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Wer an Weihnachten nach Hause fährt, muss oft eine Menge Geschenke schleppen. Dumm nur, wenn die dann keine Überraschung mehr sind. Und die Beschenkten schon genau wissen, was sie unterm Weihnachtsbaum erwartet. Doch wer Facebook und Amazon nutzt, kann genau das erleben. Dann läuft in der Timeline plötzlich Werbung für genau jene Produkte, die man zuvor bei Amazon gesucht hatte – nicht nur in der eigenen, sondern oft eben auch bei Freunden und Familienmitgliedern, wenn sie den gleichen PC benutzen.

Doch wie ist das möglich?

So verraten Facebook und Amazon unsere Weihnachtswünsche

Ingo Dachwitz ist Verbraucherschutz-Experte bei Netzpolitik.org – und kennt solche Geschichten ebenfalls. Wenn Freunde und Familie über Amazon-Werbung bei Facebook erfahren, wonach wir suchen, sieht er allerdings nicht nur den Weihnachtsfrieden in Gefahr. Denn die Unternehmen tauschen nicht nur Geschenkideen, sondern auch reihenweise persönliche Daten miteinander aus.

Doch wie kann die Schwester in der hunderte Kilometer entfernten Kleinstadt erfahren, wonach man in Hamburg gesucht hat? Vielleicht weil die Schwestern angegeben haben, dass sie verwandt sind?

Dachwitz glaubt aber nicht, dass diese Information überhaupt notwendig war. Seine Erklärung ist viel simpler: Weil viele von uns selten die Datenschutz-Einstellungen beachten, werden Daten oft jahrelang auf alten Rechnern gespeichert und nie gelöscht.

Nutzen wir die gespeicherten Accounts an anderen Orten wieder, können Werbe-Anbieter (dazu zählt auch Facebook) die Informationen miteinander abgleichen und angepasste Werbung ausspielen. Selbst dann, wenn wir den alten Familienrechner seit Monaten oder Jahren nicht mehr genutzt haben. Und tatsächlich auch, wenn andere Personen sich am gleichen Gerät einloggen. Wie bei der Schwester.

Der Verbraucherschützer nennt drei Wege, wie Facebook erfahren könne, was uns bei Amazon interessiert:
  1. Amazon hat für Produktempfehlungen oder den schnellen Login eine extra Facebook-Funktion. Wer diese nutzt, kann seinen Freunden zeigen, was er gerade gekauft hat – und sorgt so selbst mit dafür, dass die beiden Unternehmen Daten austauschen können.
  2. Mithilfe von Cookies merkt sich Amazon beispielsweise das Passwort seiner Nutzer – und welche Produkte sie anschauen oder kaufen. Diese Informationen werden für gezielte Werbeanzeigen auf Facebook und anderen Seiten genutzt.
  3. Auch über den sogenannten Browser-Fingerprint lassen sich Besucher sehr genau identifizieren. Sogar dann, wenn Cookies deaktiviert sind. Dafür werden zahlreiche verfügbare Informationen verbunden, bis ein einzigartiges Muster entsteht: Zum Beispiel das Betriebssystem, die IP-Adresse oder die Zeitzone. Diese Methode ist besonders schwer zu kontrollieren.

Vor allem der Browser-Fingerprint ist besonders raffiniert, sagt Dachwitz:

“Das sind so viele Einstellungsmöglichkeiten, dass sich sehr eindeutige Profile erstellen lassen. Und die einzelnen Informationen lassen sich kaum schützen, weil sie nun einmal zu jedem Gerät dazugehören. Werbenetzwerke setzen das deshalb gerne ein, um Nutzer wiederzuerkennen und gezielt Werbung auszuspielen.”

Inzwischen beschäftigt diese Masche sogar die EU – in Zukunft könnte sie, möglicherweise, nur noch nach ausdrücklicher Erlaubnis möglich sein. (Netzpolitik.org)

Doch was lässt sich dagegen tun?

So lassen sich Weihnachtseinkäufe im Internet besser geheimhalten:
In den Browser-Einstellungen "Do not track" aktivieren
Damit werden Internetseiten aufgefordert, den Nutzer nicht zu verfolgen. Seriöse und gute Seiten akzeptieren diesen Wunsch.
Anti-Tracking-Tools installieren
So lässt sich das Nachspionieren auch stoppen, wenn Onlineshops es nicht wollen. Tipp: Der "Privacy Badger" wurde von der unabhängigen Organisation EFF entwickelt.
Cookies beim Schließen des Browsers automatisch löschen lassen.
Diese Funktion lässt sich bei allen bekannten Browsern in den Einstellung aktivieren.
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Mit diesen Tricks sinkt das Risiko deutlich, dass die Weihnachtsüberraschungen schon vor den Festtagen bekannt sind. Auch wenn die technischen Details oft schwierig klingen: Am Ende ist Datenschutz oft auch nicht viel anders als shoppen gehen – genau hinschauen, den Preis abwägen und mit ein bisschen Aufwand etwas Gutes finden. Es lohnt sich. Frohe Weihnachten!

Du suchst noch nach Geschenken? Wir hätten da vielleicht was für dich:


Fühlen

Selbstbefriedigung oder Sex mit fünf Leuten – was ist besser, Domian?
Entweder – oder?

Es ist das Ende einer Ära, das kann man ganz ohne Übertreibung sagen: Jürgen Domian hört nach 21 Jahren auf, seine Sendung läuft in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember zum letzten Mal.

In den vergangen Jahren hat er mehr als 20.000 Gespräche mit Menschen geführt, die ein Problem hatten – oder einfach nur jemanden zum Reden brauchten. Bis zu 60.000 Menschen schalteten ein, um Domian und den Anrufern zuzuhören. Immer war der Moderator da – Nacht für Nacht.

Dabei hat er auch viel von seiner Persönlichkeit preisgegeben: Immer wieder erzählte er Geschichten aus seinem Leben, berichtete authentisch von seiner Meinung.