland, mit Vorfahren aus Anatolien."

Und zur Sicherheit empfahl er den AfD-Politikern:

Wenn Sie die Nummer des Ausstiegstelefons für Neo-Nazis brauchen, ich kann sie Ihnen gerne zur Verfügung stellen!
Cem Özdemir zur AfD

Today

Mitbewohner verreisen – die Freunde machen aus dem Zimmer ein Museum

Es gibt Gegenstände, die waren vor Kurzem noch Teil des Alltags und wirken trotzdem, als gehörten sie längst ein Museum: Kassettenrekorder, Telefone mit Wählscheiben und Lavalampen zum Beispiel. 

Was Menschen aus der Zukunft wohl über unsere Gegenstände, über iPhones, Gussbeton-Kerzenständer und Kühlschrankmagneten denken werden? Und was sie in manche Sachen hinein interpretieren werden? Das können wir natürlich nur erraten. Eine WG in den USA hat das Gedankenspiel aber schon mal in die Tat umgesetzt - und das ist verdammt witzig: 

Ellen Huet wohnt mit zehn anderen Mitbewohnern in einer WG in San Francisco.

Als zwei davon vor einigen Wochen in den Urlaub fuhren, kam dem Rest der WG die Idee: