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Brauchen wir ein Gesetz gegen Magermodels wie in Frankreich?

In Frankreich wurde am 18. Dezember ein Gesetz verabschiedet, das ein gefährliches Untergewicht bei Models verhindern soll. Demnach dürfte künftig kein Model mehr arbeiten, dessen Body-Mass-Index (BMI) von einem Arzt als gefährlich eingestuft wird.

Frankreich steht mit dem Anti-Magermodel-Gesetz nicht alleine da. Auch in Spanien und Israel gibt es seit 2006 und 2012 Gesetze, die das Beschäftigen von Models mit einem zu geringen BMI illegal machen. Das Gesetz sieht einen vom Arzt durchgeführten Check im dreimonatigen Rhythmus vor. Außerdem verlangt es einen Hinweis unter Fotos, die mit Photoshop bearbeitet wurden.

Wie wird der BMI berechnet?

Die Rechnung geht so: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Größe in Meter zum Quadrat.

Ein Beispiel: Eine Frau, die 1,65 m groß ist und 60 Kilogramm wiegt, kommt auf einen BMI von 22,04, das Ergebnis von 60 / (1,65 * 1,65). Hier kann der BMI berechnet werden.

Solche Gesetze klingen sinnvoll? Das sieht man in der Modebranche ganz anders. Wir haben dazu Claudia Midolo, Geschäftsführerin der Hamburger Agentur Modelwerk befragt.

Das sind die Ausreden, mit denen sie den Schlankheitswahn der Modebranche rechtfertigt:
1. Der Kunde ist König

Schuld sind immer die anderen, ist klar. Midolo sagt: "Modelagenturen versuchen schon länger, dagegen anzusteuern, dass die von den Designern geforderten Größen immer kleiner werden. Aber der Kunde ist nunmal König und wenn er sagt, er braucht eine gewisse Größe, kann ich ihm auch kein anderes Model vermitteln." Und weiter: "Meiner Meinung nach müssen die Kunden zur Rechenschaft gezogen werden und nicht die Agenturen. Die können das gar nicht beeinflussen. [...] Irgendwie scheint der Kunde diese Art von Ästhetik ja zu wollen."

2. Vielleicht ist das gar keine Magersucht

Extrem dünn sein heißt ja nicht gleich magersüchtig sein, sagt Midolo. "Ich glaube nicht, dass das etwas mit Magersucht zu tun hat, sondern eher etwas mit extremen Ehrgeiz. Die Mädchen müssen viel Sport machen, auf ihre Ernährung achten – sonst klappt man auf einem Shooting zusammen."

3. Der BMI ist ja Quatsch
Eine Grenze über den BMI festzulegen – in Frankreich läge die Gewichtsuntergrenze für eine 1,70 Meter große Frau bei 55 Kilogramm – ist nach Midolos Meinung nicht richtig. "Also ich finde es schwer, so etwas am BMI festzumachen. Körper sind unterschiedlich."
4. Das ist stoffwechselbedingt

"Es gibt Menschen, die sind untergewichtig, weil sie einen speziellen Stoffwechsel haben."

5. In Deutschland brauchen wir das nicht

Wir brauchen in Deutschland kein Magermodel-Verbot, weil der deutsche Markt das von alleine regele, sagt Midolo. "Der deutsche Kunde möchte magere Mädels sowieso nicht buchen."

6. Also an uns liegt das nicht
Midolo sagt, wichtig sei der "Aufruf an den Kunden: Versucht es doch mal mit einer normalen Konfektionsgröße!" Aber Moment mal, ist das nicht Aufgabe der Agentur? Midolo sagt: "Wir sehen uns dann doch eher als Dienstleister. Ich weiß nicht, ob Staat oder Presse hier auch etwas beitragen können."
7. Solange es nur für die Show ist, ist das schon okay

Achso. "Magersucht ist für mich eine Krankheit, gegen die man sich nicht wehren kann. Sich dafür zu entscheiden, sehr, sehr dünn zu sein, ganz bewusst – wie ein Leistungssportler – ist für mich ein anderes Paar Schuhe. Dass es trotzdem grenzwertig ist, zu sagen: ein Mädchen "entscheidet" sich, so dünn zu sein, liegt auf der Hand. Da muss man fragen: Wie lange? Ist das nur für den Showtermin oder für einen längeren Zeitraum?"

8. Es gibt gar nicht so viele magersüchtige Models

"Ich glaube, es gibt wenige magersüchtige Mädchen in unserer Branche, weil der Körper permanent gecheckt wird. Man muss sich dauernd ausziehen, man wird kontrolliert, von oben bis unten. Wenn ein Mädchen drastisch abnimmt, fällt das auf."

Aber immerhin: Eigentlich plädiert Midolo auch für ein normales Modelmaß. "Übergewicht ist mindestens genauso ungesund wie Untergewicht. Ich würde dafür plädieren, dass einmal etwas Normales in Mode kommt. [...] Dieses Mittelmaß fehlt leider in der Modebranche. Es muss halt entweder oder sein." Helfen könnte mehr Aufklärungsarbeit, findet sie. Alles ganz freiwillig natürlich.

Warum sie trotzdem gegen eine gesetzlichen Regelung ist... Tja, siehe oben.

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