"Viele wissen nicht, was sie da tragen."

Es schmückt derzeit viele Hälse: ein schwarzes Band, etwa drei Zentimeter breit. Ob modebewusste Twenty-Somethings oder Stars wie Miranda Kerr, FKA Twigs und Kendall Jenner – sie alle tragen das Accessoire mit einem gewissen Stolz.

Doch welche Geschichte verbirgt sich dahinter?

Die schwarzen Bänder haben unterschiedliche Bezeichnungen, Kropfband ist eine Variante. Die einfache Version des Bandes besteht aus einem mehreren Zentimeter breiten Samtband, das – je nach Geschmack – mit verschiedenen Anhängern versehen werden kann. Manchmal befindet sich im vorderen Halsbereich auch ein aufwändig gefertigtes Mittelstück, beispielsweise aus Porzellan oder Edelsteinen.

In der Fotostrecke: Kropfbänder, wie man sie auf der Straße sieht
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Ein anderer Begriff, mit dem vor allem Onlineshops das Halsband bewerben, ist "Choker". Das heißt so viel wie enger Halsreif und beschreibt eine einreihige, gleichlaufende Perlenkette mit einer Länge um die 40 Zentimeter. Als "Choker" werden unterschiedliche Produkte verkauft: Von Tattoo- über Muschelketten bis Samthalsbänder ist alles dabei.

Wer mit der Mode geht, sollte die Geschichte im Hinterkopf behalten, die mit so manchem Kleidungsstück geliefert wird. Wir fragen bei zwei Expertinnen nach.
  • Sandra arbeitet als freie Textildesignern.
  • Sandy ist Mitarbeiterin im Kinky-A-Fairy Shop in Köln – einem Laden für Fetischmode.

"Das Kropfband ist ein sehr verbreitetes Zeichen in der BDSM-Szene", sagt Sandy. "Man trägt es, um eine gewisse sexuelle Neigung zu zeigen. Trägerinnen, die sich nicht in der BDSM-Welt bewegen, machen sich vermutlich gar keine Gedanken, welches Bild ihr Band bei vielen Menschen hervorruft."

Der dominante Part nimmt den devoten Part an die Leine. Die Rangfolge ist so ganz klar gekennzeichnet
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(Bild: Screenshot: Sialinda Onlineshop)

Der Mensch, der das Halsband umgehangen hat, so Sandy, ist der Sklave. Wer die Leine hält, die an der Metallöse des Halsbandes befestigt wird, ist der Besitzer. Übernommen wurde das aus der jahrhundertelangen Praxis des Sklavenhandels, ein nicht gerade unproblematischer Ursprung. "Das Halsband eines Sklaven beziehungsweise einer Sklavin besteht immer aus zwei Dingen: Einmal das Halsband an sich, und der D-Ring oder die Öse vorne am Halsband - sichtbar direkt am Kropf, also an der Kehle. Dort wird dann die Leine befestigt", erklärt Sandy.

Auch in der bayerischen und österreichischen Trachtenkultur ist das Kropfband seit langem verankert – allerdings aus anderen Zwecken. Seinen Ursprung soll das Kropfband im Salzburger Land haben. Im 19. Jahrhundert führte ein Jodmangel bei vielen Einwohnern zu einer Vergrößerung der Schilddrüse - Kropf oder auch Struma genannt. Zu festlichen Anlässen hängten sich Frauen Kropfbänder um. Entweder, um den Kropf, oder die Narben nach einer Operation zu verdecken.

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"Um 1730 bis 1770 kam das Kropfband auch in der Rokoko-Epoche zum Einsatz", sagt Textildesignerin Sandra. "Zum eckigen oder runden Ausschnitt zeigten die Damen ein hohes Dekolleté und Halsschmuck.“ Gut zu sehen ist dies beispielsweise bei Maria Josepha von Sachsen.

"Die Medaillons waren in den Achtzigern und Neunzigern schon modern, genauso wie schwarze Samtbänder und enganliegende Perlenketten", so Sandra. "Ich glaube, es ist ein Trend bei denen, die gerade in ihren Zwanzigern sind und die die Hypes aus den Achtzigern und Neunzigern mitmachen. Ich bin einem Alter, wo sich das für mich wiederholt.“

(Bild: Jean-Étienne Liotard / www.rijksmuseum.nl )

Wie so viele Trends, ist auch dieser vermutlich bald wieder vorbei. Sandy würde es freuen: "Jeder kann tragen, was er möchte. Aber es wäre trotzdem schön, wenn sich die Menschen für die Geschichte ihrer Outfits interessieren würden."

Schließlich ist Mode alles andere als unpolitisch. Wer sich mit Szene-Accessoires schmückt und nicht über deren Hintergrund Bescheid weiß, kann auf Unverständnis stoßen – und sich ganz schnell selbst entlarven. Als Fashion-Victim, ohne jegliches Interesse für Kulturgeschichte.


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