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Alle Jahre wieder – was steckt dahinter?

Hypegeist

Wie haben sich die Neunziger zurück in unsere Kleiderschränke gemogelt? Und warum tragen gerade alle ihr Handy am Halsband? In dieser Reihe gehen wir der Frage nach, wie es manche Trends geschafft haben, sich durchzusetzen – und was sie über unsere Gesellschaft aussagen.

Heute: Weihnachtspullover

Was ist es?

Die Rentier-Variante von Opas Strickjacke; die wenig subtile Art, Menschen daran zu erinnern, dass es bald wieder um Geschenke, Fressorgien und Familienzoff geht: Der Weihnachtspulli feiert jedes Jahr um die ersten Adventstage herum sein Comeback. 

Für jeden Festtagsenthusiasten findet sich ein passendes Modell: Klassisch aus Wolle mit Weihnachtsmannmotiv, neongrell aus schwitzig-müffelndem Synthetikstoff oder Hightech mit integriertem Blinklicht.

Wo sieht man ihn?

Auf Weihnachtsfeiern, wenn die Kollegen nach sechs Tassen Glühwein mit dem Kunstschneepulver um sich werfen. Bei Familienfesten, wenn sich der Onkel mit dem am Bauch in merkwürdige Formen gedehnten Strickmuster ein Rentiergeweih aufsetzt, während er "O du Fröhliche" anstimmt. Auf jedem Feed von Influencerinnen und Influencern, die im Secondhandladen einen ganz besonderen Fund gemacht haben. 

Wer kauft ihn?

Die fleißigen Weihnachtselfen, die schon Anfang Dezember alle Geschenke beisammen haben – und dies auch allen erzählen. Für die Dominosteine und Lebkuchen nicht früh genug im Regal stehen können und "Last Christmas" zu den Top-Tracks auf Spotify gehört.

Auch diejenigen, die für ihren Lebkuchen-Latte einen extra Weihnachtsbecher und für die Weihnachtsdeko eine eigene Ecke im Keller haben. Die den Tannenbaum erst im März entsorgen, wenn das trockene Ding nur noch eine horrende Feuergefahr ist. Die ihre Lichterketten das ganze Jahr über hängen lassen. Und die sogar ihrem Hund einen eigenen Pulli stricken – am besten im Partnerlook.

Und letztlich diejenigen, deren Pulli einen weihnachtlichen Insider-Joke für Star-Wars-Fans, Serien-Junkies oder Musikenthusiasten darstellt. In diesem Fall wird das Strickteil natürlich ironisch getragen. Ist klar.

Warum kommt der Trend alle Jahre wieder?

"In unserer schnellebigen Zeit besteht der nostalgische Wunsch, zu entschleunigen", sagt Anita Krizanovic, 38. Sie ist selbstständige Stylistin aus Berlin und kümmert sich um Künstler wie Culcha Cundela oder Frida Gold. "Der Pulli trägt dazu bei und stimmt die Menschen auf die Weihnachtszeit ein." Daher kehre der Trend auch zuverlässig jedes Jahr wieder.

Dabei gelte: Je hässlicher, desto besser. Der Trend des "ugly christmas sweater" kommt aus den USA und schneite vor einigen Jahren auch in die deutschen Verkaufsregale. Seitdem steht dem "American way of life" in keiner Jahreszeit mehr etwas im Weg.

"Der Weihnachtspullover kann vor allem im Büro ein Statement sein, dass man sich selber nicht zu ernst nimmt und Spaß hat", sagt Anita.

Was muss man beim Tragen beachten?

Es wird nicht empfohlen, ihn in der Nähe von Weihnachtsmuffeln oder Menschen, die gerne im Mittelpunkt stehen, zu tragen. 

Stylistisch sei es wichtig, ihn neutral zu kombinieren oder ihn locker in eine Jeans zu stecken. Auch der XXL-Pullover in Kombi mit einer Strumpfhose sei beliebt, sagt Anita. 

Ihr Profi-Tipp: den Pulli einfach selber machen. Das sei nachhaltiger und individueller. Einfach einen alten Wollpulli nehmen und ein paar Weihnachtskugeln oder Lametta annähen. Nach Weihnachten lässt sich der festliche Schmuck wieder abtrennen und der Pullover ganz normal weitertragen.

Bleibt der Trend oder geht er?

"Weihnachtspullover werden ein Trend bleiben", sagt Anita. Ihr einziger Dämpfer besteht also in der saisonalen Beschränktheit auf wenige Wochen im Jahr. Modelle mit Aufdrucken wie "Ho-Ho-Hol mir ein Bier" könnten vom findigen Strickpulliträger allerdings auch unauffällig auf dem nächsten Oktoberfest eingesetzt werden.


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