Bild: Phoebe Heess
Oder?

Es ist radikal und doch elegant. Es ist Protest, kann sich aber auch anpassen: Schwarz. Keine Farbe, sondern die Abwesenheit von Licht.

Schwarz ist düster, wenn wir an Trauerkleidung denken. Es kann geheimnisvoll sein. Es wird zur Uniform für Subkulturen, für Intellektuellen-Szenen, für stilvolle Pariserinnen. In Schwarz gekleidet verschwindet man oder sticht zwischen all den bunten Outfits hervor.

(Bild: Phoebe Heess)

Aber Schwarz war Phoebe Heess noch nicht schwarz genug.

Für ihr gleichnamiges Label hat die Designerin eine noch dunklere Farbe entwickeln lassen. Vorbild war eine westafrikanische Schlange, die Gabunviper. Forscher der Universitäten Kiel und Bonn haben herausgefunden, dass die nicht einfach nur schwarze Schuppen hat, sondern winzige Strukturen, damit noch mehr Licht geschluckt wird.

Durch Crowdfunding wurde das erste T-Shirt in ultraschwarzem Viperblack entwickelt. Es soll bis zu 50 Prozent mehr Licht absorbieren als herkömmliche Kleidung. So dunkel, dass man sich beim Anblick fast in der Nichtfarbe verliert.

Wir haben mit Phoebe Heess über ihre Faszination für dunkle Töne gesprochen.

Phoebe, was fasziniert dich so an Schwarz?

Schwarz ist immer ein Statement. Es transportiert eine Aussage. Die kann introvertiert und verletzlich, aber auch extrovertiert und selbstbewusst sein. Stark ist das Statement aber immer – und Technologie gibt uns die Möglichkeit, diese Effekte noch zu akzentuieren.

(Bild: Phoebe Heess)

Deine Kollektionen sind sowieso schon dunkel. Warum muss es noch schwärzer sein?

Vorbild Gabunviper(Bild: Phoebe Heess)

Das ist eigentlich eine ganz grundlegende kreative Herangehensweise an ein Thema. Man kann zum Beispiel kombinieren, dekonstruieren oder übertreiben. Und als wir von Vantablack, einem ultraschwarzen Material aus der Raumfahrt, hörten, kam der Gedanke auf, ob das denn nicht auch bei Kleidung möglich sei.

Soziale Netzwerke werden immer wichtiger, wenn es um das Entstehen von Trends geht. Siehst du dich vor dem Designen online um?

Definitiv. Ich glaube, Trends werden in Zukunft hauptsächlich aus digitalen Nischen geboren. Für Viperblack war ein Wednesday Addams-Meme schlussendlich der Auslöser.

Sind deine Zielgruppe Goths oder konzentrierst du dich eher auf die schwarz gekleidete Mode- und Kunst-Szene?

Wir haben während des Crowdfundings viele unterschiedliche Menschen kennengelernt. Aber ob aus der HipHop-, Metal-, Galeriebesitzer-, oder Techno-Ecke: Leute, die Schwarz tragen, sind zwar unterschiedlich, haben aber auch ein paar Sachen gemeinsam. Sie legen Wert auf Individualität und nutzen schwarze Kleidung, um ihre Andersartigkeit zu betonen.

(Bild: Phoebe Heess)

Dazu braucht man Kraft und das ist mir grundsätzlich sehr sympathisch, egal in welcher stilistischen Ausprägung. Das ist auch der Grund, warum meine Designs recht stark sind und ich Materialien wie Karbon und Kevlar benutze. Auch, wenn ein Goth vielleicht lieber schwarze Spitze hätte, fühle ich mich ihm oder ihr doch näher als jemandem, der den Schrank voller Neonklamotten hat.

Muss Mode heute gleichzeitig Hightech sein?

Früher gab es drei Komponenten mit denen man arbeiten konnte: Schnitt, Material und Farbe. Jetzt kommt aber als vierte Komponente noch die Technologie dazu. Ich verzichte also auf Farben, um mich so auf die wahre Kunst, die Schnittführung, zu konzentrieren.

Hast du Vorbilder?

Nach meiner Zeit in Japan ganz klar Yamamoto. Außerdem Pierre Soulages, ein französischer Künstler, der ausschließlich monochromatisch in Schwarz malt und das Licht durch unterschiedliche Oberflächen in verschiedene Farbspektren bricht.

Mehr Infos