Bild: Marta Wilkosz
Wir können viel von ihnen lernen, sagt die Fotografin.

In den stressigsten Momenten meines Lebens erinnere ich mich oft an meinen Opa. Wenn ich morgens zum Bus hetze, viel zu spät zu Verabredungen erscheine. Wenn ich den Geburtstag wichtiger Menschen vergesse. Oder meine beste Freundin versetze, weil ich es schon wieder nicht schaffe, sie anzurufen, zu viel auf dem Plan, ich muss noch staubsaugen.

Dann erscheint mein Opa vor meinem inneren Auge. Er sagt: "Arbeit ist wichtig, aber noch wichtiger ist, nicht zu verlernen, auch mal runterzukommen. Etwas ganz in Ruhe zu machen, das ist wunderbar."

(Bild: Marta Wilkosz)

Worte wie diese machen Opa weise, sie machen ihn schön.

Das hat auch Marta Wilkosz erkannt, die vor drei Jahren von Kanada nach Berlin zog und dort anfing, alte Leute zu fotografieren und unter #seniorstyles auf Instagram zu posten. Marta hielt ihre Kamera auf Leute, die ganz zufällig ihre Wege kreuzten, wenn sie langsam über die Straße liefen. Die Fotografin entdeckte Schönheit – in der Art, wie sich die Senioren bewegen, wie sie sprechen, sich kleiden.

(Bild: Marta Wilkosz)
Wir haben Marta Wilkosz gefragt, warum sie sich so für alte Leute begeistert.

Marta, woher kommt deine Leidenschaft, Omas und Opas zu fotografieren?

Ich bemühe mich sehr, das Altern positiv zu sehen. Meine Fotos sollen zeigen, wie anmutig und gelassen man alt sein kann. Ich finde weißes Haar oder mit Altersflecken übersäte, weiche Hände wunderschön und beruhigend. Die Fotos zeigen auch etwas von meiner eigenen Zukunft, wie ich vielleicht mal aussehen werde. Damit sollte man sich auseinandersetzen.

(Bild: Marta Wilkosz)

Was können wir vom Stil alter Menschen lernen?

Alte Leute geben nichts auf Fast Fashion-Trends: Sie tragen ihre Kleidung lange, verbinden gar bestimmte Momente ihres Lebens damit und legen viel Wert auf Qualität. Viele der Kleidungsstücke waren mal sehr teuer und haben den Test der Zeit bestanden – das kann kaum ein junger Mensch von seinen Klamotten behaupten. Alte Leute interessieren sich nicht für das, was angeblich in ist. Was sie tragen, muss nicht zwingend zusammenpassen. So wirken diese Leute, als seien sie unerschütterlich.

(Bild: Marta Wilkosz)

Kann es sein, dass wir alte Menschen viel zu wenig beachten?

Unsere Gesellschaft ist süchtig danach, jung zu bleiben. Das Altern wird oft total negativ dargestellt und als etwas, das man so lange es geht vermeiden sollte – koste es, was es wolle. Es gibt so viele Fotografen, die Streetstyle fotografieren, der sich ständig ändert. Aber da draußen gibt es auch Leute mit echter Lebensfreude und einem Bewusstsein für Vergänglichkeit. Das Altern sollte viel mehr gefeiert werden.

(Bild: Marta Wilkosz)

Was sagt deine Oma zu deinem Instagram-Account?

Meine beiden Omas leben nicht mehr, aber ich denke, das Projekt würde ihnen gefallen. Ich verbinde nur gute Erinnerungen mit den beiden. Und vielleicht sind diese Fotos eine kleine Hommage an all die anderen tollen älteren Leute auf der Welt.

(Bild: Marta Wilkosz)
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(Bild: bento)