Bild: bento
"Mir tut alles weh."

Partys im Zelt, Stunden voller Glitzer und Musik – auf Festivals erleben viele Menschen Tage außerhalb der Zeit. Doch egal, ob Rockkonzert oder Techno-Rave: Irgendwann endet auch der größte Höhenflug und der Alltag kommt wieder. Bett statt Luftmatratze, Badewanne statt Bierdusche. 

Doch wie ist die Stimmung nach Tagen voller Matsch, Abenteuer und Dosenbier?

Wir haben auf dem Hurricane-Festival mit vielen Menschen darüber gesprochen – einmal vor und einmal nach dem Wochenende. Dabei sprachen wir über die Highlights des Wochenendes und die Gefühle danach. Manche waren am letzten Tag plötzlich nicht mehr da, andere hatten einen leeren Handyakku und wollten noch ein bisschen tanzen. Und wieder andere fühlten sich überraschend fit. 

Am Ende konnten wir mit sieben Menschen über ihr Festival-Wochenende sprechen.

So sehen Menschen vor und nach dem Hurricane aus:

Till, 22

1/12

"Ich bin mega erholt. Nachdem ich in der ersten Nacht nur vier Stunden schlafen konnte, habe ich mich nach dem Frühstück gleich wieder hingelegt und später noch einen Mittagsschlaf gemacht. Seitdem bin ich fit und fühle mich ganz gut – auch wenn es vielleicht nicht ganz so aussieht."

Highlights:

  • Das Konzert von Two Door Cinema Club
  • Die Performance von Dendemann
  • Das Rumhängen mit Freunden

Lisa, 23

1/12

"Ich war schon sehr oft hier, bestimmt sechs oder sieben Mal. Am meisten mag ich die Musik und die vielen unterschiedlichen Menschen. Früher hab ich viel rumgehangen, dieses Jahr ging es mehr um die Musik. Ich habe eine Rollstuhlfahrerin begleitet und fand es spannend, wie sich dadurch meine Perspektive geändert hat."

Highlights:

  • Die unterschiedlichen Menschen, die man immer wieder trifft.
  • Der Auftritt von Marteria am Freitagabend

Jan, 27
Varina, 24
Philipp, 30

1/12

Kennengelernt hat Varina die beiden Jungs erst auf dem Festival, erzählt sie bei unserem ersten Treffen. Am letzten Tag sitzen Jan und Philipp plötzlich wieder alleine am Auto. Was war da los? Und was war eigentlich mit den Party-Plänen der beiden Jungs, hat alles geklappt? Wir fragen nach.

Jan: "Ich habe mega wenig geschlafen. Von Donnerstag bis Sonntag insgesamt vielleicht zwölf oder 13 Stunden. Aber die Stimmung war trotzdem gut. Ich sag mal: Jackie Cola am Morgen hat uns weit nach vorne gebracht."

Philipp: "Wahrscheinlich hab ich noch ein bisschen weniger geschlafen als Jan, vielleicht so zehn Stunden. Die Luftmatratze, auf der ich im Auto geschlafen habe, ging irgendwann kaputt. Mir tut alles weh. Aber egal, mein Motto für das Wochenende war ohnehin von Feine Sahne Fischfilet – ich bin komplett im Arsch. Und ja, wir haben noch Kontakt zu Varina."

Gemeinsame Highlights:

  • Die große Party beim Auftritt von Marteria
  • Die Konzerte von Samy Deluxe und Kraftklub
  • Die Leute, die man beim Feiern so trifft.

Pay, 30

1/12

"Ich hab vom Zelten eine verspannte Schulter, aber ansonsten geht's mir ganz gut. Die Show von Bonaparte war am besten, er hatte eine krasse Bühnenshow mit abgefahrenen Strippern und hat auch sonst gut Stimmung gemacht. Unser Lieblingsessen war ein Dosengericht namens Schweizer Käseeintopf. Was das ist? Das haben wir uns auch gefragt!"

Highlights:

  • Die lockere Stimmung auf dem Zeltplatz
  • Die Konzerte von Dendemann und Bonaparte

Jana, 31

1/12

"Ich mag eigentlich kein Camping, aber in diesem Jahr war es super. Wir hatten viel Spaß und haben viel Zeit auf dem Platz verbracht. Unser Essen haben wir jeden Tag selbst gekocht, deshalb hatten wir jeden Tag mehr Platz im Auto, was sehr praktisch war."

Highlights:

  • Die Konzerte von The Offspring und den Beginnern
  • Das Wetter in diesem Jahr

Hanna, 29

1/12

Eigentlich kennen wir Hanna als Kollegin aus der bento-Redaktion. Als wir ihr am Freitag auf dem Hurricane begegnen, ist sie gerade auf dem Weg zu ihrem ersten Konzert. Zeit für ein Erinnerungsfoto bleibt trotzdem. Drei Tage später treffen wir sie auf dem Zeltplatz wieder und wollen wissen, wie fit sie nach dem Festival-Wochenende noch ist.

"Mir geht's super! Ich glaube, ich habe noch nie so viel auf einem Festival geschlafen wie dieses Jahr auf dem Hurricane. Allein von Samstag auf Sonntag waren es neun Stunden – herrlich!"

Highlights:

  • SXTN und Jain, die Frauenpower gezeigt haben und richtig abgegangen sind

Laura, 25

1/12

"Ich bin leider krank geworden und krächze jetzt ein bisschen, weil es nachts so kalt war. Das Festival war aber trotzdem super. Wir haben fast jeden Tag selbst gekocht – oder zumindest selbst aufgewärmt. Am häufigsten gab es die Dosenklassiker Chili con Carne und Penne mit Käsesoße. Am Samstag haben wir gegrillt."

Highlights:

  • Die Mischung aus Musik, netten Menschen und Dingen, die man im Alltag nicht tun würde
  • Ohropax, die beim Einschlafen und vor lauten Bühnen helfen

Und nach dem Festival-Wochenende? Da geht es im Alltag weiter. Auch, wenn manche Dinge plötzlich ganz anders sind:


Fühlen

Miriam ist bipolar: "Ich hatte das Gefühl, dass ich eine Versagerin bin"

Miriam hat eine bipolare Störung. Damit ist sie eine von etwa 800.000 Betroffenen in Deutschland. Die psychische Krankheit äußert sich durch manische und depressive Stimmungsschwankungen. In den manischen Phasen erleben Betroffene ein extremes Hochgefühl. Sie sind euphorisch, stehen gleichzeitig unter Daueranspannung. Im kurzen Wechsel können diese Gefühle ins Negative umschlagen. Vor allem Menschen ohne Diagnose reagieren darauf mit Verzweiflung. Sie wissen nicht, was mit ihnen passiert – es besteht ein erhöhtes Suizidrisiko.  

Miriams Krankheitsgeschichte fing an, als sie 13 war. Damals erlebte sie ihre erste Depression. Bis sie die richtige Diagnose bekam, sollten noch Jahre vergehen. In der Zwischenzeit versuchte sie, gesellschaftsfähig zu bleiben. Irgendwann ging es nicht mehr. Nach einer Hypomanie des absoluten Hochgefühls folgte kurz darauf der absolute Tiefpunkt - sie wurde krankgeschrieben und fragte sich: Was stimmt nicht mit mir?