Bild: Klein aber Hannah

Modefirmen setzen alles daran, ihre Produkte möglichst aufwändig zu inszenieren – und so hohe Verkaufszahlen zu generieren. Vor allem in Onlineshops sieht Kleidung oft hochwertiger aus, als in der Realität. Nicht selten senden Kundinnen ihren gesamten Einkauf wieder zurück. Das ist auch Hannah Thalhammer aufgefallen.

Die 25-jährige Wienerin ist YouTuberin, Moderatorin und Comedian. In ihrem Format "Werbung vs. Realität" testet sie regelmäßig das, was Marken wie Mango, Asos oder H&M gerade im Angebot haben – und zeigt den Unterschied zwischen sich und den Kampagnen-Models. Wie weit ist der Unterrock? Ist die Kleidung transparent? Was kann man als Käuferin nicht erkennen, weil das Model auf dem Foto sitzt?

Hannah vergibt Punkte für Präsentation, Wohlfühlfaktor, Schnitt – und stellt im Fazit fest, ob die Werbung hält, was sie verspricht. Dem Kanal folgen auf YouTube 160.000 Menschen, auf Instagram hat sie 15.000 Follower.

In der Videostrecke: Hannahs Kanal
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YouTube als mediales Paralleluniversum hat Hannah relativ spät entdeckt. "Ich habe dort früher Musikvideos geschaut, ganz klassisch." Nach ihrem Journalismusstudium in Hamburg machte sich die Wienerin als Moderatorin und Sprecherin selbstständig, musste jedoch häufig auf Aufträge warten.

Aus Langeweile war so zuerst “Hannah kocht“, später dann in Kooperation mit einer Werbefirma “Klein aber Hannah“ entstanden.

Unser Anspruch ist es natürlich auch, Qualität auf YouTube zu bringen.
Hannah

Die beiden "Jungs aus dem Off", die Hannah immer wieder um ihre Meinung bittet, sind Simon Kaiser und Yannik Markworth. Gemeinsam gestalten die drei den Kanal seit Mai 2015. Inzwischen ist Hannah in die Werbefirma mit eingestiegen.

Vor drei Monaten, im Sommer 2016, kam dann die erste Kooperationsanfrage. Hannah legt Wert darauf, Produktplatzierungen transparent zu kennzeichnen. Die Abonnenten reagieren darauf überraschend positiv.

Die Röcke, Taschen und Hosen in "Werbung vs. Realität" bestellt Hannah im Übrigen selbst. "Da ist nichts bezahlt." Was "Klein aber Hannah" von Fashion-Kanälen unterscheidet, ist vor allem die humoristische Herangehensweise. "Ich versuche eine Botschaft zu vermitteln, ohne dabei dogmatisch zu werden."

Auf meinem Kanal mache ich das, worauf ich Lust habe
Hannah

Sie möchte ihren Followern zeigen, dass sie in der bestellten Hose gar nicht so aussehen müssen wie das Model auf dem Plakat und ihnen ein gutes Gefühl vermitteln: "Schön ist für mich erstmal alles. Das ist mir ganz wichtig zu zeigen. Wenn du dich wohl fühlst, ist es egal, wie du aussiehst."

Wenn du dich wohl fühlst, ist es egal, wie du aussiehst.
Hannah

Von Fashion, sagt Hannah selbst, habe sie keine große Ahnung. Aber darum gehe es auch gar nicht. Wichtiger sei, das große Reizthema "Körper" zu enttabuisieren und die Modewelt genauso wie sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Auf die Format-Idee ist sie bei einem Abend mit ihren Freundinnen gekommen. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, sie wird nicht selten durch makellose Fotos in Modemagazinen verstärkt. "Ich kenn das von meinen Freundinnen, die dann sagen: ‘Schau mal, die hat so schlanke Beine und große Brüste, obwohl sie so dünn ist. Ich will das auch!’" Natürlich gebe es Frauen, die so aussehen, sagt Hannah. Nicht immer, aber oft dank Photoshop.

Mir ist das Thema sehr am Herzen gelegen.
Hannah

Selbst ist sie "relativ uneitel." Konkurrenz in ihrem YouTube-Segment gibt es wenig. "Ich glaube ein Grund, warum wenige Frauen Comedy machen, ist, dass man einen Sinn für Selbstironie haben muss. Mut zur Hässlichkeit ist da durchaus gefragt. Ich würde für mich schon sagen, dass ich das habe."

Comedy sei für Hannah ein schöner Weg, auch mal ernstere Themen spielerisch zu behandeln. Gesellschaftskritik zu üben, ohne den erhobenen Zeigefinger zu benutzen.

Inzwischen kann Hannah von YouTube leben. "Ich bin sehr gut beschäftigt." Ihre gewonnene Expertise nutzt sie auch für andere Auftragsarbeiten. Moderationsjobs, zum Beispiel - und als Beraterin in der Werbefirma.

"Du musst in dieser Branche viel machen und dir so Erfahrung aneignen, die dich von anderen unterscheidet." Durchhaltevermögen sei dabei besonders wichtig. Die 100.000 Follower-Grenze ist nach wie vor eine magische. "Ab diesem Zeitpunkt weiß man, dass es richtig losgeht."

Mit ihrem YouTube-Kanal hat sich Hannah ihre eigene Plattform geschaffen. Learning by doing also, das der jungen Frau gemeinsam mit ihrer Liebe zum Performen letztlich zu einem verhältnismäßig selbstbestimmten Leben in der Medienbranche verhalf.


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