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Die Großmutter ist Oscargewinnerin, die Cousine Model, die Mutter Autorin: Phoebe Dahl kommt aus einer Familie starker, erfolgreicher Frauen.

Als Phoebe Dahl 13 Jahre alt war, bekam sie von ihrer Mutter Stubenarrest. Die Zeit wurde ihr lang, ohne Handy, ohne Computer, am Ende wandte sich Dahl einer Nähmaschine zu. Sie fabrizierte einen Tellerrock aus Elastan, den sie ihr in der Schule in Los Angeles fast vom Leib rissen. Also nähte Dahl weiter, für Dutzende Mädchen, einen Rock pro Woche. Sie habe ständig ein kleines Buch mit Stoffmustern dabeigehabt, damit sich die Mädchen ihre Designs aussuchen konnten. "Ich war ein richtiger Dealer", sagt Dahl.

Phoebe Dahl, 27, schmale Gestalt, mal elfenblaue, mal platinblonde Haare, stammt aus einer der bekanntesten Künstler-Familien Großbritanniens. Sie ist die Enkelin von Schriftsteller Roald Dahl, der mit Büchern wie "Charlie und die Schokoladenfabrik" berühmt wurde, und Oscarpreisträgerin Patricia Neal. Ihre Cousine Sophie modelte jahrelang Übergrößen, ihre Mutter Lucy arbeitet als Autorin. "Ich bin mit vielen starken und inspirierenden Frauen groß geworden", sagt Dahl. "Sie waren eine riesige Motivation für mich."

Dahl lebt in Los Angeles, mit einem Hausschwein, mehreren Hunden und Katzen und einer weiteren starken Frau: Moderatorin und Schauspielerin Ruby Rose. Die beiden posten Bilder aus Sydney, London und Indien, von Flohmärkten, Foto-Shoots, von der Gartenarbeit. Magazine feiern Dahl und Rose als lässigstes Paar der Welt (Buzzfeed).

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Ein Teil dieser Lässigkeit findet sich in Dahls Label Faircloth & Supply wieder, mit dem sie in diesem Jahr bekannt wurde. Zarte Leinen-Overalls, weite T-Shirts mit Knopfleisten, asymmetrische Kleider - es ist keine Mode für Püppchen, es ist bequem, viele Teile sind unisex, es ist ein bisschen LA und ein bisschen Leichtigkeit des Seins. "Ein vernünftiges T-Shirt kommt nie aus der Mode und gehört zur Grundausstattung jedes Kleiderschranks", sagt Dahl. Und: "Meine Klamotten sollen befreiend sein." Frei von Zwang und vor allem: befreiend für benachteiligte Mädchen.

Meine Klamotten sollen befreiend sein

Für jedes verkaufte Teil spendet ihr Label zwei Schuluniformen, Unterrichtsmaterial und ein Jahres-Stipendium an nepalesische Mädchen. Die Schulbildung sieht Dahl als Schlüssel, um den Mädchen in ärmlichen Regionen eine Zukunft zu geben. "Nur wer gibt, kann mehr bekommen, als er bereits hat." Man könnte Dahls Lebenseinstellung als leicht esoterisch abtun, würde sie sich nicht so vehement für ihr Projekt einsetzen, hätte sie ihr Label nicht um diese Idee der Befähigung aufgebaut.

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Eine Reise nach Südostasien vor mehreren Jahren habe ihr Leben verändert, sagt Dahl, die damals noch in Amsterdam als Design-Assistentin arbeitete. Es war ihr erstes Mal in Indien - und war überwältigt. Zurück zu Hause fing sie sofort an zu nähen, zu entwerfen, ein bisschen so wie damals, als sie mit der Nähmaschine eingesperrt war. "Langsam formten sich in der Zeit die Designs für Faircloth."

2013 ging sie zurück nach LA, um sich ganz um ihr Label zu kümmern. Durch Zufall sah sie die Dokumentation "Girl Rising", die von neun Mädchen aus Entwicklungsländern erzählt, die durch Bildung der Armut entkamen. "Ich wusste sofort, dass dies ein Teil meiner Marke werden sollte, meine Berufung."

Mehr als 2000 Mädchen konnten durch Dahl seither in Nepal die Schule besuchen. Das T-Shirt, das sie für die Opfer des Erdbebens entworfen hat, ist ausverkauft. Den Rummel um sich und ihre Verlobte Rose will sie nutzen, um weiter auf die Ungerechtigkeiten und Missstände aufmerksam zu machen, unter denen Frauen und Mädchen in vielen Teilen der Welt leiden.

Bei ihrer letzten Reise nach Nepal habe sie lange mit den Müttern gesprochen, deren Töchter nun zur Schule gehen. "Mit jeder Reise nach Nepal werde ich entschlossener und verstehe mehr, wie wichtig Bildung im Leben dieser Mädchen ist", sagt Dahl. Sie hoffe, dass die Mädchen eines Tages ihre eigenen Töchter ermutigen, zur Schule zu gehen. Dass sie die nächste Generation Frauen stark machen.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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