Die EU ist alt geworden. Vor genau 60 Jahren, am 25. März 1957, schlossen sich sechs Länder zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zusammen, mit viel Elan und Hoffnung für die Zukunft, den Krieg noch als düsteren Schatten im Nacken.

Heute hat die EU 28 Mitgliedsstaaten, doch von Elan war lange Zeit nicht mehr viel zu spüren. Noch im vergangenen Jahr war fast die Hälfte der EU-Bürger von der gemeinsamen Vertretung nicht überzeugt (Bundesregierung). Einige der Gründe: Besserverdienende profitieren von den Schengen-Verträgen, machen Erasmus-Semester und ziehen für den Job für eine Weile in die Nachbarländer. Geringverdiener dagegen fühlen sich oft von der internationalen Konkurrenz bedroht und sehen ihre soziale Absicherung schwinden (SPIEGEL ONLINE). Es wird über Milchpreise diskutiert, über Transparenz und Bürokratiewahnsinn. Und all das zu Recht.

Doch seit einigen Monaten steigt die EU-Euphorie – und auf einmal gehen sogar Menschen für Europa auf die Straße. Die Gegenbewegung zu Brexit und Nationalismus hat viele Namen: Am heutigen Jahrestag der EU laufen in Berlin und etlichen anderen europäischen Städten Tausende Menschen den "March for Europe", seit Wochen zieht jeden Sonntag der "Pulse of Europe" durch europäische Städte. Die Bewegungen bekommen noch immer Zulauf. Und auch das zu Recht.

Warum es sich lohnt, für ein gemeinsames Europa zu demonstrieren.
Wegen Rechtspopulisten wie denen hier:
Ungarns Premierminister Viktor Orbán, AfD-Vorsitzende Frauke Petry, die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen und der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders (v.l.)(Bild: Imago / bento-Montage)

Oft sind leider genau diese Stimmen die lautesten – ob in Internet-Kommentaren oder in Form von Rechtsaußen-Politikern aus Thüringen (bento). Denn einfache Lösungen hinauszuschreien ist einfacher, als komplexe Diskussionen zu führen.

Es gibt genug Menschen in Europa, die alte und neue Grenzen ziehen wollen und lieber über das sprechen, was uns angeblich trennt, anstatt über das, was uns vereint.

Es wird Zeit, ihnen zu zeigen, dass sie nicht in der Mehrheit sind.

Zusammen, statt getrennt

Ja, jedes Land hat eigene Probleme und Herausforderungen. Aber es gibt immer mehr Themen, die uns alle betreffen. Die Umweltverschmutzung hält sich nicht an nationale Grenzen. Und einzelne Länder werden die aktuelle Flüchtlingskrise nicht alleine lösen können. Zusammenarbeiten ist keine Option, sondern ein Muss.

Auf der Ebene der Bürger funktioniert das schon mal sehr gut: Inzwischen machen mehr als 60 Städte jeden Sonntag bei "Pulse of Europe" mit. Hier findet ihr die Daten der Demos.

Und so wird heute beim "March for Europe" protestiert:

In Berlin sollen laut Veranstalter etwa 4000 Menschen dabei gewesen sein.
Trotz und gerade wegen Brexit: In London sind die Straßen heute voll.
Und im ebenfalls vom Brexit betroffenen Schottland - hier der Marsch in Edinburgh:
Auch Rom ist dabei - schließlich wurden hier vor 60 Jahren die ersten Verträge zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft unterzeichnet.
So sieht es in Warschau aus:
Und so in Brüssel:
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Politik mit Freude, statt mit Angst

Bei den "Pulse of Europe"-Demos werden nicht nur mit grimmiger Miene Parolen gerufen. Es wird getanzt, es werden Quizfragen beantwortet und jeder darf mal reden (Berliner Zeitung). Die Message: Es wird schon genug Angst geschürt – lasst uns Politik mit Freude machen!

Nur wenn wir mitreden, können wir was ändern.

Wer immer nur zuhause am Küchentisch meckert, kann – bis auf den eigenen Blutdruck – überhaupt nichts anschieben. Und wer jetzt denkt: "Zu einer Demo gehen, bringt ja auch nichts", der sollte sich ein Beispiel an diesem Zehnjährigen nehmen, der sich am vergangenen Sonntag in Berlin als einer der Jedermann-Redner das Mikro geschnappt hat:

Danach sagt der Fünftklässer: "Wir in Europa sollten uns gegenseitig helfen. Italien und Griechenland zum Beispiel sind ja jetzt auch nicht so die allerreichsten Länder und trotzdem kommen alle Flüchtlinge bei ihnen an. Stellt euch vor, ihr lebt mit fünf Familien zusammen in einem Haus und ihr wohnt unten, und bei euch kommen die ganzen Geflüchteten von der Straße rein, aber die Leute oben wollen damit nichts zu tun haben."

Sein Fazit:

Europa ist noch nicht perfekt. Es ist gut, aber es muss noch besser werden.​

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Eine Frau wählte Trump - jetzt wird ihr Ehemann abgeschoben

Der Mexikaner Roberto Beristain kam vor 19 Jahren illegal in die USA. Im November stimmte seine Ehefrau Helen für Donald Trump. Nun sitzt ihr Mann in Abschiebehaft.

Helen Beristain ist eine überzeugte Unterstützerin von Donald Trumps Einwanderungspolitik. "Wir wollen keine Kartelle hier, keine Drogen in den Highschools, keine Killer nebenan", sagt Beristain. "Man will sich sicher fühlen, wenn man das Haus verlässt. Daran glaube ich fest. Und deshalb habe ich für Mr. Trump gestimmt."