Ein Jahr nach seinem Tod wird sein Haus ein virtuelles Museum

Neugierig macht sie ja schon. Die Vorstellung, durch das Haus von Helmut und Loki Schmidt zu spazieren. Beide leben nicht mehr – und doch kann man ihnen jetzt noch einmal ganz nah kommen.

Die Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung macht aus dieser Vorstellung Realität: Auf ihrer Webseite bietet sie einen virtuellen Rundgang durch die Hamburger Räume und den Garten des Ehepaares an, in einem 360 Grad-Foto kann sich der Betrachter wie bei Googles "Street View" durch das Anwesen klicken.

So sieht es bei Helmut und Loki Schmidt zu Hause aus – die Fotos zum Klicken:
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Das solle dazu dienen, sich das Leben und Wirken des ehemaligen Bundeskanzlers und seiner Frau wissenschaftlich erschließen zu können, schreibt die Stiftung auf ihrer Webseite.

Was haben Helmut und Loki Schmidt gelesen? Wie haben sie ihre Erinnerungsstücke von Reisen aufbewahrt? Welche Kunstwerke oder Postkarten hängen an ihren Wänden?

Der Einrichtungsstil der Schmidts: gemütlich wie ein Sonntagmorgen, bodenständig wie ein wertvoller Keramik-Krug, vintage wie ein Ölgemälde, dazu ein Hauch Moderne in Form einer silber glänzenden Deckenleuchte.

Von diesem Stil können wir neun Dinge lernen.
1. Bücherregale sind noch eindrucksvoller, wenn sie bis fast unter die Decke reichen.

Die Werke der Welt-Literatur, Helmut und Loki Schmidt werden sie alle besessen und gelesen haben. Hunderte Bücher sind in ihren Regalen geordnet, manchmal der Größe oder Farbe nach. Das letzte Regalbrett schließt beinahe mit der Decke ab, die Bücher sind die Tapete.

2. Bilder wirken dann, wenn die Rahmen in der Petersburger Hängung angeordnet werden.

Wenn Helmut und Loki ihre Bilder aufhingen, traf Chaos auf Ordnung: In ihrem Haus bedecken zahlreiche, dicht an dicht platzierte Werke die Wände.

Ursprünglich demonstrierten die Bürger St. Petersburgs auf diese Weise ihren Reichtum – daher kommt auch der Name Petersburger Hängung. Heute gilt die Hängung als modern – und schafft auf Grund gleicher Formate und ähnlicher Rahmen gemütliche Kompositionen.

3. Orientalische Teppiche gehören zu einem riesigen Muster zusammengelegt.

Wie behaglich, wie vertraut: Die bunten Teppiche erinnern an Besuche bei den Großeltern. Auf Berliner Hipster-Flohmärkten kosten sie viel Geld – währenddessen liegt das Vintage, nach dem wir alle suchen, Saum an Saum bei den Schmidts auf dem Fußboden.

4. Hängelampen wirken besser, wenn sie an einem besonders langen Kabel von der Decke baumeln.

Design-Blogs zeigen es schon lange: Lampen, die an einem besonders langen Kabel aufgehängt sind, lassen einen Raum größer wirken. Die Verlängerung sorgt außerdem dafür, das Licht an genau die Stelle zu leiten, an der man es haben will. Helmut Schmidt did know how to shine!

5. Korbstühle. Dazu Lederstühle.

Was Instagrammer aus Skandinavien seit Kurzem kombinieren, steht genauso schon in der Bude von Helmut und Loki. Es ist ja immer irgendwie angesagt, Materialen zu mixen, die eigentlich nichts beieinander zu suchen haben – in diesem Fall Korb- und Lederstühle.

6. Erinnerungen aus Keramik sollten prominent platziert werden.

2016 ist das Jahr, in dem sich Töpfer- und Keramikschulen kaum vor Anmeldungen retten können. Auch in Großstädten. Was Helmut und Loki Schmidt von ihren Staatsreisen mitbrachten, darum würde man sich heute reißen: Keramik, handbemalt, Teller und Krüge.

7. Alkohol ist ein Möbelstück.

Du machst gerade eine Detox-Diät? Helmut Schmidt hatte eine eigene Bar!

Und wie stilvoll das ausgesehen haben muss: Wie er seinen Gästen ein Gläschen einschenkte und sich selbst dazu eine Zigarette anzündete, dann ab auf die rotbraunen Ledersofas – auf in ein tiefes, wichtiges Gespräch. Und aus der Bar-Ecke ein leises Licht.

8. Ein Gewächshaus eignet sich zur Aufzucht von Sukkulenten.

Kakteen stehen in jeder gut dekorierten Wohnung, das wissen wir spätestens, seit die hippe Foto-Bearbeitungsapp "Mips" sie auf ihre Palette der Gegenstände nahm, die man einem Foto hinzufügen kann. Nur, woher zwei Meter hohe Kakteen nehmen, wenn man sie sich auch im echten Leben ins Zimmer stellen will? Helmut und Loki wussten die Antwort und bauten sich diesen Glaskasten hinters Haus.

9. Wuchernde Pflanzen lassen einen Garten verwunschen und natürlich aussehen.

Penibel gekürzter Rasen und liebevoll gezüchtete Rosenbüsche? Spießig! In den Gärten der Alternativen wuchern die Pflanzen wie sie wollen. Das sieht verwunschen aus und regt die Fantasie an, an der es ihm kühlen Politikbetrieb so oft fehlt. Vielleicht kamen sie ja auch daher, die vielen guten Gedanken der Schmidts.

Alle Fotos sind Screenshots von der Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung, die Bilder stammen von der Filmreif Pictures Produktion.

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