Bild: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Worum es in dem Streit geht

Auch AfD-Politiker haben ein Recht auf Privatsphäre. Das muss vielleicht gesagt werden, bevor man über einen Politiker schreibt, der durch geleakte Nachrichten aus einem intimen Chat öffentlich bloßgestellt wurde. Doch die Reaktion, die André Poggenburg darauf zeigte, ist bemerkenswert. Denn sie verrät viel über das Klima, das derzeit in der AfD herrscht.

Was ist passiert?

Auf der Internetplattform "indymedia", die vor allem von linken Gruppen genutzt wird, erschien vor wenigen Tagen eine Sammlung von Nachrichten, die Poggenburg in einem Chat ausgetauscht hatte. Darin geht es um erotische Vorlieben. Auch Fotos wurden verschickt. 

Der Höcke-Vertraute und ehemalige AfD-Landeschef in Sachsen-Anhalt sagt selbst, die Inhalte seien "pikant". Inzwischen sind sie von der Seite verschwunden. (Volksstimme)

In einer Chatgruppe des Landesverbandes Sachsen-Anhalt hat Poggenburg seinen Ärger darüber verbreitet. Der "Volksstimme" liegen diese Chats vor. Gleichzeitig beschuldigte er Mitglieder seiner eigenen Partei, für die Veröffentlichung der Chatprotokolle verantwortlich zu sein.

Wer hat die Nachrichten veröffentlicht?

Poggenburg geht offenbar davon aus, dass die Chats von Mitgliedern seiner eigene Partei nach außen getragen wurden. "Ich gehe davon aus, dass parteiinterne Gegner mein Image beschädigen wollen", so der AfD-Politiker. "Dabei nehmen sie die Beschädigung der Partei mit in Kauf." (Volksstimme)

Belege für diese These nannte er bislang keine.

Offensichtlich stört Poggenburg auch, dass die Chatverläufe auf einer Seite erschienen, die vor allem von linken Gruppen genutzt wird. In einer Whatsapp-Nachricht an seinen Landesverband beschwerte er sich, "dass hier Leute innerhalb unserer Partei mit dem linken Mob und Feind paktieren und diesem die Screenshots erstellt und zugespielt haben!!!"

Anschließend schrieb er:

„Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Fraktion überhaupt sein kann und traue eine solche niederträchtige Tat nur äußerst wenigen meiner Gegner zu“
André Poggenburg, Ex-Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt

In der AfD Sachsen-Anhalt tobt seit langem ein Machtkampf. André Poggenburg war im März als Partei- und Fraktionschef zurückgetreten, nachdem er Türken als "Kameltreiber" und "Kümmelhändler" bezeichnet hatte. Laut "Volkstimme" trug er später dazu bei, drei AfD-Politiker aus dem Landesvorstand zu drängen, die er für seinen eigenen Sturz verantwortlich gemacht habe.

Was für einen Inhalt haben sie?

Zum Inhalt der Chats sagt Poggenburg selbst: "Bis Ende 2016, da war ich noch eingefleischter Single, hatte ich mich mit der Frau einige Male getroffen. Ab 2017 war ich in einer festen Partnerschaft. Da habe ich mit der Frau nur schriftlich Kontakt gehabt und geflachst. Ein privates Treffen fand nicht mehr statt." 

Was für Konsequenzen hat der Vorfall?

André Poggenburg hat bereits angekündigt, Strafanzeige gegen Unbekannt stellen zu wollen. Die Veröffentlichung der intimen Chats habe auch Folgen für sein Privatleben gehabt. Teilweise fanden die Gespräche statt, als Poggenburg bereits in einer anderen Beziehung war. Seine jetzige Partnerin habe mittlerweile auch von den Unterhaltungen erfahren. 

"Sie fand den Chatverlauf nicht lustig, was ich auch verstehe", sagte Poggenburg. "Wir haben uns jetzt eine Denkpause verordnet. Wie das ausgeht, ist derzeit offen."


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