Was machst du beruflich? Instagram. Das erfordert nicht nur Zeit, sondern auch unzählige Selfie-Versuche und Filter, bis das eigene Gesicht so aussieht wie auf den Covern der Hochglanzmagazine.

Essena O’Neill, eine 18-jährige Australierin mit einer halben Million Instagram-Follower hat auf den Schwindel keine Lust mehr. Letzte Woche löschte sie kurzerhand 2.000 retuschierte Fotos und änderte den Namen ihres Accounts in „Social Media Is Not Real Life“. Seither gibt sie ihr Bestes, um jungen Frauen und Männern das zu zeigen, was sich vor und hinter der Kamera wirklich abspielt. Wie viele Schnappschüsse auch bei ihr noch nötig sind, bis ein Foto dabei ist, das tatsächlich gefällt.


"I had acne here, this is a lot of makeup. I was smiling because I thought I looked good. Happiness based on aesthetics will suffocate your potential here on earth" schreibt Essena unter dieses Foto.

Den Großteil ihrer Teenager-Jahre hat die junge Frau damit verbracht, ihre Optik socialmediagerecht aufzupolieren, um so viele Likes und Follower wie möglich zu bekommen. Ein System, das sie nicht mehr unterstützen möchte. "Lach doch mal" ist ein oftmals dahingesagter Ratschlag, der suggerieren soll: Mach keine Probleme, Kleines! Lächle doch mal, dann ist alles gut.

"I was 16 here. 16!!! I did not wear this outfit out of the house, just for the photo." Sie fragt: "What is the obsession with trying to look older, sexier?"

In einer Gesellschaft, die insbesondere Frauen gerne auf ihr Äußeres reduziert, ist dieser Schritt ein radikales Statement gegen Beauty- und Schönheitswahn. Die übersexualisierte Darstellung sehr junger Mädchen ist - leider - immer noch Norm.

Essena kritisiert, dass viele ihrer Follower durch diese Form der medialen Repräsentation eine falsche Vorstellung von Glück und Schönheit entwickeln würden. Unter dieses Foto schreibt sie: "This is what I like to call a perfectly contrived candid shot. Nothing is candid about this. While yes going for a morning jog and ocean swim before school was fun, I felt the strong desire to pose with my thighs just apart #thighgap boobs pushed up #vsdoublepaddingtop and face away because obviously my body is my most likeable asset. Like this photo for my efforts to convince you that I'm really really hot #celebrityconstruct."

Ach Essena. Ich hoffe du weißt, dass du auch ohne Make-Up und pompösem Abendkleid das bist, was man normschön nennt. Helle Haut, blonde Haare, kleine Nase. Selbst ist der Australierin übrigens durchaus bewusst, dass sie die "genetische Lotterie" gewonnen hat.

"Standing there and looking pretty is what I once aspired to do as a young girl. In our society if you're pretty people give you attention. So I made my appearance my worth." Essenas Botschaft: Hört auf zu vergleichen, miteinander zu konkurrieren und fangt endlich an, die Liebe, Kreativität und Leidenschaft zu schätzen, die in euch steckt. Weil Menschen mehr sind.

Ihr aktuelles Youtube-Video vom 2. November widmet sie ihrem 12-jährigen Ich. Weil sie all das gerne gehört hätte, als sie jünger war. Weil Instagram-Celebrities die Realität verzerren und ein Leben vorgaukeln, das vordergründig aus Reisen und Parties und perfekt lackierten Fingernägeln besteht. Aber nichts davon wirklich glücklich macht, wie sie selbst nach einem Aufenthalt in L.A. feststellen musste.

Up-Date: Essena hat ihre Social Media Accounts mittlerweile gelöscht.