Bild: dpa
Die Frau mit dem Blumenkranz wird vom Massenkonsum kaputt gemacht.

Frida Kahlo ist der Che Guevara des Feminismus: Die Frau mit dem Blumenkranz schmückt T-Shirts, Jutebeutel und Notizbücher.

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Wer was von Gleichberechtigung hält, findet Frida toll. Und wer nicht, findet sie schön. Denn Frida taugt einfach zur Ikone. Die Blumen, die Haare, der Blick!

 

Doch dabei geht eine entscheidende Sache verloren: Alles, wofür Frida Kahlo steht.

Bis heute ist die mexikanische Künstlerin eine der bedeutendsten Malerinnen Lateinamerikas. Sie wurde 1907 geboren und starb 1954. Ihr Leben bot Stoff für mehrere Hollywoodstreifen, eine Episode war aber besonders prägend: Mit gerade einmal 18 Jahren wurde sie bei einem Busunfall von einer Stahlstange regelrecht durchbohrt. Ans Bett gefesselt begann sie zu malen.

Nichts beschreibt ihre Werke dabei besser, als ihr Spruch: 

Bild: Imago
Weiße Anführungszeichen
Ich bin meine eigene Muse.
Frida Kahlo

Denn Frida war eine Selfie-Queen – ständig portraitierte sie sich selbst. Aber anders als Kim Kardashian, Kylie Jenner und Co. steckte hinter ihren Bildern eine politische Message - bis heute wird sie als "Ikone des Feminismus" gefeiert.

Frida hat sich nie an gesellschaftliche Regeln gehalten: Als Kind wollte sie sich in keine Schublade stecken lassen, machte Sachen, die "eigentlich nur Jungs machen." Als Erwachsene zeigte sie sich bei Familienportraits als Sohn, nicht als Tochter der Familie.

Auch für traditionelle Schönheitsideale hatte Frida nicht viel übrig. Sie machte sich die zusammengewachsenen Augenbrauen und ihre Gesichtsbehaarung zum Markenzeichen. In ihren Selbstportraits malte sie sich mit Flaum und Monobraue. Sie selbst sagte dazu einmal: “Die Schönheit und die Hässlichkeit sind ein Trugbild, da die anderen am Ende immer in unser Inneres schauen.”

Sie sah sich als "Tochter der Revolution", wollte die Welt mit ihren anti-kapitalistischen Visionen verändern.

"Abertausende Menschen leiden an Hunger oder haben kein Dach über den Kopf, während diese reichen Menschen feiern", regt sie sich zum Beispiel in einem Brief an eine Freundin auf. Sie war Sozialistin, hat für die Gleichberechtigung und Akzeptanz aller gekämpft und wollte die Welt von Ausbeutung jeglicher Art befreien: 

Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass wir nur durch den Kommunismus zu echten Menschen werden können
Frida Kahlo

Und genau das machte sie aus: In der Künstlerin steckte eine Revolutionärin, eine Rebellin, eine Feministin. Doch bei der massentauglichen Vermarktung ist von ihren Botschaften nicht viel übrig geblieben.

 

Frida Kahlo wird ständig "verschönert".  

Erst kürzlich musste eine Frida-Barbie-Puppe vom Markt genommen werden. Ja, richtig gelesen: Der Spielzeughersteller Mattel hat aus der mexikanischen, kommunistischen Künstlerin eine Barbie gemacht – eine Puppe, die bis heute Inbegriff eines verzerrten Schönheitsideals und absoluter Konsumfreude ist. Und, welch Überraschung: Barbie-Frida hatte dann auch nicht wirklich viel mit dem Original zu tun. 

(Bild: dpa)

Fridas Familie ging das zu weit. Ihre Großnichte Mara Romeo hatte die Hersteller verklagt: "Es hätte eine viel mexikanischere Puppe sein müssen, mit dunklerer Haut, zusammengewachsenen Augenbrauen, nicht so dünn." Das Gericht gab Romeo recht. Zumindest in Mexiko musste die Puppe vom Markt genommen werden. Andere Länder sollen folgen. (Spiegel Online)

Und auch Snapchat hat sich an Frida bereichert - mit einem Face-Filter zum Weltfrauentag. Personen, die den Filter benutzten, bekamen plötzlich hellere, ebenmäßigere Haut. Keine Spur von Gesichtsbehaarung (Guardian). 

Von all den Jutebeuteln, Kissenbezügen, bedruckten Tassen und Shirts, auf denen Frida wie das Abziehbild einer kolonialen "die schöne Wilde"-Fantasie mal ganz zu Schweigen.

Dabei war Fridas Botschaft doch genau das Gegenteil von stromlinienförmigen Schönheitsidealen und Massenkonsum. 

Nagellack mit Frida als Logo, Frida-Shirts, die in feinster Fast Fashion irgendwo in Asien zusammengenäht werden und hier innerhalb kürzester Zeit vom Schrank in den Müll wandern - nichts davon respektiert diese Künstlerin oder ihre Überzeugungen.

Wer wirklich was auf Frida hält, sollte es wie sie machen: Auf Schönheitsideale und Stereotype pfeifen und die Künstlerin mit all ihren Eigenheiten wahrzunehmen, statt nur darauf zu achten, wie sie am besten in unseren Kleiderschrank und unsere Schubladen passt.


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