Nicht allen gefällt das

Morena Diaz ist 24 und Grundschullehrerin im schweizerischen Kanton Aargau. Doch nicht nur in der Schule, auch in ihrer Freizeit bringt sie Menschen etwas bei: Wie man seinen eigenen Körper mögen kann – trotz der unerreichbaren Vorbilder in Werbung und Fernsehen. 

Um ihren Kampf gegen den Schlankheitswahn zu unterstreichen präsentiert sie sich auf Instagram: 60.000 Menschen folgen ihren Beiträgen. Anstatt eine Bauchrolle durch unbequeme Körperhaltungen oder Photoshop zu kaschieren, zeigt sie sich, wie sie ist. Ein angenehmer Kontrast in der Welt der inszenierten Hochglanzbilder und bearbeiteten Influencer-Astralkörper. 

Doch nicht jeder findet das gut: Vor Kurzem störte sich eine Präsidentin des Aargauer Lehrerverbandes an ihren freizügigen Fotos. Als Lehrerin sei es schwierig, den jungen Kindern so eine Offenheit vorzuleben – weil Kinder dies nachahmen würden. (heute.at)

bento sprach mit Morena darüber, wie man den eigenen Körper mögen kann – und, ob sie die positive Botschaft eigentlich nur zum Geldverdienen nutzt. 

Morena, was bedeutet Body Positivity für dich?

Body Positivity ist nicht nur ein positives Körperbild und Körpergefühl, sondern eine Bewegung, die sich für Vielfalt, Toleranz und Repräsentation der Vielfalt einsetzt. Vielfalt wiederum beinhaltet alle Menschen: so auch schwarze, dicke, behaarte Menschen, Menschen mit Behinderung, transsexuelle und homosexuelle Menschen. 
So zeigt sich Morena auf Instagram: 
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Sind deine Posts ein politischer Akt? 

Früher hätte ich noch "Nein" gesagt. Aber es geht immer mehr in diese Richtung – eben weil sich diese Bewegung für diskriminierte Personen stark macht und das die gesamte Gesellschaft betrifft.
Der Körper ist nur eine Hülle, was drin ist, ist viel wichtiger.
Morena Diaz

Du postest etwas andere Vorher-Nachher-Bilder. Auf den neueren Bildern bist du nicht mehr so dünn wie vorher – wirkst aber glücklicher. Kannst du uns erklären, wie du dich damals gefühlt hast – und wie du dich heute fühlst?

Ich war mein Leben lang unzufrieden mit meinem Körper. Schon als Kind störten mich meine fülligeren Arme und Beine. Ich wurde auch ständig gehänselt aufgrund meiner Figur. Deswegen wollte ich irgendwann abnehmen, habe es jedoch nie für mich gemacht und das war der Fehler.

Ich hatte das Gefühl, für unsere Gesellschaft nie dünn genug zu sein, und war deshalb immer unglücklich, selbst als ich viel weniger wog als heute. Heute weiß ich, dass ich gut bin, so wie ich bin, egal mit wie vielen Kilos, und versuche nicht mehr, einem Schönheitsideal nachzurennen. 

Kennst du Fälle aus deinem Umfeld, in denen andere Frauen durch ihr negatives Selbstbild Probleme hatten?

Leider viel zu viele. Das Traurige ist, dass es bereits bei kleinen Kindern beginnt. Wenn ein siebenjähriges Kind aus Angst zuzunehmen nur kontrolliert und eingeschränkt isst, dann sagt das viel über unsere Gesellschaft aus. Es betrifft nicht nur Jugendliche sondern Frauen und Männer jeden Alters, und eben auch auch Kinder. 

Sprichst du mit deinen Schülern über das Thema? Bloggst du auch für sie?

Meine Schüler sind noch zu klein, um das intensiv zu thematisieren. Ich möchte nicht Probleme schaffen, wo keine sind. Was mir aber wichtig ist, ist ihnen diesbezüglich ein Vorbild zu sein und wenn mal ein Spruch fallen sollte, positiv auf diesen einzugehen. Außerdem gehe ich zu 99% komplett ungeschminkt zur Arbeit, da die Kinder heutzutage mit viel zu wenigen natürlichen Vorbildern konfrontiert werden. 
Ein Körper ist einfach ein Körper und für das Aussehen kann man meistens nicht viel dafür.
Morena

Wie schafft man es denn, seinen Körper gut zu finden? Nicht jedem fällt das auf Anhieb leicht. Was kann ich tun?

Es ist tatsächlich alles andere als einfach, vor allem, wenn man seinen Körper nie wirklich toll gefunden hat. Man muss auch nicht jede einzelne Ecke des Körpers lieben. Aber als Anfang vielleicht einfach an der Einstellung arbeiten, dass jeder Körper einzigartig ist und sich für niemanden auf dieser Welt ändern muss. Ein Körper ist einfach ein Körper und für das Aussehen kann man meistens nicht viel dafür.

Klar kann man ihn verändern, aber dann muss man sich fragen, wieso Schönheit so einen hohen Stellenwert hat und ob man es tatsächlich für sich macht oder doch für andere. Man muss sich immer wieder selbst sagen, dass man gut ist, wie man ist und sich deshalb auch nicht mit anderen zu vergleichen hat. 

Du bist eine attraktive und schlanke Frau, viele würden sich sicher wünschen, wie du auszusehen. Warum ist es okay, dass sich auch Frauen wie du ganz bewusst mit ihrem Körper für Body Positivity einsetzen? 

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und nur, weil du oder jemand anders mich als attraktiv sieht, heißt es nicht, dass andere das auch so sehen. Ich wurde vor laufender Kamera im Schweizer Fernsehen als eher unattraktiv eingestuft und werde immer wieder unter meinen Bildern als "dick" und "hässlich" bezeichnet.

Es kommt nicht unbedingt drauf an, wie man aussieht, sondern was man vermitteln möchte. Dass eine dicke Person einen größeren positiven Einfluss auf dicke Menschen haben kann als ich, ist verständlich. Weil sie sich eher mit ihr identifizieren können als ich. Aber wie gesagt: Es kommt stark drauf an, was man schreibt und wie man es schreibt und für wen man sich einsetzt. 

Wie viele andere Personen mit Reichweite machst du auch Produktwerbung auf deinen Instagram Posts. Und du schreibst selbst: "Wie erhält man Aufmerksamkeit? Mit viel Haut. Das nehme ich gerne in Kauf, um Menschen zu erreichen." Was antwortest du den Menschen, die glauben, dass du Bikini-Fotos und die Mantras der Body-Positivity-Bewegung vor allem nutzt, um Geld zu verdienen?

Wenn man ein bisschen recherchiert, oder mir länger folgt, weiß man, wie ich mit dem Bloggen angefangen habe. Und wie lange ich sehr viel Herzblut und Zeit in das Ganze investiert habe, ohne einen Cent zu verdienen. Die Kooperation mit passenden Partnern mache ich einerseits, um mich für all die Zeit, die ich für andere investiere, zu belohnen und andererseits weil es mir Freude bereitet.

Die Kooperationen haben aber nichts mit Profitgier oder meinem Körper zu tun. Wenn ich Bikinifotos poste, dann weil sie zu meiner Message passen und diese untermauern, nicht, um damit Geld zu verdienen. Außerdem sind die meisten Bikinis selbst gekauft und die meisten Postings unbezahlt.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. 

Gerechtigkeit

Eine geplante Abstimmung spaltet jetzt schon Spanien
Katalonien macht im Kampf um die Unabhängigkeit ernst

Durch Spanien geht ein Riss – und in zwei Wochen droht er, das Land zu teilen. Katalonien, eine Region im Nordosten des Landes, will sich abspalten. Für den 1. Oktober hat die Regionalregierung in Barcelona ein Referendum angesetzt, in dem die Bürger über ihre Unabhängigkeit von Spanien abstimmen sollen. 

Spaniens Regierung und Gegner der Abspaltung rufen zum Boykott des Referendums auf. Die katalanische Regierung will trotzdem innerhalb von 48 Stunden die Unabhängigkeit Kataloniens erklären, sollte eine Mehrheit der Wähler für eine Abspaltung stimmen.

Gelingt die Trennung, wäre die Touristenstadt Barcelona bald nicht mehr Teil Spaniens.

Schon jetzt ist die Stimmung in Spanien angespannt. Die Regierung in Madrid versucht die Abstimmung zu verhindern.