Oder tatsächlich radikal transparent?

Die Etiketten in deinem Kleid sind normalerweise so aufschlussreich wie ein Tinder-Profil – du erfährst ein bisschen was, aber auch nicht zu viel. Aus welchem Stoff ist es gemacht, in welchem Land wurde es zusammengenäht? Die wichtigste Information: die Größe.

Wer ein ordentlich gefaltetes Kleidungsstück im Geschäft anfasst, weiß nichts darüber, ob es Notausgänge in der Fabrik gibt, in der die Näher und Näherinnen arbeiten. Ob sie genügend verdienen, um die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Ob die Baumwolle genverändert ist, oder wie das Schaf gelebt hat, dessen Wolle dich warm hält.

Die Anonymität schützt die Modefirmen davor, Verantwortung zu übernehmen. Weil sie Subunternehmer beauftragen, wissen selbst sie oft nicht bis ins kleinste Detail, wer an ihren Produkten beteiligt ist. Die globale Lieferkette verhilft Unternehmen zu riesigen Gewinnen, verschafft Millionen Menschen Jobs (oft nicht einmal existenzsichernde Jobs) und wir Käuferinnen und Käufer bleiben ratlos zurück – kaufen aber trotzdem immer mehr, mehr, mehr.

Wie sieht eine nachhaltigere, verantwortungsvollere Modeindustrie aus?

Modelabels wie Everlane, Honest By oder Hund Hund wollen es besser machen – sie versprechen radikale Transparenz. Jan 'n June aus Hamburg verraten ihren Kundinnen, wie die Näherin hieß, auf welchem Breiten- und Längengrad der Stoff gewebt wurde und aus welchem Land die Wolle dafür kommt. Ähnlich arbeitet die amerikanische Bekleidungsmarke Everlane, hier können Käufer sich über jede einzelne Fabrik informieren. Das Label Honest By des belgischen Designers Bruno Pieters legt die gesamte Entstehung offen – bis hin zur Herkunft der Sicherheitsnadel, mit der das Etikett befestigt ist.

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Posted by Hund Hund on Thursday, February 7, 2019

Doch die Transparenz hat ihre Grenzen: "Am liebsten hätten wir einen QR-Code am Kleidungsstück, mit dem jeder Käufer sieht, wie das Schaf auf der Wiese gelebt hat", sagt Rohan Hoole, Gründer von Hund Hund, im Interview mit bento. Aber noch ist das zu teuer und für das junge Berliner Label mit fünf Mitarbeitern nicht umsetzbar.

Die beiden Gründer Hoole und Isabel Kücke lernten sich in Mumbai kennen. Kücke hatte nach ihrem Studium an der Universität der Künste in Berlin eine Werkstatt für Handstickereien in Indien gegründet. Hoole verantwortete die Produktion von Videos für Vogue & GQ India. Die Näherinnen und Näher waren für das Paar mehr als nur Angestellte in Isabels Werkstatt, erzählt Rohan. Er erinnert sich an den Mitarbeiter, der jahrelang für seine Hochzeit gespart hatte und sein Lächeln, als es endlich soweit war. Eigentlich lebte er in einem Dorf im Norden Indiens, nach Mumbai kam er nur für die Arbeit. "Dieses Bild brennt sich ein: Wie hart die Menschen arbeiten, um ihre Familien mit Geld für Kleidung, Schulausbildung, Arztbesuche oder eben eine Hochzeit zu versorgen", sagt Hoole.

(Bild: Hund Hund)

2016 kamen die beiden zurück nach Berlin und gründeten das neue Label. Sie setzten sich mehrere Ziele: eine Produktion in Europa, um Emissionen zu reduzieren und faire Arbeitspraktiken zu gewährleitsen, langlebige Materialien, minimale Ästhetik, die Trends überlebt – und eben die Transparenz. Neben jedem Kleidungsstück im Online-Shop steht, wie teuer der Stoff ist, das Nähen, die Maschinen, die Steuern, das Foto-Shooting und das Marketing waren, wie der Stoff-Lieferant arbeitet (zum Beispiel mit Resten von Luxuslabels) und in welchem Land das Kleidungsstück zusammengenäht wurde. 

Steckt dahinter ein Modell für die ganze Mode-Industrie? Was bringen uns Käuferinnen und Käufern die Transparenz? Führt die Offenheit wirklich zu einem Umdenken? 

Kathrin Krause ist Referentin für Nachhaltigkeit beim Bundesverband der Verbraucherzentrale hält die Transparenz-Methode vor allem für eine Marketing-Idee: "Das Thema nachhaltige Mode wird gerade sehr gehypted und baut sich zu einem eigenen Business-Zweig aus. Hund Hund nutzt das für sich", sagt Krause. 

Die Aussagekraft der Informationen sei sehr gering, dazu fehle es an Referenzgrößen. Sind 8,75 Euro für einen Meter Stoff ein fairer Preis? "Wenn man 5000 Meter Stoff kauft, ist das im Verhältnis nun mal günstiger als nur 5 Meter zu kaufen", sagt Krause. Die wirklich elementaren – nachhaltigkeitsrelevanten – Fragen würden bei Hund Hund und Co nicht beantwortet: Wurde der Baumwollpflückerin ein existenzsichernder Lohn gezahlt? Wie stand es um den Arbeitsschutz bei der Arbeit mit gefährlichen Chemikalien?

Und auch eine Produktion in Europa sei noch lange kein Indikator für bessere Arbeitsbedingungen. Insbesondere Fabriken in Rumänien und Bulgarien, die Hauptproduktionsländer, hätten ebenfalls Probleme mit geringen Löhnen, unbezahlten Überstunden, sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und fehlenden Gewerkschaften wie in Asien. 

Die beste Lösung seien unabhänige Zertifizierungen und Siegel, die Nachhaltigkeitsstandards unabhängig überprüfen, meint Krause.

Die Fair Wear Foundation (FWF) nimmt sich vor, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu verbessern. Unternehmen, die Mitglied bei der gemeinnützigen Stiftung werden, verpflichten sich, bestimmte Standards zu erfüllen oder die Erfüllung voranzutreiben – darunter feste Arbeitsverträge, keine Ausbeutung durch Kinderarbeit, Gewerkschaftsfreiheit, keine Diskriminerung, existenzsichernde Bezahlung und faire Arbeitszeitregelungen.  

In elf Produktionsländern arbeiten lokale Mitarbeiter unter anderem an Überprüfungen und Trainings in den Fabriken. Auf www.fairwear.org gibt es die jährlichen Prüfberichte der Mitgliedsunternehmen. Gleichzeitig können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Fabriken auch Beschwerden über Arbeitsbedingungen einreichen, die auf der Homepage veröffentlicht werden. Vera Köppen ist die deutsche Repräsentantin der FWF und sieht Labels, die mehr Transparenz wagen, positiv – auch wenn nicht jeder Kostenpunkt in der offenen Kalkulation oder die Fabrikliste eines Labels dem Käufer gleich etwas sagen. Transparenz helfe, Käufer zu sensibilisieren und zu zeigen, was in der Lieferkette passiert und dass unter anderem auch teure Kleidung nicht automatisch gleiche bessere Arbeitsbedingungen bedeute.

Die Transparenz ist nicht das Ziel an sich, aber sie hilft, die eigentlichen Ziele voranzutreiben.
Vera Köppen, FWF

Die FWF hat versucht, die Kosten für ein einzelnes mit Fairtrade-Baumwolle hergestelltes T-Shirt zu berechnen, das für 29 Euro im Handel verkauft wird.

Die "Zeit" (du findest eine Grafik auf Seite 40) hat die Angaben mit weiteren von Faitrade Deutschland, Utopia und eigenen Berechnungen zusammengeführt und kommt im Schnitt zu diesen Beträgen:

  • 20 Cent Lohn für Näherinnen und Nähern, 
  • 30 Cent Kosten für die Produktion, 
  • 1,20 Euro Gewinn für den Fabrikant, 
  • 2,20 Euro für den Transport, 
  • 1,20 Euro Provision für den Vermittler zwischen Markenunternehmen und dem Hersteller, 3,60 verdient das Markenunternehmen 
  • und 17 Euro für den Einzelhändler.

Was bei dem aber wirklich an Gewinn von einem 29-Euro-Shirt übrig bleibt, hat wiederum der Handelsverband berechnet:

Doch auch Siegel wie "Cotton Made in Africa", "Fairtrade Cotton" oder GOTS (Global Organic Textile Standard) oder Zertifizierungen des TÜV Rheinlands haben Schwächen. Sie alle setzen einen unterschiedlichen Fokus – entweder geht es um die ökolische Dimension oder faire Arbeitsbedingungen. 

Kathrin Krause vom Verbraucherschutz bemängelt vor allem die fehlende Gesetzesgrundlage. 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein, Hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter starben – aber weder Modeunternehmen nochZertifizierer seien dafür haftbar gemacht worden. Auch die Schmerzensgeld-Klage gegen den Discounter Kik, der dort produzieren ließ, wies das zuständige Landgericht ab.

Das soll sich nun ändern.

Das Bundesentwicklungsministerium von Gerd Müller (CSU) hat den Entwurf eines Wertschöpfungskettengesetzes erarbeitet. Deutsche Unternehmen ab 250 Beschäftigten und mehr als 40 Millionen Euro Jahresumsatz müssten dann in Zukunft darauf achten, Sicherheitsbestimmungen und Arbeitnehmerrechte bei Zulieferern einzuhalten. Laut Textentwurf sollen die Firmen interne Risiko-Analysen durchführen und Mängel ausräumen (taz). Jedes Unternehmen bräuchte dann einen "Compliance-Beauftragten".

Von einer einheitlichen Kennzeichnung auf der Kleidung ist der Handel trotz des möglichen Gesetzes trotzdem noch weit entfernt. Wie schwierig das ist, zeigt sich ja schon bei Lebensmitteln. Insofern bleibt Käuferinnen und Käufern, die sich für die Entstehung ihres Kleidungsstücks interessieren, derzeit gar nichts anderes übrig, als auf transparente Labels zu setzen.



Haha

Wie weit würdest du beim Bachelor kommen?
Spoiler: "2. Semester" ist keine Option

Am Mittwoch geht "Der Bachelor" in die vorletzte Runde und ganz Deutschland fiebert gespannt mit, wer beim Real-Life-Tinder von RTL wohl eine Rose bekommt. Vanessa, Eva oder Jennifer – welche der verbliebenen Kandidatinnen wird wohl das Herz von Andrej Mangold erobern können? 

Wer das TV-Format konsequent mitverfolgt und trotzdem noch alle Gehirnzellen beisammen hat, wird sich fragen, was da manchmal eigentlich so abgeht. Von der ersten Nacht der Rosen und Momenten des Fremdschämens über intellektuelle Handtuch-Debatten bis hin zu sehr bizarren Homedates

Wie würdest du dich als Kandidatin beim "Bachelor" verhalten? 

Könntest du eine Rose nach der anderen und schließlich sogar das Herz des Bachelors gewinnen? Denn klar: Nichts ist im Leben wichtiger, als einen RTL-gecasteten Schönling zu erobern! 

Jede richtige Antwort bringt dich Andrejs Herz ein Stückchen näher: