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94 Kandidaten, 35 Rechtsradikale: Unsere Recherche über die AfD-Kandidaten zur Bundestagswahl

Wir haben uns 94 Kandidaten der AfD angesehen. Wir wollten wissen: Wen wählt die Partei auf die vorderen Listenplätze zur Bundestagswahl? Und: Wer von ihnen hat gute Aussichten, künftig als Abgeordneter im Bundestag zu sitzen?

Gefunden haben wir 35 Rechtsradikale. 

Kommt die AfD auf 10 Prozent, könnten 28 von ihnen im Bundestag sitzen. (Welche Partei wie viele Plätze im Bundestag bekommt, lässt sich zum Beispiel auf mandatsrechner.de ausrechnen.) Mehr als jeder Dritte AfD-Abgeordnete wäre dann rechtsradikal.

Die großen Pfeile markieren Kandidaten, die sich rechtsradikal und/oder verfassungsfeindlich geäußert haben – oder sich nicht klar von rechter Hetze distanzieren. Mit Klick auf den Pfeil kannst du mehr erfahren.

Viele AfD-Anänger sind rechts, mehr noch als CDU oder CSU. Sie lehnen die Ehe für alle ab, knüpfen Kontakte zur FPÖ und wollen die Einwanderung rigoros steuern. Sie sprechen von "Buntland" und "Lügenpresse".

Die Grenze von rechts zu rechtsradikal wird überschritten:
  • Wenn AfD-Politiker von einer "Umvolkung" sprechen, von einem angeblich international gesteuerten "Austausch" der deutschen Bevölkerung. Wenn sie von "Mischvölkern" sprechen, die abzulehnen sind.
  • Wenn Angela Merkel nicht nur weg soll, sondern als "Volksverräterin" ins Gefängnis.
  • Wenn unter dem Deckmantel der "Islamkritik" eine ganze Religion angegriffen wird und Grundrechte künftig nicht für Muslime gelten sollen.
  • Wenn "endlich" Schluss sein soll mit dem "Schuldkult", der Erinnerung an die Gräueltaten von Nazis und Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
  • Wenn AfD-Anhänger mit Ideologen der Neuen Rechten auftreten, dem völkisch-nationalen Flügel der Partei angehören oder zusammen mit Pegida und Identitären marschieren.
Die AfD duldet 35 solche Rechtsradikale nicht bloß. Die AfD-Mitglieder haben sie auf vordere und aussichtsreiche Listenplätze gewählt.

Damit möglichst wenige Rechtsradikale in den Bundestag kommen, müssen anderen Parteien mit Chancen auf über 5 Prozent möglichst viele Stimmen bekommen. Eine hohe Wahlbeteiligung kann hier helfen.

Alle Ergebnisse unserer Recherche:


Gerechtigkeit

Taff-Moderator kritisiert erst die AfD, entschuldigt sich – und legt doch wieder nach

Die AfD bekommt von den Medien viel Gegenwind: Fast täglich gibt es vor der Bundestagswahl neue Enthüllungen oder Einblicke in das rechte Gedankengut der Partei. Auch bento hat sich in einer aufwendigen Recherche die möglichen neuen Abgeordneten angesehen – und untersucht, wie rechtsradikal sie denken.

In Meinungsstücken geben viele Journalisten auch Wahlempfehlungen für oder gegen eine Partei ab. Wo es hingegen unüblich ist: in der Moderation von Unterhaltungssendungen.

Im ProSieben-Magazin "taff" war nun genau das passiert. Im Anschluss an einen Bericht über Jungwähler rief der Moderator Thore Schölermann dazu auf, wählen zu gehen, "aber nicht die AfD".