Bild: EPA/Katia Christodoulou

Nach einer mehrstündigen Geiselnahme hat ein ägyptischer Entführer aufgegeben: Die letzten Passagiere eines von ihm entführten Flugzeuges wurden am Dienstagmittag freigelassen. Der Geiselnehmer verließ die Maschine mit erhobenen Händen, berichtete das zyprische Staatsfernsehen. (SPIEGEL ONLINE)

Am frühen Morgen hatte der Ägypter eine Maschine von EgyptAir in seine Gewalt gebracht und in Zypern zur Landung gezwungen. Das meldet das zyprische Staatsfernsehen, EgyptAir bestätigte die Entführung. An Bord des Flugzeuges sollen nach Angaben der Flughafenbehörde 55 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder gewesen sein. Die meisten hatte der Geiselnehmer bereits kurz nach der Landung freigelassen.

Was wissen wir über die Entführung?

Über den Entführer gibt es verschiedene Meldungen: Laut ägyptischen Medien soll es sich um einen 27-jährigen Tierarzt handeln, der die Maschine wegen einer verschmähten Liebe entführte. Eine andere Version berichtet die zyprische Zeitung "Phileleftheros": Der Mann sei 59 Jahre alt und habe bis 1994 auf Zypern gelebt und fünf Kinder mit seiner Ex-Frau. (Phileleftheros, griechisch) Der zyprische Staatssender RIK berichtete, der Mann wolle Asyl in Europa erhalten. Dies stünde in einem Brief, den er aus dem Fenster der Maschine warf und den die Polizei übersetzen ließ.

Zyprischen Medien zufolge war die Passagiermaschine auf dem Weg von der ägyptischen Hafenstadt Alexandria zur Hauptstadt Kairo, als sie entführt wurde; sie landete um 08.46 Uhr Ortszeit (07.46 Uhr MESZ) auf dem Flughafen der zyprischen Hafenstadt Larnaka. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurde der Flughafen Larnaka geschlossen, alle Flüge nach Zypern würden zum Flughafen von Paphos im Westen der Insel umgeleitet. (SPIEGEL ONLINE)

Wie geht Ägypten mit der Meldung um?

Ägypter sind bekannt für ihren schwarzen Humor. Dabei gibt es wenig zu lachen: Das Land lebt in einer Militärdiktatur, eine politische Opposition und freie Meinungsäußerung gibt es kaum. Vor rund anderthalb Jahren setzte sich eine Zelle der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel fest.

In Kairo, aber auch in Touristenorten wie Luxor und Hurghada kam es seither vermehrt zu Anschlägen. Im vergangenen Oktober stürzte über dem Sinai eine russische Passagiermaschine ab – 224 Menschen starben. Westliche Behörden gingen von einem Anschlag aus, der IS bekannte sich zur Tat. Ägyptische Behörden leugneten den Angriff. (bento)

Trotzdem – oder gerade wegen der Alltäglichkeit von Gewalt – haben viele Ägypter Memes über die "Liebes-Entführung" gestartet: