Sie war die Königin des Strick

Der selbstbewusste Pariser-Chic war ihr Markenzeichnen, ihre Shows seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Pariser Fashion Week: Die französische Modeschöpferin Sonia Rykiel starb am Donnerstag im Alter von 86 Jahren.

Die Branche verliert damit eine Ikone, eine Rebellin, die die Modewelt mehr als ein halbes Jahrhundert lang prägte. Rykiel wurde in den Sechzigerjahren durch ihre bequemen Strickkleider bekannt, seit den Siebzigern arbeitete sie an ihrem eigenem Modeimperium. Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Audrey Hepburn – sie alle liebten Rykiels unkonventionelle Entwürfe. Bis zuletzt blieb Rykiel relevant, ihre Kollektion trugen Models wie Gigi Hadid und Kendall Jenner. Gerade noch hatte sie mit Lancôme zusammengearbeitet.

Auch sie selbst war eine Erscheinung. Die flammendrote Mähne, der gerade Pony, und immer schwarzer Kajal. Ihre Mode sollte Ausdruck einer gewissen Haltung sein, ihrer Persönlichkeit.

Hier sind sechs Dinge, die wir von der Stilikone gelernt haben.
1. Mode darf bequem sein.
(Bild: gettyimages.de / Pascal Le Segretain)

Als Rykiel 1962 mit ihrem Sohn schwanger war, stellte sie fest, dass ihr nichts mehr passte. Aus pragmatischen Gründen entschied sie sich, selbst Kleidung zu entwerfen. Die Strickkleider – weich und elastisch und trotzdem figurbetont – sollten später ihr Markenzeichen werden.

(Bild: gettyimages.de / Pascal Le Segretain )

Sonia Rykiel entwarf Kleidung, die Frauen auch wirklich tragen können. Stücke, die durch akkuraten Schnitt und stilvolle Muster ein Outfit ergeben, mit dem man angezogen, aber dennoch nicht verkleidet aussieht. Das kam an: Nach kurzer Zeit war sie damit so erfolgreich, dass sie Kleider für eine Pariser Boutique herstellte. Sechs Jahre später gründete sie ihre eigene Firma namens "Sonia Rykiel".

2. Manchmal reicht ein Stück.

Rykiel war großer Fan von Zwei- und Einteilern: Jumpsuits, Overalls und maskuline Kostüme. Manchmal reicht eben ein Stück, um sich angezogen zu fühlen. Die Modedesignerin verzichtete auf unnötigen Firlefanz und konzentrierte sich auf Qualität. Ein Outfit – ein Statement.

3. Guter Schnitt ist alles.

Was ein gutes Kleidungsstück ausmacht? Der richtige Schnitt und die richtige Passform. Mit ein wenig Übung kann man das leicht erkennen: Ein Blick auf Schultern, Taille und Silhouette verrät, ob man an der falschen Stelle gespart hat.

Denn egal, welche Figur man hat: Wenn die Klamotte nicht richtig sitzt, fühlt man sich nicht richtig wohl (und sieht meist auch so aus).

4. Nieder mit Modeverboten!

Nähte nach außen, Jogginganzüge aus Baumwollvelours, Socken in Sandalen – das, was deutsche Italientouristen im Urlaub trugen, machte Rykiel salonfähig. Sie hielt nichts von Verboten und wir lernen: Wie so oft kommt es auf die Auswahl individueller Teile an.

5. Streifen sind ein Klassiker, der nie aus der Mode kommt.

Wer an einer nachhaltigen Garderobe interessiert ist, sollte das eine oder andere Teil mit Streifen im Schrank haben. Rykiel setzte persönlich gerne auf die klassische Kombination von Schwarz und Weiß, in den Achtzigern entwickelte sie dann ihr Prachtstück: den bunten Ringelstreifen-Pullover. Er war in Variationen immer Teil ihrer Entwürfe, egal ob als Kleid oder als Blazer. Und er ist auch heute immer noch tragbar.

6. Ausgefallene Muster.
(Bild: gettyimages.de / Pascal Le Segretain)

Für ihre Kundinnen entwarf Rykiel auch gerne ausgefallene Muster auf hochwertigen Stoffen. Mut zum Besonderen ist hier genauso gefragt wie bei dieser Mirror-Hose aus der Winter-Kollektion 2015/16:

Statt auf schnelllebige Trends und Prints, setzte die Designerin auf bequemes Design mit Persönlichkeit, das über Jahrzehnte getragen werden kann. Danke, Sonia!

In der Fotostrecke: Die schönsten Outfits von Sonia Rykiel
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Französisches Gericht stoppt Burkini-Verbot

Bilder von Polizisten, die verschleierte Frauen am Strand kontrollieren und Bußgeld verhängen: Diese Bilder gab es in den vergangenen Tagen. Jetzt hat das höchste französische Verwaltungsgericht das in einigen Orten eingeführte Burkini-Verbot vorerst gestoppt. (Süddeutsche)

Die Entscheidung des Staatsrates bezieht sich zunächst zwar nur auf die Stadt Villeneuve-Loubet. Das Gericht hat damit aber einen Präzedenzfall für weitere Klagen an anderen Orten geschaffen. In rund 30 Städten war ein Verbot eingeführt worden.