Bild: dpa/Gregor Fischer
"Mut zur Wahrheit" sieht vermutlich anders aus

Wenn es um die harte Haltung zum Islam geht, will sich die AfD von niemandem etwas vormachen lassen. Wenn es um die Forderung nach mehr direkter Demokratie geht, auch nicht. Doch wenn beides zusammenkommt, wird es für die Partei offenbar gelegentlich zu viel. 

So geschehen in Berlin. Gestern Nachmittag wollte der dortige AfD-Landesverband von seinen Anhängern auf Twitter wissen: "Gehört der Islam zu Deutschland?" Natürlich nicht repräsentativ, aber das hatte die Partei ja auch schon davor gewusst.

Innerhalb kürzester Zeit antworteten tausende Menschen auf die Frage – mit Ja.

(Bild: Screenshot Bento)

Offensichtlich nicht das Ergebnis, das die klar islamfeindliche und offen rassistische Partei erwartet hatte. 

Doch die Blamage ging noch weiter: Schon nach kurzer Zeit entdeckt das Satire-Magazin extra3 die Umfrage und leitete sie an seine Fans und Zuschauer weiter: "Liebe Gutmenschen und Zwangsgebührenzahler, habt ihr Lust, bei einer AfD-Umfrage mitzumachen?"

Die Antwort fiel eindeutig aus: Bis zum Abend stimmten fast 40.000 Menschen bei der Umfrage ab. Mehr als 80 Prozent sagten, dass der Islam zu Deutschland gehöre. 

Plötzlich war die Umfrage wieder weg

Kurze Zeit später war die Abstimmung verschwunden. Allerdings mehrere Stunden, bevor sie regulär zu Ende gewesen wäre – "wohl aus Versehen", wie extra3 spottete

Verwundern müsste das allerdings nicht. Geführt wird der AfD-Landesverband Berlin unter anderem von Beatrix von Storch, die bereits ihre Äußerungen zum Schusswaffengebrauch gegen Flüchtlinge damit zu entschuldigen versucht hatte, dass sie "auf der Maus ausgerutscht" sei. (bento)

Aus Sicht der AfD war die Aktion sicherlich nur ein weiterer Beweis, dass sie für ihre Positionen ausgegrenzt und verspottet werde.

Vielleicht ist es aber auch einfach so, wie die Partei selbst in ihrem Wahlprogramm schreibt: 

"Entgegen anderslautender Behauptungen entscheiden Bürger in Schicksalsfragen der Nation weitsichtiger und gemeinwohlorientierter als macht- und interessengeleitete Berufspolitiker."

Gerechtigkeit

Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy festgenommen
Es geht um viel Geld von einem libyschen Diktator.

Die Polizei hat den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 etwa 50 Millionen Euro angenommen zu haben und zwar vom damaligen libyschen Diktaktor Muammar al-Gaddafi. 

Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit April 2013 in diesem Fall. Nun muss Sarkozy sich zum ersten Mal zur Affäre äußern. Festgehalten werden kann der Ex-Präsident bis zu 48 Stunden. Neben Sarkozy wird auch sein Vertrauter und ehemaliger Innenminister Brice Hortefeux verhört.