Es gibt Kleidungsstücke, die sind umstritten, zum Beispiel Ugg-Boots, bodenlange Mäntel, Lederröcke oder weiße Pumps. Die einen lieben sie, die anderen können sich nicht vorstellen, warum man sich und seinem Äußeren so etwas je antun würde.

Jetzt ist es Herbst und das ist genau die Zeit, in der die Overknees Einzug in den Schaufenstern halten. Dieses Jahr ganz besonders viele. 

Overknees sind nämlich wieder im Trend, melden sämtliche Fashion-Experten:
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Den ultimativen Ritterschlag gab es dann auch  aus den Moderedaktionen: Die Grazia schreibt, Overknees wären die "schönsten Stiefel der Saison" und die englische Glamour prophezeit, dass Overknees die Schuhe sein werden, die wir jeden Tag, 24/7 tragen wollen.

Frauen, die nicht in der Modebranche arbeiten, stürzt das in einen tiefen inneren Konflikt. So auch mich.

Overknees können fantastisch aussehen. Sie können aber auch wie ein großer Unfall wirken.

Trotzdem überlege ich jedes Jahr, ob ich mir ein Paar kaufe. Sobald mir die erste Person auf der Straße in den Trend-Stiefeln entgegen kommt, fange ich an, eine Pro-Contra-Liste anzufertigen. The struggle is real.

Gegen Overknees spricht Vieles:

  • 1. Was macht man, wenn man  keine langen Beine hat? Lässig mit der Tatsache kokettieren, dass der Schuh zu lang ist fürs Bein? Oder lieber ganz lassen?
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  • 2. Ich trage seltener Röcke als Jeans und bin mir nicht sicher, wie gut sich Hosen in Overknees machen. Es  ist schließlich ein schmaler Grad zwischen Schäften, die "zu baggy" an den Beinen schlabbern und Stiefeln, die wie eine Presswurst aussehen.
  • Der andere Herbst-Trend des Jahres? Hier entlang:

3. Einmal muss es ausgesprochen werden: Overknees können sexy sein – oder billig. An welchem der beiden Enden man rauskommt, hängt hauptsächlich am Stilbewusstsein der Trägerin – man muss sich also zutrauen, das richtige Gespür zu haben.

Für den Kauf spricht:

1. Immer wenn ich andere Frauen mit Overknees sehe, werde ich ein wenig neidisch. Und ich beiße mir auf die Lippe und denke "Hättest du mal...". Dieses Gefühl geht jetzt ins dritte Jahr. Grund genug, sich endlich den Wunsch zu erfüllen.

2. Es gibt wohl kaum ein vergleichbares Kleidungsstück, dass kalten Temperaturen zum Trotz so scharf aussehen kann. Kleidungsstücke, in denen ich mich im Herbst nicht nur wohl, sondern auch noch umwerfend fühle, fehlen eh in meinem Kleiderschrank.

3. Außerdem halten sie warm und schützen vor kaltem November-Dauerregen. Es mag ein wenig großmütterlich wirken, aber warme Beine und Füße sind für mich essenziell, um mich nicht zu erkälten. Trage ich einfach nur Boots und Strumpfhose, wird mir schnell eisig kalt. Overknees sind eine super Alternative.

4. Man kann sich noch so zurückhaltend kleiden, Overknees pimpen jedes Outfit. Der schlichte schwarze Rock oder das gemütliche Strickkleid sehen sofort nach höherer Mode-Mathematik aus. Sollte ich morgens mal wenig Zeit haben (also quasi immer), kann ich zu den Overknees greifen und nach 15 Sekunden so aussehen, als hätte ich mir zumindest ein wenig Gedanken gemacht.

Fazit: Es gibt, zumindest in meiner Liste, einen guten Grund mehr, sich in diesem Herbst an Overknees zu versuchen, als es nicht zu tun. Meine Pro-Contra-Rechnung hat also ein klares Ergebnis. Außerdem: Warum nicht einfach mal den Mut haben und es ausprobieren? Ich zögere jetzt schon seit Jahren und bereue es im März dann bitterlich, es nicht wenigstens versucht zu haben.

Das ist etwas, was wir aus vielen alltäglichen Situationen kennen. Sei es das Gespräch mit dem Ex, bei dem man nicht schlagfertig genug war, oder eine Buchidee, die man nie verwirklicht hat. Hätte, hätte Fahrradkette. Das Beste an Mode ist doch, dass man sich ausprobieren kann, ohne sich festzulegen.

Und deshalb gehe ich jetzt Schuhe kaufen.

Gerechtigkeit

In Nepal werden Frauen verbannt, wenn sie ihre Periode haben. So kämpfen sie dagegen

Wer seine Tage hat, darf nichts mehr anfassen. Keine anderen Menschen. Keine Ziegen oder Kühe. Kein Obst oder Gemüse, und erst recht keinen Wassereimer.

Wer seine Tage hat, wird verbannt. In einen Kuhstall oder irgendeine kleine Hütte. Hauptsache, weit weg von allem. Frühestens am fünften Tag nach Einsetzen der Periode ist die Rückkehr ins Leben erlaubt.