Bild: Katharina Hölter

Die Wunschvorstellung ist ja diese: Nach einem Flohmarkt bist du ein neuer Mensch. All die alten Schlabberteile, Fehlkäufe und mittlerweile viel zu engen Hosen sind endlich aus deinem Kleiderschrank verschwunden. Stattdessen ziehen dort bald dieses Kleid und das Top ein, die schon ewig in deinem Lieblingsgeschäft im Schaufenster hängen. Jetzt kannst du es dir endlich leisten. Das Geld, das fließt – und zwar in deine Kassen.

Halt, stopp! 

Ganz so einfach ist das nicht. Haben wir festgestellt, als wir am vergangenen Wochenende auf einem Flohmarkt unsere ausgemisteten Teile loswerden wollten. Es braucht definitiv eine gute Verkaufstaktik und Methoden, um andere Verkaufsstände auszustechen. So ein Flohmarkt ist ein Kampf. Und das hier sind die besten Waffen. 

Dos
1. Optik ist alles.

Es gibt die Stände, die aus einem alten Klapper-Malertisch von Opa und lieblos platzierten Umzugskartons bestehen:

(Bild: Katharina Hölter)

Und es gibt diese hier:

(Bild: Katharina Hölter)

Der Verkaufstisch ist mit Geschenkpapier verziert. Ketten und Armreifen liegen in einer Schmuckkiste. Bunte Schilder weisen auf die Kiste mit den günstigen Teilen für unter 3 Euro hin. Die richtigen Profis haben sogar Modepuppen für ihr Lieblingsoutfit oder große Kerzenständer für die schönsten Taschen und Accessoires dabei.

Ihr könnt euch vorstellen, an welchem der beiden Stände mehr Kundschaft stehen blieb.

2. Du brauchst einen Köder.

Und der heißt Zucker. Wenn du Kekse oder Haribo aufstellst, kann keiner widerstehen und greift zu. Jetzt steht er schon mal an deinem Stand, der erste Schritt wäre getan. Zu beachten: Stelle nichts Schokoladiges auf. Das könnte böse enden für deine Klamotten.

3. Mach den Aale-Dieter.

Dieter ist eine Verkaufs-Legende. Auf dem Hamburger Fischmarkt schreit er am lautesten. Und verkauft reihenweise vollgepackte Tüten mit Fisch. "Kommt mal ran hier. Guckt mal hier, das ist 'ne Ware, die kriegst du nur hier."

Ok, zum Marktschreier musst du vielleicht nicht werden. Aber du kannst dir von Dieter ein bisschen was in Sachen Produkte anpreisen abschauen. Überlege dir zum Beispiel nette Geschichten zu deinen Klamotten. Eine die immer zieht: "In diesem Kleid habe ich meinen Freund kennengelernt – ein absoluter Erfolgsgarant. Da sollten Sie zuschlagen."

Das hier ist Aale-Dieter:

4. Pack die Kleiderstange ein.

Der typische Flohmarktkäufer liebt es, zu wühlen. Der Stapel an zusammengefalteten Shirts gleicht im Nu einem chaotischen Wäschehaufen. Es sieht aus wie in einem H&M am ersten Tag beim Super-Sale. Du hast irgendwann keinen Überblick mehr: Was ist schon verkauft? Hat jemand was mitgehen lassen?

Aber es gibt eine Lösung: Falls du nicht eh schon eine besitzt, kauf dir eine günstige Kleiderstange. Daran kannst du die Klamotten viel besser präsentieren. Die Verkaufszahlen werden in die Höhe schnellen. 

5. Sorge für genügend Nahrung und Sitzplätze.

Vergiss nicht, dich auch um's eigene Wohl zu kümmern. Ein absoluter Anfängerfehler zum Beispiel: die Stühle vergessen. Spätestens ab Stunde vier fangen die Beine an zu schmerzen. Außerdem denk an genügend Kaffee, vor allem wenn der Aufbau für den Flohmarkt um 6 Uhr morgens beginnt. Der ein oder andere Snack kann auch nicht schaden. 

Denk immer dran: Wenn's dem Verkäufer gut geht, spürt das auch der Kunde. Immer schön lächeln!

(Bild: https://giphy.com/gifs/city-bus-doll-B0vFTrb0ZGDf2/)
6. Stell kurz vor Ende noch ein Schild auf.

Und zwar mit der Aufschrift: "Alles muss raus!" oder "Alles zum halben Preis!" Denn gewitzte Flohmarktkäufer nutzen die letzte Stunde noch einmal aus, um günstig an die letzten Teile zu kommen. Schließlich will man als Verkäufer dann doch einfach möglichst viel, wenn auch billig, loswerden – und nicht wieder mit gefüllten Taschen nach Hause fahren. 

Don'ts
1. Such dir keinen Flohmarkt mit Eintritt.

Das schlimmste Szenario überhaupt: Es ist Muttertag, die Sonne strahlt, alle Menschen sind draußen unterwegs. Und du verkaufst am Stadtrand in einer Turnhalle Klamotten – auf einem Flohmarkt, für den die Menschen vier Euro Eintritt zahlen müssen. 

Ok, das mit dem Wetter kannst du nicht absehen. Es hätte ja auch regnen können, dann wäre die Halle genial gewesen. Aber, dass die Menschen vier Euro Eintritt zahlen müssen, war dir vorher klar. Fazit: Schau dir genau an, wie der Flohmarkt aussehen wird, bevor du gleich einen Standplatz buchst.

2. Verkauf nicht alles für einen Euro.

Es gibt immer diesen einen Moment, in dem schon seit einer Viertelstunde niemand mehr etwas gekauft hat und du bei der nächsten Anfrage einfach denkst: Na gut, dann nimm es eben für den Euro.

Nein, tu es nicht!

Gut ist es immer, vorher bei Ebay-Kleinanzeigen, Kleiderkreisel oder auf der Verkaufsplattform Momox zu vergleichen, wie viel du dort bekommen könntest. Wenn du ausgeleierte Teile nirgends los wirst, bring sie doch zum Beispiel zu H&M. Die haben ein Recycling-System und es gibt sogar einen 10-Prozent-Gutschein für einen Beutel alter Klamotten. Natürlich freuen sich auch Wohlfahrtsverbände über deine Kleidung.

3. Verkaufe keine Lieblingsteile.

Du wirst es irgendwann bereuen, wenn du das Kleid aus deinem ersten Tanzkurs oder das vom Abiball für zehn Euro verschleuderst. Deine Erinnerungen sind einfach mehr wert. 


Gerechtigkeit

Wo Feminismus draufsteht, ist oft keiner drin
H&M, C&A und Monki beschäftigen Frauen, die leiden

GRL PWR. Girlpower. So steht es geschrieben auf dem Kapuzenpullover, der gerade in den Geschäften von H&M hängt. Wenige Monate zuvor gab es das inhaltlich dazu passende Shirt, "Feminism. The radical notion that women are people", stand darauf.

Und auch beim Tochterunternehmen Monki kann man sie tragen – die Botschaft, dass wir alle Feministen sind oder seien sollten. So gab es in den Geschäften schon ein Oberteil zu kaufen, der "Riots not Diets" forderte.