Loux zeigt auf Instagram, wie Vintage-Mode aus Afrika aussieht

Die Menschen in Namibias Hauptstadt Windhoek drehen sich auf der Straße um. Denn so wie Lourens Gebhardt, 34, sich kleidet, läuft hier niemand rum: Dreiteiliger Anzug, Hemd mit Manschettenknöpfen, polierte Schuhe, fancy Einstecktuch. Alles vintage, jeden Tag.

Fast jeder hier kennt "Loux the Vintage Guru", wie er sich in seinem Blog und auf Instagram nennt. Dort hat er mit seinen stylischen Fashion-Fotos mehr als 14.000 Follower. Vor ein paar Wochen wurde er bei den "Abryanz Style & Fashion Awards" als Stylist des Jahres 2016 in der Region südliches Afrika nominiert, Preisverleihung ist Anfang Dezember. Eigentlich arbeitet Loux als Wirtschaftsprüfer, doch jede freie Minute widmet er seinen Outfits.

So sieht der Style von "Loux the Vintage Guru" aus:

Und noch ein paar Selfies von oben.
1/12
Fünf Gründe, warum wir ihm sofort auf Instagram folgen sollte:
1. Er zeigt afrikanische Mode weit weg von Klischees

Loux beweist, dass afrikanischer Style viel mehr als die traditionellen bunten Waxprints sein kann. Für seine durchdachten Outfits vereint er zeitlose Schnitte mit einem minimalen Hauch Ethno-Schick. Er selbst beschreibt seinen Stil als "sophisticated punk" –klassischer Style gepaart mit Vintage-Elementen. Wenn er sich durch die Flohmärkte in Namibia wühlt, sucht er vor allem Kleidung aus den Siebziger- und Achtzigerjahren.

Er ist bei weitem nicht der Einzige in Afrika, der seine Klamotten bewusst gebraucht kauft und nicht in die angesagten Fashionläden geht. Die Ausstellung "The Dandy Lion Project" zeigt unzählige Fotos, wie Millennials sich auf dem ganzen Kontinent als "Dandys" kleiden. Im Frühjahr erscheint das Buch zur Ausstellung. Bilder von Loux sind natürlich auch dabei.

Mehr Vintage-Style gibt es beim African Streetstyle Festival in London:

2. Jeder Anzug ist eine Hommage an Eltern und Großeltern

"Fashion begleitet mich mein ganzes Leben", sagt Loux. Schon als 10-Jähriger trug er seine ersten Anzüge. Die waren ihm reichlich groß, aber gaben ihm ein Gefühl für Mode und gutsitzende Kleidung.

Loux’ Style-Vorbild: sein Vater

Auch heute inspirieren ihn vor allem sein Vater und Großvater. Sie zeigten ihm, wie man mit wenig Geld gut angezogen ist. Als Kind hatte er die Aufgabe, die Schuhe seines Vaters zu polieren. "Das war gutes Training für mich", sagt er. Ein Satz seiner Vaters begleitet ihn besonders: "Wenn du erst mal smart aussiehst, werden Leute auch Respekt vor dir haben."

3. Seine Outfits sind günstig und individuell

Mittlerweile hat Loux die Schränke seines Vaters und Opas leergeräumt. Ihre alten Anzüge kombiniert er mit bunten Einstecktüchern, gehäkelten Schlipsen und wild gemusterten Fliegen.

Die meisten seiner Schätze findet Loux jedoch auf Flohmärkten in Windhoek. Für drei Vintage-Anzüge zahlt er dort umgerechnet knapp 90 Euro. Anders als heutige Klamotten sind viele Stoffe aus den Siebzigern und Achtzigern auch von besserer Qualität, was sie haltbarer macht.

Ein weiterer Pluspunkt: Jedes Vintage-Outfit ist einzigartig. "Du wirst nie auf einer Party in die Situation kommen, dass jemand das gleiche Outfit trägt wie du", sagt Loux. Wer möchte das schon?

4. Er führt die Tradition der "Sapeurs congolais" weiter

Für Loux sind die jungen, smart angezogenen Männer eine Inspirationsquelle. Seit Jahrzehnten kleiden sich in den beiden zentralafrikanischen Schwesterstaaten Demokratischen Republik Kongo und Republik Kongo die "Sapeurs" schick und classy. Auch sie tragen nur feinste Anzüge und farblich abgestimmte Accessoires. Doch bei ihnen muss der Anzug auch von der richtigen Marke kommen, ein Outfit kann schnell teuer werden.

Der Sapeur-Stil ist in beiden Ländern in den Sechzigerjahren so richtig bekannt geworden, da hatten sich die beiden Kolonien gerade von Belgien und Frankreich befreit. Zehn Jahre später verordneten die Politiker der Demokratischen Republik Kongo "Authentizität" als Modestil – westliche Klamotten zu tragen war verboten. Die "Sapeurs" setzten mit ihren Anzügen, den Einstecktüchern und polierten Schuhen ein Statement und rebellierten gegen dieses von der Politik auferlegte Modediktat.

Auch für Loux sind die Anzüge weit mehr als nur eine Mode.

Mode, inspiriert von den "Sapeurs congolais":

1/12
5. Sein Style ist ein Statement für Unabhängigkeit

Für Loux ist seine Mode eine Hommage. Er sagt: "Sie erinnert an die legendäre Ära meiner Vorfahren." Seine Großeltern und Eltern zogen Selbstbewusstsein und gegenseitigen Respekt aus ihrer makellosen Mode. Sie lebten in einer Zeit, in der Rassentrennung im südlichen Afrika und auch in Namibia normal war. "Wir sollten diesen Teil der Geschichte nicht vergessen", sagt Loux.

Ihr wollt euch so kleiden wie Loux? Diese fünf Tipps gibt der "Vintage Guru" für einen gelungenen Stil:
Wenn du dir unsicher bei einem Kauf bist, lass das Teil erst mal im Laden. Schlaf eine Nacht drüber. Wenn du immer noch an das Ding denkst – kauf es.
Schau auf Flohmärkten, direkt nachdem sie aufgemacht haben, oder bei Second-Hand-Läden nach Klamotten – das schont das Budget.
Kauf nichts, von dem du schon weißt, dass du es nicht gut behandeln wirst.
Es gibt nichts besseres, als seinem eigenen Stil treu zu bleiben, wenn man ihn einmal gefunden hat. Fashion-Victims sind nie schick.
1/12

Gerechtigkeit

Ein Berliner ist genervt von rassistischen Fragen – und druckt sie auf sein T-Shirt

Woher kommst du? Nein, nein, woher kommst du wirklich? Diese Frage muss sich der Berliner Isaiah Lopaz laut der "New York Times" dauernd anhören. Einfach, weil er schwarz ist.